Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Credit Suisse wusch laut Schweizer Staatsanwalt Millionen
Wirtschaft 3 Min. 17.06.2022
Ermittlungen

Credit Suisse wusch laut Schweizer Staatsanwalt Millionen

Die Schweizer Großbank kommt nicht aus den Schlagzeilen.
Ermittlungen

Credit Suisse wusch laut Schweizer Staatsanwalt Millionen

Die Schweizer Großbank kommt nicht aus den Schlagzeilen.
Foto: dpa
Wirtschaft 3 Min. 17.06.2022
Ermittlungen

Credit Suisse wusch laut Schweizer Staatsanwalt Millionen

Ein Staatsanwalt hat mehr als 57 Millionen Euro identifiziert, die seiner Meinung nach über die Credit Suisse Group AG gewaschen wurden.

(Bloomberg) - Ein Staatsanwalt hat mehr als 60 Millionen Dollar (57 Millionen Euro) identifiziert, die seiner Meinung nach über die Credit Suisse Group AG gewaschen wurden. Es könnte das Vorspiel zur zweiten Anklage gegen ein großes Schweizer Kreditinstitut sein.

Der oberste Genfer Staatsanwalt für Finanzkriminalität, Yves Bertossa, hat bei einer Verhandlung in der vergangenen Woche eine Serie von acht Transaktionen benannt, die die Bank zwischen 2008 und 2014 nicht verhindert habe und die er als Fälle schwerer Geldwäsche durch das Schweizer Kreditinstitut werte, wie mit den Ermittlungen vertraute Personen berichten.

Patrice Lescaudron, der im Mittelpunkt des Falles stehende Betrüger, fälschte Unterschriften und erstellte gefälschte Portfolioauszüge, um illegal Millionenbeträge zu überweisen, vor allem von den Konten seines größten Kunden, des georgischen Milliardärs Bidsina Iwanischwili. Der verzweifelte Versuch, die wachsenden Verluste in den Portfolios anderer Kunden zu decken, führte zu Lescaudrons Verurteilung wegen Betrugs und Urkundenfälschung und zu einer Haftstrafe im Jahr 2018.

Die Credit Suisse wurde im Zusammenhang mit dem Skandal nie direkt von der Staatsanwaltschaft beschuldigt. Sollte es zu einer Anklage gegen die Bank kommen, wäre dies erst das zweite Mal, dass ein großes Kreditinstitut sich in der Schweiz einem Strafverfahren stellen muss. Die erste Anklage richtete sich ebenfalls gegen die Credit Suisse.

Fall des Wrestlers und Kokainhändlers 

Die in Zürich ansässige Bank wurde im Jahr 2020 angeklagt, weil sie es versäumt hatte, die Geldwäsche eines bulgarischen Wrestlers und späteren Kokainhändlers zu verhindern. Ein Urteil in dieser Sache steht noch aus, und die Credit Suisse hat erklärt, sie weise alle Vorwürfe in „dieser alten Sache“ zurück.

Eine Reihe von Skandalen, Gewinnwarnungen und Abgängen auf hoher Ebene haben das Vertrauen der Anleger und der Aufsichtsbehörden in die Bank erschüttert. Die Aktie notiert auf einem Rekordtief, und die britische Finanzaufsichtsbehörde Financial Conduct Authority hat die Bank wegen der anhaltenden Probleme auf ihre Beobachtungsliste gesetzt.

Einsamer Wolf

Die Credit Suisse hat stets behauptet, Lescaudron sei ein einsamer Wolf gewesen, der seine Machenschaften vor seinen Kollegen und Vorgesetzten geheim gehalten habe.


Members of Swiss unions demonstrate in front of the headquarters of Swiss banks UBS and Credit Suisse at the Paradeplatz Square in Zurich October 23, 2008. The protesters wanted the bank managers to return the bonuses they had received.   REUTERS/Arnd Wiegmann (SWITZERLAND)
Enthüllung über Credit Suisse bringt Schweiz in Bedrängnis
Die Credit Suisse soll Autokraten und Menschenhändler als Kunden akzeptiert haben. Die Schweiz könnte auf die schwarze Liste der EU kommen.

„Alle von der Bank, der FINMA und den Strafbehörden seit 2015 geführten Ermittlungen in dieser Angelegenheit haben ergeben, dass der ehemalige Relationship Manager bei seinen kriminellen Aktivitäten von keinem anderen Mitarbeiter der Credit Suisse unterstützt wurde“, teilte die Bank diese Woche in einer Stellungnahme mit. „Im abgeschlossenen Strafverfahren gegen den ehemaligen Relationship Manager wurde er nicht wegen Geldwäsche verurteilt.“

Ein Sprecher der Pressestelle der Genfer Staatsanwaltschaft lehnte eine Stellungnahme ab und verwies auf die Tatsache, dass die Ermittlungen noch andauerten.

Mangelnde Aufsicht

Die mangelnde Aufsicht über Lescaudron und die organisatorischen Mängel der Bank hätten die Geldwäsche erst ermöglicht, sagte Bertossa bei der Verhandlung am 8. Juni, so die mit dem Fall vertraute Personen. Eine Anklage könnte jedoch noch Monate auf sich warten lassen, da Rechtsmittel gegen die Zulässigkeit von Beweismitteln eingereicht wurden, die derzeit die Schweizer Gerichte beschäftigen.

Nach Schweizer Recht kann eine Bank, die nicht über die notwendige Aufsicht oder Organisation verfügt, um Geldwäsche zu verhindern, selbst wegen Geldwäsche angeklagt werden. Alle von Bertossa angeführten Transaktionen wurden den Angaben zufolge auf ein Drittkonto überwiesen, wodurch die illegale Herkunft der Gelder verschleiert wurde.


ARCHIV - 01.08.2014, Schweiz, Zürich: Der Schriftzug der Schweizer Bank Credit Suisse an einem Gebäude in Zürich. (zu dpa «Geldwäscheermittlungen in der Schweiz: Anklage gegen Credit Suisse») Foto: Steffen Schmidt/epa/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bericht: Credit Suisse hatte Autokraten und Kriminelle als Kunden
Ein internationales Recherche-Netzwerk erhebt Vorwürfe gegen die Credit Suisse. Die Großbank soll fragwürdigen Konten nicht auf den Grund gegangen sein.

Ein Gericht auf den Bermudas entschied im März in einem Fall, der eine Versicherungsgesellschaft betraf, die das Geld von Iwanischwili verwaltete, dass die Bank bei Lescaudrons Aktivitäten „weggeschaut“ habe.

Das Gericht in diesem Fall bezifferte die Verluste des Milliardärs Iwanischwili auf rund 550 Millionen Dollar. Credit Suisse will hier Rechtsmittel einlegen. Für nächste Woche ist eine Verhandlung auf den Bermudas angesetzt, um die Verluste genauer zu ermitteln. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Wegen des Verdachts der Geldwäsche hat die Schweizer Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen die eidgenössische Tochter der britischen Großbank HSBC eröffnet. Deshalb habe es am Mittwoch bei dem Unternehmen in Genf eine Hausdurchsuchung gegeben, teilte die Behörde mit.
Wegen des Verdachts der Geldwäsche hat die Schweizer Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen die eidgenössische Tochter der britischen Großbank HSBC eröffnet. (Foto: AFP)