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Das Bankgeschäft in der Pandemie
Wirtschaft 3 Min. 05.08.2021 Aus unserem online-Archiv
Finanzplatz

Das Bankgeschäft in der Pandemie

Leere Filialen im Frühjahr 2020.
Finanzplatz

Das Bankgeschäft in der Pandemie

Leere Filialen im Frühjahr 2020.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 3 Min. 05.08.2021 Aus unserem online-Archiv
Finanzplatz

Das Bankgeschäft in der Pandemie

Marco MENG
Marco MENG
Zwei unterschiedliche Banksegmente, gleiche Entwicklung: Die Kontostände wachsen an.

Das Retail Banking – damit gemeint ist das Standardgeschäft mit privaten Kunden und Selbstständigen – zeigte auch letztes Jahr ein stabiles Wachstum – und eine deutliche Verlagerung hin zum digitalen Banking. Das stellt der Luxemburger Bankenverband ABBL fest, der dazu in Zusammenarbeit mit der Finanzaufsichtsbehörde CSSF Daten zusammengetragen hat. 

„Insgesamt hat der Retail Banking-Sektor die Pandemie gut gemeistert“, so der Bankenverband. 

Beschäftigungs- und Kundenzahlen in diesem Bankensegment blieben stabil, während Kundenguthaben wie Kreditvergabe deutlich stiegen. So nahmen die verwalteten Vermögen um fast zehn Prozent zu; gleichzeitig stieg auch die Kreditnachfrage, hauptsächlich für Immobilienprojekte. 

Der Großteil des Vermögens im Standardgeschäft wurde auch 2020 weiterhin auf Giro- oder Sparkonten gehalten, ohne dass es zu einer nennenswerten Verlagerung auf Anlageprodukte gekommen ist. Ende 2020 beliefen sich die verwalteten Gelder im Retail-Geschäft auf insgesamt 92,4 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 9,3 Prozent im Vergleich zu 2019

Die Bestände auf den Girokonten nahmen gegenüber 2019 bei den natürlichen Personen um 26 Prozent und bei den Freiberuflern und juristischen Personen um 13 Prozent zu. Die Wertpapierbestände nahmen insgesamt um acht Prozent zu. Wie in den Vorjahren war die Immobilienfinanzierung die Hauptaktivität der Retailbanken. 

Die Kreditvergabe an Privatpersonen sind im Vergleich zu 2019 um neun Prozent gestiegen, die für Freiberufler und juristische Personen um acht Prozent. Ende 2020 waren laut Luxemburger Zentralbank für den privaten Bau oder Kauf von Einfamilienwohnhäuser oder einzelnen Wohnungen Immobilienkredite über 2,5 Milliarden Euro an Retail-Kunden vergeben

Ein deutlicher Rückgang war hingegen bei den Krediten für Ausrüstungen und Leasing zu verzeichnen, die letztes Jahr zehn Prozent unter denen von 2019 lagen. 88 Prozent der Retail-Kunden leben in Luxemburg, acht Prozent kommen aus den Nachbarländern. 

Geldscheine wichen Kartenzahlungen 

Auffällig war im Pandemiejahr, dass sich vieles ins Digitale verlagerte, so auch die Bargeldabhebungen. An Geldautomaten wurde 2020 um 25 Prozent weniger Geld abgehoben als 2019. Bargeldabhebungen in Filialen gingen sogar um 51 Prozent zurück. „Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits 2019 zu beobachten war“, so der Bankenverband. 

Die per E-Banking getätigten Geldüberweisungen nahmen um sechs Prozent zu. Freiberufler nutzten E-Banking sogar um 32 Prozent mehr als im Vorjahr, „eine deutliche Beschleunigung, die mit der Pandemie zusammenhängen dürfte“, meint die ABBL. 

Mehr „sehr vermögende“ Private Banking-Kunden 

Auch im Private Banking, dem maßgeschneiderten Geschäft mit vermögenden Privatkunden, sind die verwalteten Vermögen gestiegen, während die Zahl der Privatbanken mit 54 Instituten gleich blieb. Mit Citibank und Goldman Sachs kamen zwei neue Player hinzu, während seit letztes Jahr die ICBC und eine weitere Bank nicht mehr im Private-Banking-Sektor tätig sind. 


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Das meldet die Gewerkschaft Aleba am Dienstag. Die Luxemburger Filiale beschäftigt derzeit 200 Mitarbeiter. Das Mutterhaus will weltweit 10.000 Stellen streichen.

Der Sektor ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen, allerdings „ist die Rentabilität ist nach wie vor ein Problem für das Private Banking“, sagt die ABBL, da insbesondere kleinere Unternehmen unverhältnismäßig stark von den Kosten der Regulierung betroffen sind. 

Die verwalteten Vermögenswerte stiegen 2020 im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent auf 508 Milliarden Euro, wobei der Anteil der sehr vermögenden Kunden mit einem Vermögen von über 20 Millionen Euro auf 58 Prozent gestiegen ist. 21 Prozent der Vermögenswerte im Private Banking stammen aus Luxemburg, wobei das Vereinigte Königreich, Belgien, Italien und die Schweiz die Top 5 vervollständigen. Rund 15 Prozent der Vermögenswerte stammen aus Ländern außerhalb Europas. 

Insgesamt ist das verwaltete Vermögen im Luxemburger Private Banking seit 2008 um 130 Prozent gestiegen. Mit dazu bei trug auch der Zustrom mehrerer neuer Banken in den letzten zwei Jahren nach dem Brexit, was zu einem Nettoanstieg der verwalteten Vermögen geführt hat. Während die Gesamtzahl der Beschäftigten im Bankensektor im Jahr 2020 insgesamt mit rund 26.300 stabil blieb, verzeichnete der Privatbankensektor sowie das Standardgeschäft einen leichten Rückgang der Beschäftigtenzahl auf 6.097 respektive 7.339. 

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