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Das unmögliche Dreieck
Leitartikel Wirtschaft 2 Min. 23.02.2019

Das unmögliche Dreieck

 US-Präsident Donald Trump (l.) und Chinas Präsident Xi Jinping bei ihrem Gipfeltreffen am 9. November 2017 in Peking.

Das unmögliche Dreieck

US-Präsident Donald Trump (l.) und Chinas Präsident Xi Jinping bei ihrem Gipfeltreffen am 9. November 2017 in Peking.
Foto: AFP
Leitartikel Wirtschaft 2 Min. 23.02.2019

Das unmögliche Dreieck

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Die „Journée de l'économie“, eine Art Mini-Davos der Luxemburger Wirtschaftsentscheider, steht in diesem Jahr unter dem Motto „Protektionismus, Nationalismus, zunehmende Spannungen im Welthandel“.

Den Veranstaltern der nunmehr schon 13. Auflage kann man zugutehalten, dass sie genau das zentrale Thema ausgesucht haben, das die Welt derzeit erschüttert: Die politischen Auswirkungen der Ungleichgewichte im globalen Handel.


Guests talk before an event commemorating the 40th anniversary of the establishment of diplomatic relations between the United States and China at the Great Hall of the People in Beijing on January 10, 2019. (Photo by Mark Schiefelbein / POOL / AFP)
China und USA weit von Lösung ihres Handelskonfliktes entfernt
Ein Ende des Handelskrieges zwischen den USA und China ist nicht in Sicht. Trotz einer ersten Annäherung bei Gesprächen in Peking sind viele Probleme ungelöst.

Die Verschiebung der Machtbalance von West nach Ost hat in den alten Industriestaaten einen „China-Schock“ ausgelöst, mit vor allem für die USA dramatischen Folgen. Alles begann 2001, als die Volksrepublik der Welthandelsorganisation WTO beitrat, und viele Handelsschranken fielen. Urplötzlich versorgte China, die Werkbank der Welt, die US-Amerikaner mit billigen Alltagswaren. Die US-Firmen, die zuvor diese Waren produziert hatten, gingen reihenweise in Konkurs. 2,4 Millionen Industriejobs gingen verloren. US-Ökonomen haben festgestellt, dass viele Regionen, die besonders hart von der chinesischen Konkurrenz betroffen waren, politisch nach rechts gedriftet sind. Es ist nicht ohne Ironie, dass Donald Trump, der den Niedergang der fertigenden Industrie kritisiert, selber ein Ergebnis dieser Entwicklung ist.

Der Aufstieg Chinas zur wirtschaftlichen Weltmacht beunruhigt den Westen – für das Reich der Mitte selbst bedeutet er die natürliche Rückkehr auf den angestammten ersten Platz, dort wo es nach eigenem Selbstverständnis hingehört.

Für die vom Export abhängige Luxemburger Wirtschaft ist das eine unbequeme Botschaft.

Die westlichen Unternehmen können in China nicht mit gleich langen Spießen kämpfen. Es gibt Probleme beim Marktzugang und beim Schutz geistigen Eigentums. Donald Trump mag ein grober Klotz mit brutalen Methoden sein, wenn er China mit einem Handelskrieg droht. Unrecht hat er nicht. Zumindest hat Peking gemerkt, dass eine Kursänderung notwendig ist. Trumps Fehler besteht darin, dass er, anstatt sich mit ihnen zu verbünden, den gleichen Knüppel bei den Europäern zückt.

Es ist kein Zufall, dass bei der diesjährigen „Journée de l'économie“ Harvard-Professor Dani Rodrik auftreten wird. Der Star-Ökonom hat mit seinem „Trilemma der Weltwirtschaft“ die derzeit heiß diskutierte These aufgestellt, dass Freihandel, Demokratie und Nationalstaatlichkeit faktisch nicht miteinander vereinbar sind. Zwei Faktoren lassen sich kombinieren, niemals aber alle drei zusammen. 

Dr. Dani Rodrik lehrt International Political Economy an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University. Am kommenden Freitag hält er einen Vortrag bei der "journée de l'économie".
Dr. Dani Rodrik lehrt International Political Economy an der John F. Kennedy School of Government der Harvard University. Am kommenden Freitag hält er einen Vortrag bei der "journée de l'économie".
Foto: Wikipedia.org

Die Chinesen haben das Rodrik-Trilemma auf ihre Art gelöst: Sie setzen auf Nationalismus und Globalisierung, unterdrücken dabei aber die Demokratie. Die USA wiederum haben sich von der Globalisierung abgewandt, und fördern unter dem Banner ihrer „America First“-Politik Konflikte mit ihren ehemaligen Partnern. Die Europäische Union hat nicht zuletzt unter dem Einfluss der Eurokrise die nationale Souveränität ihrer Mitglieder zurückgeschraubt. Da sie aber gleichzeitig die negativen Folgen der Globalisierung verspürt, kommt es am Pol der Souveränität zu einem Rückschlag, den Nationalisten und Populisten ausnutzen.

Für Wirtschaftsliberale schwer zu akzeptieren ist die Ansicht von Professor Rodrik, dass sich ein Land immer gegen einen der drei Pole entscheiden muss. Er plädiert dabei für die Einschränkung des Freihandels, weil die Demokratie ein höheres Gut sei, und eine Weltregierung illusorisch. Die Auswüchse des Welthandels nennt er „Hyper-Globalisierung“, die zu wachsenden Ungleichgewichten zwischen Reich und Arm, Gewinnern und Verlieren führt.

Für die vom Export abhängige Luxemburger Wirtschaft ist das eine unbequeme Botschaft.


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