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Corona-Virus: Viele Selbstständige sind in Schwierigkeiten
Wirtschaft 4 Min. 19.03.2020

Corona-Virus: Viele Selbstständige sind in Schwierigkeiten

Gut geschminkt: Fotografin und Make-up-Künstlerin Carrie Fiorese, 36, schminkt und stylt ihre Modelle vor den Fotoshootings in ihrem Studio in Fischbach.

Corona-Virus: Viele Selbstständige sind in Schwierigkeiten

Gut geschminkt: Fotografin und Make-up-Künstlerin Carrie Fiorese, 36, schminkt und stylt ihre Modelle vor den Fotoshootings in ihrem Studio in Fischbach.
Foto: Privat
Wirtschaft 4 Min. 19.03.2020

Corona-Virus: Viele Selbstständige sind in Schwierigkeiten

Mara BILO
Mara BILO
Für Carrie Fiorese bricht die Welt zusammen. Seit zwei Jahren arbeitet sie als selbstständige Fotografin und Make-up-Künstlerin, ein bis zwei Fotoshootings macht sie pro Tag. Das ist nun alles vorbei: Nach der Ankündigung der Schutzmaßnahmen rund um das Corona-Virus hat sie alle Termine abgesagt. Wie es weitergeht, weiß sie nicht - wie viele Selbstständige bringt die aktuelle Situation auch sie in ernste Schwierigkeiten.

„Ich habe geweint, als ich die Termine meiner Kunden absagen musste ...“ – Für Carrie Fiorese bricht in diesen Tagen ihre kleine Welt zusammen. Die Fotografin und Make-up-Künstlerin hatte nach langen Jahren als Angestellte vor gut zwei Jahren den Weg in die Selbstständigkeit gewagt. Die 36-Jährige ist spezialisiert auf die Fotografie von schwangeren Frauen und Neugeborenen – sie arbeitet dabei nicht nur hinter der Kamera, sondern kümmert sich in ihrem Studio in Fischbach auch um Schminken und Stylen ihrer Modelle. Sie arbeitet alleine – ein bis zwei Fotoshootings pro Tag, dazu kommen die Fotobearbeitung, administrative Arbeit und die Organisation der nächsten Termine.

Alles vorbei. Wie viele Selbstständige in Luxemburg kann sie seit Anfang der Woche nicht mehr arbeiten. Wegen der strengen Schutzmaßnahmen rund um das Corona-Virus hat sie ihr Studio abschließen müssen. „Es geht nicht nur um das Finanzielle, mit meiner Arbeit schaffe ich ja Erinnerungen fürs ganze Leben.“


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Seit Montag ist Carrie Fiorese zu Hause, viel kann sie nicht tun. „Zumindest die bereits verabredeten Termine der nächsten zwei Wochen sind alle abgesagt“, sagt sie – wie und ob es dann weitergeht, weiß sie nicht. „Die Kunden haben Verständnis“, erzählt sie, „außerdem erlebe ich eine große Unterstützungswelle, viele Menschen schicken mir Nachrichten.“ Trotz aller Probleme hat Carrie Fiorese Verständnis für die Schutzmaßnahmen: „Schließlich versucht die Regierung nur, die Verbreitung der Lungenerkrankung so weit wie möglich einzudämmen.“

Allerdings: Auf Dauer könnte es finanziell knapp werden. „Ich habe zwar einiges angespart, aber für mehrere Wochen wird es nicht reichen.“ Derzeit hilft ihr das Einkommen ihres Mannes über die Runden. Aber der Austausch in den sozialen Netzwerken mit anderen selbstständig arbeitenden Fotografen lässt keinen Zweifel: „Die Sorge ist groß.“

„Alle Termine wurden abgesagt“

Ähnlich geht es auch Andrea Mancini. Der in Luxemburg ansässige Musiker ist derzeit ohne Aufträge – „Die einzige Freizeitbeschäftigung, die mir übrig bleibt, ist mit meinem Hund spazieren zu gehen“, übt sich der 31-Jährige in Galgenhumor. In seinem Kalender stehen Auftritte in der ganzen Welt; in diesem Monat sollte er eigentlich in Peking, Chengdu, Hongkong, Singapur auftreten und an einem Festival in Brüssel teilnehmen – im April waren zwei weitere Auftritte geplant, im Mai bereits drei. Meist tritt er bei international anerkannten Festivals, in Clubs und Konzertsälen auf. „Alle Termine bis Ende April wurden abgesagt“, seufzt Andrea Mancini, „ob die Termine im Mai noch stehen, weiß ich nicht.“

Überall unterwegs: Für Musiker Andrea Mancini, 31, stehen normalerweise Auftritte in der ganzen Welt im Kalender.
Überall unterwegs: Für Musiker Andrea Mancini, 31, stehen normalerweise Auftritte in der ganzen Welt im Kalender.
Foto: Privat

Derzeit versucht er zu verstehen, welche Hilfen er in Anspruch nehmen kann:. „Das ist gar nicht so einfach, es wird insgesamt viel über Unternehmen mit Angestellten berichtet, weniger über Selbstständige.“ Und wie bei der Fotografin Carrie Fiorese könnte es auch für Andrea Mancini finanziell schnell eng werden: „Ich kann einige Wochen von gespartem Geld leben – wenn ich alle meine derzeit anfallenden Kosten dazurechne. Dennoch ist die Situation katastrophal: In den nächsten drei Monaten rechne ich mit null Einnahmen.“

Die Wirtschaftskrise für viele Unternehmen und Selbstständige wird länger nachhallen als die durch das Corona-Virus verursachte Gesundheitskrise, fürchtet der Musiker. „Wenn alle Schutzmaßnahmen aufgehoben werden, bedeutet das noch nicht, dass sich alle Menschen unmittelbar danach in Konzertsälen treffen werden.“

Weitere Hilfsmaßnahmen stehen an

Wie viele Selbstständige in Luxemburg arbeiten, ist schwer zu sagen. Das liegt schon daran, dass unklar ist, welche Berufsbilder unter der Kategorie Selbstständige fallen, wie Tom Baumert von dem House of Entrepreneurship, erklärt. Allgemein ist jedoch festzuhalten, dass zu den freiberuflichen Tätigkeiten die selbstständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, literarische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit zählen – darunter fallen also unter anderem Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten und Wirtschaftsprüfer.


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Für Selbstständige hat das Finanzministerium nun unterstützende Steuermaßnahmen angekündigt (siehe Kasten unten). Dazu kommt, dass bestimmte Berufskategorien – selbstständige Künstler wie Andrea Mancini beispielsweise – auch weitere Hilfsmaßnahmen vom Kulturministerium in Anspruch nehmen können. „Es wird sehr viel gemacht, um auch Selbstständige zu unterstützen“, erklärt Tom Baumert. Seinen Angaben zufolge wird derzeit im Wirtschaftsministerium an weiteren Hilfsmaßnahmen, die auch für Freiberufler gelten werden, gearbeitet. Das offensichtliche Ziel: Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise so weit wie möglich abzufedern.

Für Fotografin Carrie Fiorese und Musiker Andrea Mancini fängt jedenfalls eine lange Wartezeit an. Beide wollen die Hilfsmaßnahmen der Regierung in Anspruch nehmen: „Wer weiß, wie lange die Situation anhalten wird.“ 

Das Finanzministerium hat unterstützende Steuermaßnahmen angekündigt.
Das Finanzministerium hat unterstützende Steuermaßnahmen angekündigt.
Foto: Chris Karaba

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