Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Coronavirus in China: Leere Geschäfte, geschlossene Fabriken
Wirtschaft 3 Min. 29.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Coronavirus in China: Leere Geschäfte, geschlossene Fabriken

Es wird vermutet, dass das neuartige Virus aus der Tierwelt kommt.

Coronavirus in China: Leere Geschäfte, geschlossene Fabriken

Es wird vermutet, dass das neuartige Virus aus der Tierwelt kommt.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 29.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Coronavirus in China: Leere Geschäfte, geschlossene Fabriken

Fabian KRETSCHMER
Fabian KRETSCHMER
Der Virusausbruch in Wuhan wird die Wirtschaft Chinas schwächen - und auch Auswirkungen bis nach Europa haben.

Nach einer langen wirtschaftlichen Talfahrt schienen die Aussichten endlich wieder optimistisch: Die chinesische Staatsführung hatte schließlich Anfang Januar den „Phase 1 Deal“ gemeinsam mit US-Regierung unterzeichnet. 

Nach zwei harten Jahren des Handelskriegs zeichnete sich ein Durchbruch ab. Dann jedoch brach der Coronavirus aus – und zerschlug jegliche Hoffnung auf ein wirtschaftlich entspanntes Jahr 2020.

Auch aus einem zweiten Grund hätte der Virusausbruch nicht ungünstiger kommen können. Ausgerechnet zu Chinesisch Neujahr: Die Ferienwoche gilt unter normalen Umständen als einer der wichtigsten Eckpfeiler für den Binnenkonsum. 

Quarantäne und verunsicherte Stimmung  

2019 gaben die Chinesen in jener Zeit umgerechnet 149 Milliarden Dollar aus - vor allem in den Bereichen Gastronomie, Tourismus und Einzelhandel

Dieses Jahr jedoch sind aufgrund der Quarantäne und der verunsicherten Stimmung genau jene Bereiche besonders eingebrochen. Die meisten Familien bleiben schließlich zuhause, anstatt in Restaurants oder Shopping-Malls zu gehen. Kinos und Vergnügungsparks sind ohnehin geschlossen.


TOPSHOT - A man wears a protective facemask to help stop the spread of a deadly SARS-like virus which originated in the central city of Wuhan, as he walks on the outskirts of the Forbidden City and a New Year instalation displaying a fish and the number 2020 in Beijing on January 25, 2020. - China announced it will close a section of the Great Wall and other famous Beijing landmarks to control the spread of a deadly virus that has infected hundreds of people across the country. (Photo by NICOLAS ASFOURI / AFP)
Coronavirus breitet sich schneller aus: Bereits 56 Tote
China hat ganze Städte abgeriegelt, um das Coronavirus zu stoppen. Doch der Erreger breitet sich weiter aus. Die Regierung der besonders betroffenen Metropole Wuhan steht in der Kritik.

Bereits jetzt steht außer Frage, dass die seit zwei Wochen eskalierende Gesundheitskrise die ohnehin angekratzte chinesische Volkswirtschaft weiter schwächen wird. 

Derzeit steigt das Bruttoinlandsprodukt Chinas mit 6,1 Prozent so langsam wie seit 30 Jahren nicht mehr. In einer ersten Einschätzung geht der Analysedienst Economist Intelligence Unit von einem Einbruch des Wirtschaftswachstums von bis zu einem Prozentpunkt für 2020 aus.

Wie die SARS-Epidemie 

Nicht nur in Bezug auf die Erregerfamilie erinnert der Coronavirus an die SARS-Epidemie, viele Experten ziehen den historischen Vergleich von 2002 und 2003 zu Rate, um die wirtschaftlichen Schäden abschätzen zu können. 


landes chronik
Coronavirus: Cargolux hat Vorsichtsmaßnahmen ergriffen
Die Epidemie, die in der chinesischen Metropole Wuhan ausgebrochen ist, hat bereits andere Länder erreicht. Luxemburgs Luftfrachtgesellschaft ist vorgewarnt.

Allein im chinesischen Tourismussektor brachen die Einnahmen im Jahr 2003 um bis zu 60 Prozent ein

Die US-Denkfabrik „Center for International Development“ beziffert den finanziellen Schaden für China auf insgesamt 25 Milliarden US-Dollar. 

Das Forschungsinstitut „Oxford Economics“ geht in einer Studie davon aus, dass das Wachstum der Volksrepublik im Jahr 2003 um ganze zwei Prozentpunkte geschrumpft ist – von vorausgesagten 11,1 Prozent auf 9,1 Prozent.

Gruppenreisen gestoppt  

Viele der zur Eindämmung des Virus in Wuhan eingeleiteten Maßnahmen werden nicht nur für die heimische Wirtschaft Folgen haben. 

So wurden sämtliche Gruppenreisen in China gestoppt, sowohl für internationale Touristen als auch für Chinesen. 


(FILES) In this file photo taken on June 12, 2018 a Boeing 747-8 aircraft of the German airline Lufthansa is pictured at the airport in Frankfurt am Main, western Germany. - Lufthansa has cancelled all flights to and from China on January 29, 2020 amid concerns over the deadly new coronavirus. (Photo by Daniel ROLAND / AFP)
Lufthansa streicht alle Flüge von und nach China
Das neue Coronavirus breitet sich weiter aus. Vorsorglich ziehen Fluggesellschaften Konsequenzen.

Laut Bloomberg haben chinesische Touristen im Jahr 2018 rund 110 Milliarden Euro für Auslandsreisen ausgegeben – soviel wie Reisende aus keinem anderen Land der Welt. 

Jene Einnahmen werden nun den Tourismusdestinationen fehlen. Zudem hat die Zentralregierung die Neujahrsferien bereits um drei Tage verlängert, um die Rückreisen der Arbeitsmigranten von den Provinzen auf dem Land zu den Städten an den Ostküsten zu verschieben. 

Wir erwarten mit Sicherheit Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, unsere Unternehmen und das Konsumverhalten für dieses Jahr, besonders weil die Situation erstmal für einige Zeit anhalten wird.“

Chan Chun Sing

Die Stadt Suzhou, bekannt als ostchinesisches Zentrum der Fertigungsindustrie, ging noch einen Schritt weiter und wies die Arbeiter der Stadt an, bis zum 9. Februar zu Hause zu bleiben

Auch Fabriken und Produktionsanlagen

Wenn jedoch die Fabriken und Produktionsanlagen in China ins Stocken geraten, wird sich dies natürlich auch bei den Unternehmen entlang der Lieferkette in Europa bemerkbar machen. Am offenherzigsten hat sich bislang Singapurs Handelsminister zu der sich anbahnenden Wirtschaftsflaute geäußert: 

„Wir erwarten mit Sicherheit Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, unsere Unternehmen und das Konsumverhalten für dieses Jahr, besonders weil die Situation erstmal für einige Zeit anhalten wird“, sagte Chan Chun Sing am Montag.

Die Hoffnung der Experten ist, dass die Auswirkungen sehr stark sein werden, aber nur kurzzeitig. Wie bei SARS werde sich die Wirtschaft schon bald wieder erholen.  


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Im dritten Jahresquartal wächst Chinas Ökonomie weiter an. Die Wirtschaft des Landes profitiert davon, dass das Infektionsrisiko seit Monaten eingedämmt ist.
A worker assembles a power distribution cabinet at the State Grid Xiaoshan Electric Power Xinmei Electric Company in Hangzhou in eastern China's Zhejiang province on October 19, 2020. (Photo by STR / AFP) / China OUT
Weltwirtschaftsforum in Dalian
Derzeit steht es gar nicht gut um Chinas Wirtschaft. Und doch versucht Chinas Premierminister Li Keqiang zu beschwichtigen.
In seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian versicherte Li Keqiang, sein Land werde alles dafür tun, dass es zu keiner harten Landung kommt.