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Das Geschäft mit den Firmenkunden brummt
Wirtschaft 3 Min. 08.04.2022 Aus unserem online-Archiv
Chancen und Risiken des Sektors

Das Geschäft mit den Firmenkunden brummt

Das Bankgeschäft mit Unternehmen wächst in Luxemburg. Bedroht wird dieses Wachstum vor allem von drei Faktoren: Überregulierung, Cyberattacken und dem Fachkräftemangel.
Chancen und Risiken des Sektors

Das Geschäft mit den Firmenkunden brummt

Das Bankgeschäft mit Unternehmen wächst in Luxemburg. Bedroht wird dieses Wachstum vor allem von drei Faktoren: Überregulierung, Cyberattacken und dem Fachkräftemangel.
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 3 Min. 08.04.2022 Aus unserem online-Archiv
Chancen und Risiken des Sektors

Das Geschäft mit den Firmenkunden brummt

Marlene BREY
Marlene BREY
Luxemburgs Corporate Banking Sektor hat drei Milliarden Euro umgesetzt. Das Geschäft ist seit 2016 um 60 Prozent gewachsen.

Die Gesamteinnahmen in Luxemburgs Corporate Banking Sektor, also dem Geschäft mit Firmenkunden, dürften sich auf drei Milliarden Euro belaufen. Das ist nicht nur eine enorme Summe, auch die Entwicklung in diesem Bereich kann sich sehen lassen. Denn das Firmenkundengeschäft der Banken ist damit seit 2016 um knapp 60 Prozent gewachsen.


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Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der ABBL. Der Bankenverband hat die Ergebnisse des „ABBL Corporate Banking Activity Reports 2020/2022“ vorgestellt. Die Gesamteinnahmen der befragten Banken im Firmenkundengeschäft beliefen sich demnach bis Ende 2020 auf fast 2,5 Milliarden Euro. Da die befragten Unternehmen nur etwa 80 Prozent des gesamten Firmenkundenmarktes in Luxemburg repräsentieren, hat die ABBL dieses Ergebnis hochgerechnet und gelangt so auf die Summe der besagten drei Milliarden. „Die Ergebnisse zeigen, dass das Firmenkundengeschäft in Luxemburg ein starker und profitabler Sektor ist“, so die ABBL in ihrem Bericht.

Der Sektor soll sein Potenzial kennenlernen

Um „das Juwel“ des luxemburgischen Bankensektors genauer zu analysieren, wie die Studie titelt, führten PwC Luxemburg und die ABBL mit Unterstützung der Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) und Luxembourg for Finance (LFF) gemeinsam die ABBL-Firmenkundenstudie 2022 durch. 


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Bisher gibt es nur wenige Untersuchungen für Luxemburg in diesem Bereich. So kennt der Sektor seine spezifischen Herausforderungen, aber auch sein Potenzial zum Teil nur unzureichend. Will er seine Möglichkeiten ausschöpfen, braucht es also Erkenntnisse. Das ist nicht ganz einfach. Denn es gibt nicht einmal eine einheitliche Definition des Firmenkundengeschäfts – die Grenzen zu anderen Banksegmenten wie dem Investmentbanking und dem Privatkundengeschäft sind fließend. Nichtsdestotrotz identifiziert die Studie eine Vielzahl von Geschäftsmodellen, Chancen und auch Problemen dieses Bereichs in Luxemburg.

Digitale Transformation

Eine Erkenntnis der Studie ist, dass viele Banken an der Schwelle zu einer umfassenden digitalen Transformation stehen. Das gilt sowohl in Bezug auf den Betrieb der Banken selbst, als auch für die Interaktion mit den Kunden. 

„Der technologische Wandel hat die Nachfrage der Bankkunden nach effizienten und maßgeschneiderten Dienstleistungen im Firmenkundengeschäft steigen lassen“, schreiben die Autoren der Studie. Ihre Erkenntnisse fußen auf einer ganzen Reihe von Befragungen. CEOs wurden eingeladen, qualitative Online-Fragebögen auszufüllen und zahlreiche quantitative Fragen wurde an die Chief Financial Officers (CFOs) der Banken geschickt. Die Auswertung zeigt: Die Bereiche der Kundenidentifizierung (Know your Customer), Geldwäschebekämpfung, Prozesseffizienz, Datenspeicherung und Datenschutz werden am stärksten vom technologischen Wandel gefordert.

Die gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen haben dazu geführt, dass ein ganz neuer Typus von Firmenkundenbetreuern benötigt wird, der nicht nur technisch, sondern auch digital versiert sein muss. Hier verschmelzen die Bereiche Digitalisierung und die drängende Suche nach den richtigen Fachkräften.

Auch regulatorische Vorschriften verlangen Mitarbeitern von Banken immer mehr ab. Die Autoren der Studie stellen fest, dass Luxemburgs regulatorisches Ökosystem zwar eine starke Position als globales Drehkreuz einnimmt, dass aber Probleme mit der Überregulierung und der Cybersicherheit noch gelöst werden müssen, wenn das Land weiterhin mehr globale Akteure im Firmenkundengeschäft anziehen und halten will.    

Die Banken müssen sich selbst neu erfinden – und das wissen sie. Auf die Frage, wie man sich in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil sichern will, antworteten die Banker: mit Innovation (81 Prozent). Bei der Reduzierung der Kosten ist offenbar nicht mehr allzu viel Luft nach oben. Nur rund 50 Prozent der Antworten entfielen auf diese Option. (Es waren Mehrfachnennenungen möglich, darum ergeben die Antworten nicht 100 Prozent). Bleibt also die Frage, was der Fokus für die Innovations-Strategie ist. Die Kapitalmärkte und Kreditvergabe landen hier mit 71 Prozent auf Platz eins, noch vor dem Trend-Thema Sustainable Finance. Auch die Kundenbetreuung soll optimiert werden.

Nicht so grün wie andere

Während die Geschäftsbanken erhebliche Anstrengungen unternommen haben, um grüne und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen einzuführen, wenden derzeit nur 58 Prozent der Firmenkundenbanken Nachhaltigkeitskriterien bei der Kreditvergabe an. Auf EU-Banken entfallen 83 Prozent dieser Zahl – was angesichts der zunehmenden Nachhaltigkeitsdynamik in der EU nicht überrascht – während auf Nicht-EU-Banken nur 38 Prozent entfallen.


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Trotz der Wachstumsaussichten und einer relativ klaren Einschätzung dessen, was für eine starke Positionierung des Sektors sowohl auf regionaler als auch auf globaler Ebene erforderlich ist, gibt es eine Reihe struktureller Herausforderungen für die Geschäftsbanken in Luxemburg, die die Attraktivität des Landes für Banken beeinträchtigen. Die Studie stellt drei Hauptherausforderungen heraus: Überregulierung, Bedrohungen durch Cyberattacken und die Verfügbarkeit von Fachkräften.

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