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Corona-Hilfen: Handwerk hätte sich mehr gewünscht
Wirtschaft 4 Min. 15.10.2020

Corona-Hilfen: Handwerk hätte sich mehr gewünscht

Hohe Mehrkosten, schwache Produktivität: Die Corona-Auflagen machen vielen Handwerksbetrieben weiter zu schaffen.

Corona-Hilfen: Handwerk hätte sich mehr gewünscht

Hohe Mehrkosten, schwache Produktivität: Die Corona-Auflagen machen vielen Handwerksbetrieben weiter zu schaffen.
Foto: Getty Images
Wirtschaft 4 Min. 15.10.2020

Corona-Hilfen: Handwerk hätte sich mehr gewünscht

Mara BILO
Mara BILO
Die „Fédération des Artisans“ zieht eine gemischte Bilanz zu den Corona-Hilfsmaßnahmen - die Kurzarbeitregelungen haben vielen Betrieben geholfen, die nicht zurückzahlbare Finanzspritzen waren allerdings zu restriktiv ausgelegt, um den Unternehmen wirklich zu helfen.

„Keine klaren Perspektiven“, „eine Paraphrase des Regierungsprogramms“, „eine inhaltslose Rede“ – die Rede zur Lage der Nation, die Premier Xavier Bettel am Dienstag vor den Abgeordneten hielt, ist auf scharfe Kritik der Oppositionsparteien gestoßen. Doch damit nicht genug: Neben der Politik werden nun auch Stimmen der Wirtschaft laut. Die „Fédération des Artisans“ (FDA) zeigte sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz nicht von allen angekündigten Maßnahmen überzeugt. „In der Rede zur Lage der Nation wurden genauso viele Fragen aufgeworfen wie beantwortet“, sagte Generalsekretär Romain Schmit.

Der Handwerksverband zieht allgemein eine gemischte Bilanz der bisherigen Hilfen, die die Regierung seit Ausbruch der Corona-Pandemie eingeführt hat. Immer wieder sei die Rede der milliardenschweren Hilfen, die den Unternehmen zugutekommen, so Schmit. Aber: „Dabei darf nicht vergessen werden, dass es sich bei einem großen Teil dieser Maßnahmen um Moratorien und Garantien handelt. Das hilft natürlich vielen Betrieben, die Durststrecke zu überstehen, aber es ist immer noch Geld, das sie schulden.“

Michel Reckinger (l.) und Romain Schmit
Michel Reckinger (l.) und Romain Schmit
Foto: Luc Deflorenne

Dazu kommt, dass viele nicht zurückzahlbare Finanzspritzen zu restriktiv ausgelegt waren, um den schwer angeschlagenen Unternehmen wirklich unter die Arme zu greifen, so der Generalsekretär. „Bei vielen Betrieben sind diese Hilfen überhaupt nicht angekommen oder sie konnten gar nicht davon profitieren“, stellt Romain Schmit fest. Die Krise habe auch gezeigt, dass Selbstständige besonders gefährdet sind – ihnen steht schließlich kein Lohnausgleich zur Verfügung, wie es für Arbeitnehmer dank Kurzarbeitregelungen der Fall war.


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Wie viele Handwerksbetriebe tatsächlich von den Unterstützungsmaßnahmen profitiert haben, weiß die Generaldirektion für Mittelstand nicht; eine Aufschlüsselung der ausgezahlten Finanzspritzen je nach Wirtschaftstätigkeit gebe es nicht, wie ein Sprecher auf Nachfrage erklärt. Die Generaldirektion weist darauf hin, dass bislang mehr als 180 Millionen Euro an Betriebe ausgezahlt worden sind – dabei handelt es sich sowohl um rückzahlbare wie um nicht zurückzahlbare Hilfen. „Hinzu kommen der Wirtschaftsförderungs- und Solidaritätsfonds für Unternehmen (bislang wurden 13,6 Millionen Euro ausgezahlt) und die Sonderbeihilfe für den stationären Einzelhandel (3,4 Millionen Euro), von dem auch bestimmte Handwerksbetriebe profitieren können“, heißt es offiziell.

Kurzarbeit in der Diskussion

Die „Fédération des Artisans“ stellte am Donnerstag anschließend ihre Forderungen für die kommenden Monate vor (siehe unten); die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie bekommen schließlich noch immer alle Handwerksbetriebe zu spüren. So begrüße der Verband, dass die Kurzarbeitsregelungen über den 31. Dezember 2020 gelten werden. Dennoch sei es wichtig, die bestehenden Regelungen zu erhalten, so Romain Schmit – es sollten also keine strengeren Bedingungen eingeführt werden. Dazu müsse man allerdings mehr Flexibilität bei der Art von Betrieben, die von den Maßnahmen profitieren könnten, und bei der Frist für die Antragstellung zeigen.

Um die Regierung dieses Anliegen näherzubringen, hat der Handwerksverband durch die „Union des entreprises luxembourgeoises“ (UEL) auch bereits eine Botschaft an die zuständigen Minister versandt, wie Schmit erklärt. „Angesichts der aktuellen Situation setzen wir uns für eine Verlängerung der Kurzarbeitregelungen mindestens bis zum 30. Juni 2021 ein.“


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Neben Kurzarbeit war es dem Handwerksverband wichtig, auch auf die Folgen der coronabedingten Quarantänen aufmerksam zu machen. „Wir leiden sehr unter den quarantänebedingten Abwesenheiten“, erklärte Präsident Michel Reckinger. Derzeit würden die Betriebe viermal mehr Abwesenheiten in Verbindung mit einer Corona-Quarantäne als krankheitsbedingte Abwesenheiten verzeichnen. Dadurch entstünde auch eine hohe finanzielle Belastung – dabei entstehen durch die außergewöhnliche Situation bereits Mehrkosten, die Produktivität geht allgemein zurück. Deshalb fordert die „Fédération des artisans“, dass die Lohnnebenkosten während der Quarantäne integral von den Sozialversicherungskassen übernommen werden. „Derzeit müssen die Arbeitnehmer ja immer für diese Kosten aufkommen“, so Reckinger.

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