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Corona-Krise sorgt für starke Schwankungen an den Anleihemärkten
Wirtschaft 2 Min. 23.03.2020

Corona-Krise sorgt für starke Schwankungen an den Anleihemärkten

An den Anleihemärkten gab es in der vergangenen Woche ein stetiges Auf und Ab.

Corona-Krise sorgt für starke Schwankungen an den Anleihemärkten

An den Anleihemärkten gab es in der vergangenen Woche ein stetiges Auf und Ab.
Foro: dpa-tmn
Wirtschaft 2 Min. 23.03.2020

Corona-Krise sorgt für starke Schwankungen an den Anleihemärkten

Adam MALISZEWSKI
Adam MALISZEWSKI
Aller Unterstützungsmaßnahmen der Regierungen in der EU und den USA zum Trotz weisen die Rentenmärkte eine starke Volatilität auf.

Die US-Anleihemärkte haben nach einem turbulenten Verlauf die vergangene Woche freundlich abschließen können. Der Anstieg der Konjunktursorgen und die schnellere Ausbreitung der Corona-Epidemie, als von US-Experten erwartet, hat die Kurse für die wichtigen Laufzeiten ansteigen lassen. So fiel die Rendite für die zehnjährige Benchmark wieder von über ein Prozent auf 0,85 Prozent zurück.

Die hohen Schwankungen begründeten die Händler damit, dass Investoren die Anleihen der stabilen Länder abverkauften, um Liquidität zu schaffen und um zukünftig mehr Material aufnehmen zu können. Aufgrund des gestiegenen Refinanzierungsbedarfs der Staaten und Unternehmen, die auf die Krise reagieren, werde für die kommenden Monate mit vielen Neuemissionen gerechnet.


ARCHIV - 11.02.2020, Frankreich, Straßburg: Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, sitzt im Plenarsaal des Europäischen Parlaments. Die Folgen der Coronavirus-Ausbreitung für die Wirtschaft könnten enorm sein. Die Europäische Zentralbank berät am 12.03.2020 darüber, inwieweit sie helfen kann. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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In den USA reagierte die politische Führung auf die Corona-Krise und versucht ebenfalls mit fiskalischen Maßnahmen die wirtschaftlichen Folgen einzudämmen. Die Trump-Administration setzte ein vom Kongress beschlossenes milliardenschweres Hilfspaket in Kraft. Das erste Maßnahmenpaket soll rund 100 Milliarden US-Dollar kosten. Aus Regierungskreisen wurde bekannt, die USA könnten bis zu eine Billion Dollar aufwenden, um die wirtschaftlichen Einschnitte und Schäden der Pandemie zu bekämpfen.

Hoher Anstieg der Arbeitslosigkeit befürchtet

Neue und schockierende Annahmen der US-Volkswirte machen ein schnelles Handeln unverzichtbar. So haben Ökonomen der Bank Goldman Sachs beispielsweise einen sehr rasanten und starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in den USA berechnet. In der laufenden Woche rechnen die Experten mit wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosengeld von etwa 750.000. 

Mittelfristig geht die Bank davon aus, die Arbeitslosenzahl werde Corona bedingt um 2,2 Millionen Menschen ansteigen. Einhergehend mit dem deutlichen Einbruch der Gesamtwirtschaft kann die USA direkt in die Rezession „einbiegen“. Aktuell will Präsident Trump den meisten Steuerzahlern unter anderem einen Scheck über 1.200 US-Dollar zukommen lassen, pro Kind solle es zusätzlich noch 500 US-Dollar geben.


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In Europa waren die Kursverläufe bei den Staatspapieren durch die hohe Volatilität bei den Südstaaten geprägt. Spanien und Italien, als am meisten betroffene Pandemie-Länder, verzeichneten bei der zehnjährigen Benchmarklaufzeit einen Zinsanstieg zwischen 70 und 120 Basispunkten. In Mailand kletterte der Zins bedingt durch starke ausländische Abverkäufe zeitweise auf über 3,05 Prozent. 

Noch zu Februarbeginn hatte dieser wichtige Indikator im Bereich um die Ein-Prozent-Marke gehandelt. Hier ist die Angst vor einem italienischen Finanz-Kollaps nach wie vor sehr groß. Das Bankensystem gilt als marode und die Frage nach weiterer Erhöhung der Staatsquote im Finanzwesen seit Jahren umstritten. Experten der Deutschen Bank haben errechnet, dass das EU-Bankennetzwerk durchaus über die nächsten drei Jahre sieben Prozent beziehungsweise 30 Milliarden Euro der Gewinne einbüßen werde. 

Die nationalen Regierungen signalisieren nahezu täglich, dass sie gewillt sind, Unternehmen zu unterstützen, die wegen der Pandemie in Schieflage geraten. Eine weitere Aufweichung des EU-Wettbewerbsrechts scheint demnach unabdingbar.


ARCHIV - 19.08.2019, Nordrhein-Westfalen, Köln: Der Schriftzug der Restaurantkette Vapiano hängt über einer Filiale. Die bereits vor der Coronavirus-Krise angeschlagene Restaurantkette Vapiano leidet unter den Folgen der angeordneten Lokalschließungen in vielen Ländern. (zu dpa «Vapiano braucht Staatshilfe - Lokalschließungen verschärft Krise») Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Die Europäische Zentralbank hat das Pandemie-Kaufprogramm (PEPP) im Volumen von 750 Milliarden Euro angestoßen. Es sollen auch Papiere der südlichen Mitgliedsländer gekauft werden. Indes hat eine Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern um den deutschen Ökonomen Clemens Fuest und den Amsterdamer Professor Arnoud Boot eine starke Einbindung des ESM in die europäische Stützung der Wirtschaft gefordert. 

Neuinitiierte ESM-Corona-Kredite würden die Risiken für die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität für alle Souveräne verringern, heißt es in dem Vorschlag. Erforderlich dafür seien Koordination und Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten. Der Stabilitätsmechanismus kann mit Notkrediten und Bürgschaften zur deutlichen Hilfe werden. 

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