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Dekra-Fahrzeugkontrollen: Bilanz nach einem Jahr
Wirtschaft 6 Min. 12.02.2019

Dekra-Fahrzeugkontrollen: Bilanz nach einem Jahr

Die DEKRA-Kontrollstation  in Bartringen

Dekra-Fahrzeugkontrollen: Bilanz nach einem Jahr

Die DEKRA-Kontrollstation in Bartringen
Foto: Pierre Matgé
Wirtschaft 6 Min. 12.02.2019

Dekra-Fahrzeugkontrollen: Bilanz nach einem Jahr

Marco MENG
Marco MENG
Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es. Bei der jährlichen Fahrzeugkontrolle ging das bislang allerdings nicht auf: die Tarife sinken nicht, sie steigen.

„Es wird nicht weniger Qualität bei der Kontrolle geben, sondern mehr Service für den Kunden“, sagte François Bausch im Dezember 2017 bei der Einweihung der ersten Dekra-Kontrollstation für Fahrzeuge in Bartringen.

Durch die Reform der technischen Fahrzeugprüfung werde das Angebot der Fahrzeugkontrollen vielfältiger „und für den Kunden sicherlich interessanter“, so der Transportminister.

Doch die Hoffnung, es werde dann billiger, hat sich ins Gegenteil verkehrt: zwar ist seit Februar 2018 das Monopol der SNCT („Société nationale de contrôle technique“) gebrochen, doch die Preise, die der Konkurrent Dekra in Bartringen für Fahrzeugprüfungen verlangt, liegen über denen der SNCT – und die zog nun nach, indem sie ihre Preise nach oben anpasste.

Wobei die SNCT sorgsam darauf geachtet hatte, knapp unter den Preisen der Dekra zu bleiben – und sei es nur zwei Euro bei einem Lastwagen (94 Euro gegenüber 96 bei Dekra) oder gar einen Euro beim Traktor. Den Tarif für ein Personenfahrzeuge und Lieferwagen hob die SNCT am 1. Februar von 37,50 auf 52 Euro an; bei Dekra fallen 59 Euro an. Bei Bussen stieg der Preis von 89,50 auf 104 Euro; bei Dekra fallen 106 Euro an.


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„2016 ist der Markt der technischen Kontrolle in Luxemburg geöffnet worden...“, teilt die SNCT mit, und Ziel der SNCT sei, durch die Qualität des Services ihre Marktanteile beizubehalten. Ganz wird das aber mit zunehmenden Alternativangeboten nicht gelingen, war die SNCT doch bislang einzige Prüfgesellschaft, die sämtliche Fahrzeuge im Land kontrollierte.

Beim Preisvergleich der beiden aktuellen Anbieter für Fahrzeugprüfungen fällt auf, dass der Tarif der Hauptuntersuchung bei Dekra minimal über dem neuen der SNCT liegt, dass die Nachuntersuchung bei der SNCT hingegen deutlich teurer ist: 30 statt 16 Euro beispielsweise bei einem normalen Personenfahrzeug.

Wie das Preismodell von Allain Dasthy aussieht, steht noch nicht fest. Der Autosachverständige rekrutiert derzeit Personal für seine Fahrzeugkontrollstation in Lorentzweiler, wo mit vier Prüfstellen im April oder Mai der Betrieb beginnen soll. Allain Dasthy ließ schon durchblicken, dass man bei der Preisgestaltung unter den Vorgaben der Konkurrenz liegen wolle.

Ein Millionenmarkt

Als kommerziell orientiertes privatrechtliches Unternehmen müsse die SNCT die Preise anheben, um die Kosten zu decken und die Qualität der Dienstleistung zu erhöhen, begründet die Gesellschaft die Tariferhöhung. Tatsächlich stand Ende 2017 (letzte verfügbare Zahl) bei der SNCT ein Verlust in Höhe von fast einer Million Euro zu Buche. Damals hatte auch der Direktor der SNCT, Armand Biberich, seinen Hut nehmen müssen – er wird nun bald seinem ehemaligen Arbeitgeber mit Allain Dasthy Konkurrenz machen.

Die nationale Gesellschaft für technische Überwachung (SNCT) ist eine Tochtergesellschaft der nationalen Gesellschaft für Kfz-Verkehr (SNCA), die wiederum mehrheitlich dem Staat gehört.

Rechnet man den Gesamtfuhrpark von Luxemburg mit rund 400 000 Personenwagen und etwa 50 000 Busse, Lastwagen und Traktoren nehmen die Prüfer abzüglich der Neuwagen allein für die Hauptuntersuchung mit den neuen Tarifen nun mehr als 20 Millionen Euro ein.

Mit der EU-Richtlinie 2014/45 sollte die technischen Prüfungen in Europa harmonisiert werden, indem ein einheitlicher Prüfkatalog eingeführt wurde – jedes Land kann aber noch zusätzliche Prüfungen verlangen und außerdem die Prüfintervalle selbst festlegen.

Jährlich oder alle zwei Jahre?

Laut Richtlinie ist die Mindestanforderung, dass Neuwagen in der EU seit letztem Jahr erstmals nach Erstzulassung nach vier Jahren zur „Contrôle Technique“ müssen, danach ist die Untersuchung mindestens alle zwei Jahre fällig. Mit der Tariferhöhung der SNCT flammt nun gleichzeitig eine weitere Diskussion auf: Die Preise in Luxemburg für die Autokontrolluntersuchungen liegen zwar immer noch unter denen der Nachbarländer, allerdings fragt sich jetzt so mancher Kommentator, warum in Luxemburg ab acht Jahren eine solche Kontrolle jährlich durchzuführen ist, während sie in den großen Autoländern Frankreich und Deutschland nur alle zwei Jahre stattfinden muss.

Auf der anderen Seiten scheitern jedes Jahr laut Angaben der SNCT immerhin mehr als 60 000 Fahrzeuge wegen Mängel an der ersten Inspektion. EU-weit hat etwa die gleiche Zahl von Ländern eine zweijährige oder eine einjährige Prüfpflicht.

Estland und Portugal haben ein System, das sich nach dem Alter des Autos richtet. So ist in Estland eine Untersuchung drei Jahre nach der Erstzulassung Pflicht, dann alle zwei Jahre, und ab dem neunten Lebensjahr des Fahrzeugs jährlich.

Was die europaweite Harmonisierung anbelangt, ist es fraglich, ob Pendler ihr Auto in Luxemburg prüfen lassen oder Autobesitzer in Luxemburg über die Grenze fahren können, um es dort durchchecken zu lassen. Luxemburg hat bislang keine derartige zwischenstaatliche Vereinbarung. Belgien und die Niederlande haben eine: dort wird die technische Kontrolle schon länger gegenseitig anerkannt. Beide Länder haben einen einjährigen Prüfintervall.


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