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Covid-Krise: Kein Netz-Kollaps zu befürchten
Wirtschaft 3 Min. 17.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Covid-Krise: Kein Netz-Kollaps zu befürchten

Covid-Krise: Kein Netz-Kollaps zu befürchten

Wirtschaft 3 Min. 17.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Covid-Krise: Kein Netz-Kollaps zu befürchten

Michel THIEL
Michel THIEL
Die Covid-19-Krise stellt für Internet-Infrastrukturen weltweit einen Stresstest dar. Luxemburg ist vergleichsweise gut aufgestellt. Probleme drohen allerdings an anderer Stelle.

Permanenter medialer Ausnahmezustand, Telearbeit, Millionen Menschen zu Hause vor Streaming-Diensten und auf sozialen Netzwerken: Die Covid-19-Krise belastet die Internet-Infrastrukturen weltweit über das gewöhnliche Maß hinaus.


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In der Schweiz gab es laut "Tagesanzeiger" am Montag angeblich durch vermehrte Heimarbeit in Verbindung mit der verstärkten Nutzung von Streaming-Diensten erste Engpässe aufgrund von Überlastungserscheinungen.

Professionelle Cloud-Dienste von Microsoft oder Zoom verzeichneten in den vergangenen Tagen in China, Europa und den USA enorme Last-Spitzen, vereinzelt kam es laut Berichten zu vorübergehenden Störungen. Akamai, einer der weltweit größten Anbieter für die Lastverteilungs-Dienste, verzeichnete am Dienstag global ein Plus von 64 Prozent gegenüber dem normalen Tagesdurchschnitt.


A man wearing a face mask walks past a screen showing stock prices on Taiwan�s Stock Exchange in Taipei on March 13, 2020. - Global stock markets suffered historic falls as panic spread on March 13 over the spiralling coronavirus crisis that has killed nearly 5,000 and infected sport, schools and society across the planet. (Photo by Sam Yeh / AFP)
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Ein "Ausfall des Internets" droht trotzdem nicht. Die "Backbones", also die Basisinfrastruktur des globalen Netzwerks, sind extrem robust ausgelegt und können solche Lastspitzen relativ problemlos einstecken.

Probleme drohen eher an beiden Endpunkten: den Server-Farmen der Provider und der "last Mile" zum Endkunden, insbesondere, was mobile Netze betrifft, die lokal keine unbegrenzte Bandbreite bieten.

Solide Infrastruktur in Luxemburg

Claude Demuth, CEO des luxemburgischen Internet-Knoten-Betreibers LU-CIX, kann zumindest Entwarnung geben, was die nationalen Bandbreiten-Reserven betrifft: "Es gibt keine Kapazitätsprobleme. Unsere Infrastruktur ist komplett überdimensioniert, was den aktuellen Bedarf angeht."

Unsere Infrastrukturen sind recht überdimensioniert im Verhältnis zum aktuellen Bedarf.

Claude Demuth, CEO LU-CIX

Die Post Luxembourg als größter luxemburgischer Mobilfunk- und Festnetzbetreiber bestätigte am Dienstag, dass es derzeit "keinerlei Störungen oder Überlastungsrisiken" gebe.

Das Postunternehmen hatte bereits am Montag seine Mobilfunk-Kunden via Kurznachricht darüber informiert, dass aufgrund der Covid-19-Krise alle Dienstleistungen bis Ende des Monats unbeschränkt und ohne Zusatzkosten zur Verfügung gestellt werden.

Auch Jeannot Grethen von Orange Luxembourg gab am Dienstag Entwarnung: "Wir behalten die Lage im Auge, aber derzeit sehen wir keine Probleme." Am Dienstag seien die Traffic-Werte im Mobilfunknetz etwa 15 bis 17 Prozent höher als sonst gewesen, dies sei "kein Grund zur Sorge", so Grethen.

Streaming-Dienste und Soziale Netze sind "schuld"

Zumindest was den nationalen Datenverkehr zwischen Anbietern in Luxemburg angeht, ist der Effekt durch die Krisenlage deutlich, aber dank enormer Kapazitäten weit entfernt vom kritischen Bereich. "Am Montagabend haben wir Traffic-Spitzen von 254 Gigabit pro Sekunde gesehen, was sehr ungewöhnlich für einen Wochentag in Luxemburg ist", erklärt Demuth - höher als an einem verregneten Sonntagabend mit Spitzenwerten von 210 Gigabit pro Sekunde.

Der Datentraffic in Luxemburg erreichte zwischen Montagmittag und Dienstagmorgen recht hohe Werte von über 240 Gigabit pro Sekunde.
Der Datentraffic in Luxemburg erreichte zwischen Montagmittag und Dienstagmorgen recht hohe Werte von über 240 Gigabit pro Sekunde.

Die erhöhten Last-Erhöhungen von zehn bis zwölf Prozent seien seit Freitag zu beobachten.

Der Hauptgrund für die Lastspitzen sei definitiv die verstärkte Nutzung von Video-Streaming und Social Media: "Die Kinder und viele Eltern sind halt jetzt tagsüber zu Hause."

Seit dem Eskalieren der Covid-19-Krise am vergangenen Freitag zeigen sich deutliche Traffic-Spitzen in Luxemburg - jedoch weit unterhalb des kritischen Bereichs.
Seit dem Eskalieren der Covid-19-Krise am vergangenen Freitag zeigen sich deutliche Traffic-Spitzen in Luxemburg - jedoch weit unterhalb des kritischen Bereichs.
Grafik: LU-CIX

Teleworking könne als Grund eigentlich ausgeschlossen werden, denn das benötige nur wenig Bandbreite.

Die Bildqualität auf Netflix könnte dann eben ein bisschen schlechter als gewöhnlich ausfallen

Claude Demuth, LU-CIX

Selbst bei einer Verschärfung der Krise seien also aus Luxemburger Sicht keine Engpässe bei der Versorgung zu erwarten - jedoch mit einer Einschränkung: "Diese Aussagen betreffen lediglich den Datenaustausch innerhalb Luxemburgs."

Probleme bei den Anbietern von Cloud- und Unterhaltungs-Diensten auf internationaler Ebene sind demnach in nächster Zeit nicht ganz auszuschließen, würden dann aber in der Regel eher private Endnutzer als Unternehmen treffen. Claude Demuth drückt diese Eventualität so aus: "Die Bildqualität auf Netflix wird dann eben ein bisschen schlechter als gewöhnlich ausfallen." 

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