Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Crash an den Börsen: China lässt Märkte einbrechen
Wirtschaft 3 Min. 24.08.2015 Aus unserem online-Archiv

Crash an den Börsen: China lässt Märkte einbrechen

Der Dow Jones Industrial rauschte am Montag wenige Minuten nach Börsenstart um mehr als 6 Prozent in die Tiefe. (Foto: AFP)

Crash an den Börsen: China lässt Märkte einbrechen

Der Dow Jones Industrial rauschte am Montag wenige Minuten nach Börsenstart um mehr als 6 Prozent in die Tiefe. (Foto: AFP)
AFP
Wirtschaft 3 Min. 24.08.2015 Aus unserem online-Archiv

Crash an den Börsen: China lässt Märkte einbrechen

In China platzt die Börsenblase. Der Lokomotive der Weltwirtschaft geht der Dampf aus. Nötige Reformen werden verschoben. 

(dpa) - In China platzt die Börsenblase. Der Lokomotive der Weltwirtschaft geht der Dampf aus. Nötige Reformen werden verschoben. Deutsche Firmen sind zunehmend abhängig von China. Droht noch mehr Unheil?

Die Probleme in China haben jetzt den Rest der Welt infiziert. Der dramatische Einbruch der chinesischen Aktienmärkte sendet Schockwellen an die Börsenplätze von Tokio bis Frankfurt. Die Flut schlechter Nachrichten aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt lässt die Angst vor einbrechenden Wachstumsraten umgehen. „Viele Länder haben sich in eine immense Abhängigkeit von China begeben, die sie nun extrem verletzlich macht“, sagt Sandra Hepp vom China-Institut Merics in Berlin der Deutschen Presse-Agentur.

Chinas Wachstumsraten werden unweigerlich weiter sinken - mit globalen Konsequenzen. „Der Weltwirtschaft stehen schwere Zeiten bevor“, warnt Hepp. Auch deutsche Exporteure seien stark abhängig vom Reich der Mitte. „Nicht zuletzt deutsche Autobauer könnten von einem Abschwung in China empfindlich getroffen werden.“

Schon spätestens seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise 2008 stehe China vor großen Herausforderungen, die erst jetzt auch global Aufmerksamkeit fänden. „Die Turbulenzen an den Börsen, der zunehmende Kapitalabfluss und der Einbruch der Exporte stellen Chinas Führung auf eine harte Probe“, sagt Hepp. „Nach den verzweifelten Eingriffen an den Börsen hat auch die Abwertung des Renminbi (Yuan) gezeigt, dass die Nerven in Peking zunehmend blank liegen.“

Regierung kann den Markt nicht stabilisieren

Viele Milliarden hat die Regierung in den Markt gepumpt, konnte ihn aber nicht stabilisieren. Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou vom Pekinger Technologie-Institut kritisiert wie viele andere die „Verschwendung“. „Über kurz oder lang kann der Aktienmarkt nur besser werden, wenn die Probleme in der Wirtschaft gelöst werden“, sagt der Experte. „Je mehr Intervention, umso schlimmer entwickelt sich der Markt“, meint Hu Xingdou. „Es ist ein Teufelskreis.“

So sind inzwischen alle Gewinne dieses Jahres wieder zunichtegemacht worden. Durch den Kursrutsch seit Mitte Juni sind nach Schätzungen mehr als vier Billionen US-Dollar (knapp 3,5 Bio Euro) an Werten vernichtet worden. Die Kurse sind trotz aller Eingriffe um rund 40 Prozent gefallen. Es war nur eine Börsenblase. Denn seit vergangenem Jahr hatte die Propaganda die Märkte hochgejubelt, sodass sich viele Anleger auf der sicheren Seite wähnten. Putzfrauen, Taxifahrer und Studenten suchten alle ihr Glück im „chao gu“, übersetzt „Aktien in der Pfanne braten“.

„Es ist ein Fehler, anzunehmen, dass eine Börse, die 150 Prozent hoch geht, ohne dass es gute Wirtschaftszahlen gibt, auch noch stabil ist“, sagt der Präsident der EU-Handelskammer in China, Jörg Wuttke, der dpa. „Die Märkte sind zu lange zu hoch getrieben worden.“ Leider habe die Regierung auch noch viel Geld in die Hand genommen, um die Kurse oben zu halten. „Aber die Marktkräfte sind doch stärker.“ Auch gebe es psychologische Gründe: „Die Leute kriegen jetzt Panik.“

Schwache Nachfrage

Die Frage sei jetzt, wie der Kursrutsch die Realwirtschaft schwächen werde. „Das Grundproblem sind auch nicht die Aktienkurse, sondern die schwache Nachfrage, die Überkapazitäten und die Überschuldung im Unternehmensbereich“, sagt Wuttke. Auch sei es schwierig, den Dienstleistungssektor zu beleben, um neue Jobs zu schaffen. China stecke in einem Dilemma, weil das Wirtschaftswachstum allein über Exporte und Anlageinvestitionen erzeugt werde.

„Die Ausfuhren dümpeln bei der schwachen globalen Nachfrage vor sich hin“, sagt Wuttke. „Und heute ist jedem klar, dass nicht noch mehr Flughäfen, Bahnhöfe und Straßen gebaut werden können.“ Der EU-Kammerpräsident mahnt: „So kann es nicht weitergehen.“ Zwar wurden Reformen angekündigt, die dem Markt eine größere Rolle einräumen sollen. Doch die Umsetzung wird verschleppt.

„In einigen Bereichen gibt es zwar Fortschritte, aber zum großen Teil müssen die Wirtschaftsreformen noch angegangen werden“, sagt Wuttke. Es seien teilweise sogar Rückschritte zu sehen. „Bei vielen ausländischen Unternehmen ist auch das Gefühl erkennbar, dass keine Öffnung der Märkte stattfindet, sondern die Reformen nur heimischen Unternehmen zugutekommen und ausländische aus dem Markt gedrängt werden“, sagte Wuttke. Das schrecke Investoren ab.

Ein Ende der Kurstalfahrt ist nicht in Sicht. Aufgrund der massiven Interventionen sind Chinas Aktienmärkte nun in höchstem Maße von staatlicher Unterstützung abhängig. „Zeichen für einen möglichen Rückzug des Staates von den Märkten können daher jederzeit zu Panik führen“, warnt Merics-Expertin Hepp. Daran werde sich so schnell auch nichts ändern. „Die Turbulenzen sind noch lange nicht vorbei.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

„Wir glauben nicht an eine baldige Rezession“
BlackRock ist eine der größten Investmentgesellschaften und legt weltweit Geld an. Zu den Herausforderungen, die das mit sich bringt, sprach das Luxemburger Wort mit Russ Koesterich, Managing Director.
Wirtschaft, Kirchberg, BlackRock, Russ Koesterich, managing director, Investment Management UK,  photo Anouk Antony
Wenn China hustet
"Chinas Planwirtschaft stößt an ihre Grenzen", meint Christophe Langenbrink in seinem Leitartikel zum Börseneinbruch.