Wählen Sie Ihre Nachrichten​

CSSF-Direktor: Hatte Claude Marx mit Panama zu tun?
Wirtschaft 2 Min. 26.04.2016

CSSF-Direktor: Hatte Claude Marx mit Panama zu tun?

Der belgischen Presse zufolge soll CSSF-Direktor Claude Marx in seiner ehemaligen Funktion mitgeholfen haben, Briefkastengesellschaften zu gründen.

CSSF-Direktor: Hatte Claude Marx mit Panama zu tun?

Der belgischen Presse zufolge soll CSSF-Direktor Claude Marx in seiner ehemaligen Funktion mitgeholfen haben, Briefkastengesellschaften zu gründen.
Foto: Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 2 Min. 26.04.2016

CSSF-Direktor: Hatte Claude Marx mit Panama zu tun?

Maxime LEMMER
Maxime LEMMER
Claude Marx, der Direktor der luxemburgischen Finanz- und Bankenaufsicht, soll enge Beziehungen zu der umstrittenen Kanzlei Mossack Fonseca gepflegt haben. Dies berichtet u. a. die Brüsseler Zeitung "Le Soir".

(ml/las) - Pünktlich zum Auftakt des LuxLeaks-Prozesses sorgt eine Nachricht in einem ganz anderen Zusammenhang für Aufregung. Claude Marx, der aktuelle Direktor der Bankenaufsicht CSSF, soll direkte Kontakte mit Mossack Fonseca gehabt haben. Dies berichten am Dienstag mehrere belgischen Zeitungen, unter anderem Le Soir, De Tijd und MO. Die Anwaltskanzlei steht bekanntlich im Fokus der "Panama-Papers"-Ermittlungen. Die Kontakte seien entstanden, als Marx beigeordneter Direktor der HSBC Private Bank in Luxemburg war.

Aus den zahlreichen Dokumenten, die das internationale Journalistenkonsortium analysiert hat, gehe hervor, dass dutzende Briefkastengesellschaften von Mossack Fonseca und HSBC unter der Führung von Claude Marx gegründet worden seien. Marx habe damals die HSBC als Aktionär in mehreren Offshore-Gesellschaften vertreten, die inzwischen aufgelöst worden seien, heißt es weiter.

Keine Stellungnahme der CSSF

Mindestens elf belgische Kunden, unter ihnen ein wallonischer Rechtsanwalt und ein Diamanthändler aus Antwerpen, sollen auf die Dienste der HSBC Private Bank Luxemburg zurückgegriffen haben, um Gesellschaften in Steueroasen zu gründen. Claude Marx wolle keine Stellung zur Berichterstattung in der Presse beziehen, sagte CSSF-Generalsekretärin Danièle Berna-Ost dem "Luxemburger Wort" auf Nachfrage hin.

Das Finanzministerium stellt sich hinter Claude Marx. Seine Ernennung zum Generaldirektor der CSSF beruhe auf seiner Kompetenz, seiner Ehrbarkeit und seiner langjährigen Erfahrung im Finanzsektor, erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums auf Nachfrage des "Luxemburger Wort". Claude Marx habe klargestellt, dass er nie Aktionär oder Bevollmächtigter einer Offshore-Struktur gewesen sei, heißt es weiter aus dem Finanzministerium. "Es bestehen keine Zweifel an seinem Engagement, die höchsten Standards in der Aufsicht des Finanzsektors durchzusetzen", so der Sprecher.

Mylène Ribouleau, Sprecher der HSBC, weigerte sich die Presseberichte über Claude Marx zu kommentieren. Sie verwies lediglich auf eine Erklärung, die die Bank zu Beginn der "Panama-Papers"-Affäre veröffentlicht hatte. Darin hieß es, dass die Vorwürfe teilweise mehr als 20 Jahre zurückliegen würden.  Die Vorwürfe seien erhoben worden, bevor die HSBC ihre Reformen eingeleitet habe.

"Angemessene Konsequenzen"

Die HSBC verweist darauf, dass die Bank eng mit den zuständigen Behörden zusammenarbeite, um Finanzstraftaten zu bekämpfen und Sanktionen anzuwenden. Die Politik, die man verfolge, sei klar: Offshore-Konten könnten nur aufrechterhalten werden, wenn die Kunden gründlich überprüft worden seien. Es müsse u.a. sichergestellt werden, woher das Reichtum der Kunden stamme und ob sie ihre Steuern zahlen.

Vor zwei Wochen hatte die luxemburgische Bankenaufsicht "angemessene Konsequenzen" angekündigt, falls sich infolge der "Panama-Papers"-Enthüllungen herausstellen sollte, dass Luxemburger Banken oder Investmentfirmen gegen ihre Auflagen in Bezug auf die Vorbeugung von Geldwäsche verstoßen hätten. Konkrete Fälle wurden in dem knappen Kommunikee keine erwähnt.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Presserevue: Oh, wie schön ist Panama
Seit Montagabend können die "Panama Papers"-Daten im Netz durchgestöbert werden. Die zweite Welle der Enthüllungen könnte Auswirkungen auf Luxemburg haben.
"Panama Papers": Claude Marx nicht direkt zitiert
Am 26. April schrieb die Zeitung "Le Soir" über Verbindungen des CSSF-Generaldirektors Claude Marx und Offshore-Strukturen. Marx stritt ab, in seiner Zeit bei der Bank HSBC eine Funktion in einer Offshore-Struktur gespielt zu haben. Die neuen Daten deuten auf eine zumindest passive Rolle hin.
Wenige Monate nach seinem Start als CSSF-Generaldirektor sieht sich Claude Marx mit Vorwürfen konfrontiert, er sei in Offshore-Geschäfte verstrickt
Offshore-Geschäfte: Panama (Dis)Connection
Ein Luxemburger Bankkonto mit einer Panama-Briefkastenfirma: Dieses Produkt des Finanzplatzes war lange Zeit ein Mittel, um Ruhe vor den Steuerbehörden zu haben. Das Ende des Bankgeheimnisses ließ es außer Mode kommen. Die "Panama Papers" offenbaren nun die Versäumnisse der Vergangenheit.
Unter Palmen: Luxemburger Kunden sind seit einigen Jahren in Panama seltener geworden.