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CSSF: "Risiken sind überschaubar"
Wirtschaft 3 Min. 19.03.2020

CSSF: "Risiken sind überschaubar"

Die Corona-Pandemie erschüttert seit Tagen auch den Finanzsektor.

CSSF: "Risiken sind überschaubar"

Die Corona-Pandemie erschüttert seit Tagen auch den Finanzsektor.
Foto. Guy Wolff
Wirtschaft 3 Min. 19.03.2020

CSSF: "Risiken sind überschaubar"

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Wie die luxemburgische Finanzaufsicht auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie reagiert.

Die Corona-Pandemie erschüttert seit Tagen auch den Finanzsektor: Aktien gehen weltweit in die Knie, die Portfolios vieler Anleger verlieren dramatisch an Wert, die Angst wächst stündlich. Viele fürchten, dass der Börsenabsturz in einen Dominoeffekt mündet – vergleichbar mit dem des Jahres 2008, als sich verschiedene negative Effekte gegenseitig verstärkten. Und stellen sich die Frage, wie stabil die globalen Finanzmärkte auf Dauer tatsächlich sind. 


ARCHIV - 05.12.2019, Belgien, Brüssel: Mario Centeno, Präsident der Eurogruppe und portugiesischer Finanzminister, spricht während einer Pressekonferenz. Die Finanzminister der Eurogruppe wollen am Montag in einer Videokonferenz (15.00 Uhr) über ein umfassendes Krisenpaket gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie beraten. Foto: Zucchi Enzo/EU Council/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
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"Die systemischen Risiken haben zugenommen, bleiben aber überschaubar", versucht Claude Wampach, Direktor der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF, zu beruhigen. "Dank der in den vergangenen zehn Jahren eingeführten Regelungen ist das Finanzsystem heute besser gerüstet, um solchen Schockwellen zu widerstehen", bekräftigt er und fügt hinzu: "Anders als 2008 liegen die Gründe für die Krise nicht im Finanzsystem". 

Dennoch nimmt die luxemburgische Finanzaufsicht CSSF die Risikolage sehr ernst und tauscht sich regelmäßig mit Finanzinstituten über deren Notfallpläne aus. Denn: Die Kapitalquoten der Finanzinstitute mögen robust sein, die Gewinne sind es nicht. Die Pandemie wird die Einnahmen vieler Banken drücken, weil sich die Kunden zurückhalten, egal, ob es um das Geschäft mit Unternehmen, Privatkunden oder um das Asset- und Wealthmanagement geht. Außerdem drohen Kreditausfälle, wenn Unternehmen in wirtschaftliche Probleme geraten. Das ist die größte Sorge der Aufseher. Hinzu kommt, dass die Zinsen wahrscheinlich noch über längere Zeit niedrig bleiben werden. Die Margen der Banken werden also noch stärker als bislang unter Druck geraten. 


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Das europäische Rahmenwerk ist demnach entscheidend, um die Finanzstabilität zu sichern und eine von vielen gefürchtete Krise zu verhindern. "In Absprache mit unseren internationalen Partnern – Europäische Zentralbank, Europäische Bankenaufsichtsbehörde, Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde – aber auch mit lokalen Partnern, wie etwa die Luxemburger Zentralbank, nutzen wir die gesamte Flexibilität, die dieser Rahmen uns bietet, um die Nachhaltigkeit des Finanzsystems zu gewährleisten und Anleger und Einleger zu schützen", unterstreicht die luxemburgische Finanzaufsicht. 

Drei Schwerpunkte 

Für die CSSF gelten drei Schwerpunkte: "Wir unterstützen Finanzinstitute dabei, die Kontinuität ihrer Tätigkeit zu gewährleisten. Wir geben ihnen etwa Fristen für das Reporting oder für die Umsetzung von Empfehlungen, sofern diese für die Finanzstabilität nicht kritisch sind"

Wir machen alles Mögliche, um sicherzustellen, dass die Finanzaufsicht aufrechterhalten wird.

CSSF

Darüber hinaus überwacht die CSSF die Liquidität und die Zahlungsfähigkeit der Finanzinstitute noch genauer, damit sie "Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von Investoren und Einlegern und zur Sicherung der Finanzstabilität treffen kann". Dies geschieht in Form von Informationsaustausch und engem telefonischen Kontakt mit den beaufsichtigten Instituten. "Schließlich können wir Ad-hoc-Maßnahmen ergreifen, um das weitere Funktionieren des Finanzsystems, einschließlich der Finanzmärkte, sicherzustellen – zum Beispiel durch das Verbot von Leerverkäufen", heißt es bei der CSSF. 


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Bei Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren. An den Börsen in Mailand, Madrid und Paris sind hochspekulative Wetten auf fallende Aktienkurse bereits deutlich eingeschränkt. Das ist in Luxemburg nicht der Fall, da auf dem hiesigen Parkett vor allem mit Anleihen gehandelt wird. "Eine Einschränkung auf Aktienkurse wäre also nicht wirklich sinnvoll", sagt CSSF-Direktor Claude Wampach. Es gilt demnach, den Finanzinstituten weiterhin zur Seite zu stehen und auf ihre Fragen einzugehen. 

"Darüber hinaus machen wir alles Mögliche, um sicherzustellen, dass die Finanzaufsicht aufrechterhalten wird", sagt die CSSF, die ihren "Business-Continuity-Plan" aktiviert hat. Die Finanzaufsicht erinnert daran, dass sie im Rahmen ihrer Modernisierungsstrategie CSSF 4.0 erhebliche technologische Investitionen getätigt hat, sodass die Mitarbeiter nun die Möglichkeit haben, über digitale und sichere Kanäle aus der Ferne mit den beaufsichtigten Instituten zu arbeiten und zu interagieren.


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