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Deutlich weniger Firmengründungen im Corona-Krisenjahr
Wirtschaft 3 Min. 25.06.2021
Corona-Folgen

Deutlich weniger Firmengründungen im Corona-Krisenjahr

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Deutlich weniger Firmengründungen im Corona-Krisenjahr

Foto: Steve Eastwood
Wirtschaft 3 Min. 25.06.2021
Corona-Folgen

Deutlich weniger Firmengründungen im Corona-Krisenjahr

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
In Luxemburg sind in der Corona-Krise deutlich weniger neue Unternehmen gegründet worden. Im ersten Halbjahr 2021 geht es aber schon wieder bergauf.

Die Corona-Krise hat auch bei den Betriebsgründungen in Luxemburg für einen Einbruch gesorgt. Laut dem Global Entrepreneurship Monitor 2020/21 ist die Zahl der Unternehmensgründungen massiv gesunken. So wurden nach Auswertung der Gewerbeanmeldungen im vergangenen Jahr rund 2.000 Betriebe gegründet - in den Jahren 2014 bis 2019 lag der Durchschnitt in Luxemburg bei 3.500 Neugründungen.

Der Global Entrepreneurship Monitor ist ein internationales Forschungskonsortium, das den Vergleich der Gründungsquoten auf allen Kontinenten ermöglicht. Seit 1999 werden in über 45 Ländern jährlich Daten zur Gründungsaktivität und Gründungseinstellung erhoben. Der Statec ist seit 2013 Mitglied des Konsortiums. Wie Statec-Direktor Serge Allegrezza am Freitag erklärte, bildet der Monitor den gesamten Gründungsprozess ab und untersucht Gründende in der Vorgründungsphase, sogenannte werdende Gründende (Nascent), Gründende junger Unternehmen (Young Entrepreneurs) sowie etablierte Gründende in ihren jeweiligen Phasen. Die Gründungsaktivitäten der Nascents und Young Entrepreneurs bilden die spezifische Gründungsquote „Total early-stage Entrepreneurial Activity“ (TEA). 

Serge Allegrezza: "Existenzgründungen sind die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum."
Serge Allegrezza: "Existenzgründungen sind die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum."
Foto: Steve Eastwood

Gemäß dem Global Entrepreneurship Monitor 2020/2021 ist die Zahl der Personen, „die günstige Gelegenheiten zur Gründung eines Unternehmens wahrnehmen“, deutlich zurückgegangen. In Europa sank der Anteil von 51 Prozent im Jahr 2019 auf 40 Prozent im Jahr 2020. In Luxemburg ist der Rückgang von 58 Prozent auf 42 Prozent noch etwas ausgeprägter. „Somit ist der Anteil der Menschen, die versuchen, hierzulande ein Unternehmen zu gründen, von 15 Prozent auf neun Prozent im Jahr 2020 gesunken“, sagte Serge Allegrezza. 68 Prozent der Befragten, die sich entschlossen haben, ein Unternehmen zu gründen, geben an, dass die Pandemie den Start ihres Unternehmens verzögert hat – in Europa sind es 61 Prozent. 

Die Total early-stage Entrepreneurial Activity (TEA) in Luxemburg liegt somit im Jahr 2020 bei acht Prozent – im Jahr 2010 lag der Wert noch bei 10,2 Prozent. Der Rückgang ist etwas größer als im europäischen Durchschnitt: Hier ist die Quote von neun auf acht Prozent im Jahr 2020 zurückgefallen.

Es geht wieder bergauf

In den letzten Monaten des Jahres 2020 ist allerdings eine positive Entwicklung zu verzeichnen. „Die Daten aus den GEM-Umfragen sowie die Gewerbeanmeldungen zeigen einen Anstieg bei den Firmengründungen in den letzten Monaten des Jahres 2020“, heißt es im Statec-Bericht. Ähnliche Tendenzen können auch in den Nachbarländern Belgien und Frankreich beobachtet werden. „In den ersten fünf Monaten des Jahres 2021 setzt sich dieser positive Trend in Luxemburg fort. In diesem Zeitraum steigen die Neugründungen um mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresraum“, sagte Serge Allegrezza. 

Mehr Gründungen aus Notwendigkeit

Im Corona-Jahr 2020 nahm in den meisten europäischen Ländern das Unternehmertum, das durch Notwendigkeit begründet ist, zu, während der Anteil der Gründer, die eher von der Gelegenheit und dem Ausnutzen einer Marktchance angetrieben sind, leicht zurückging. 

„Diese Dynamik kann man auch in Luxemburg beobachten“, sagte Serge Allegrezza. Dennoch hat Luxemburg immer noch einen sehr hohen Anteil an sogenannten „Opportunity-Gründern“ -  50 Prozent gegenüber einem Durchschnitt von 38 Prozent. Luxemburg habe auch weiterhin einen der niedrigsten Anteile an Unternehmen, die von der Notwendigkeit motiviert sind: 42 Prozent gegenüber einem Durchschnitt von 60 Prozent. 

Mittelstandsminister Lex Delles: "Kleine und mittlere Unternehmen bilden das Rückgrat der luxemburgischen Wirtschaft."
Mittelstandsminister Lex Delles: "Kleine und mittlere Unternehmen bilden das Rückgrat der luxemburgischen Wirtschaft."
Foto: Steve Easwood

Gründer mit Corona-Hilfsmaßnahmen zufrieden

In Luxemburg sind rund 76 Prozent der Gründer mit den Corona-Hilfsmaßnahmen der Regierung zufrieden. „Das ist europaweit der höchste Zustimmungswert“, stellte Mittelstandsminister Lex Delles fest. In der EU liegt der Durchschnittswert bei lediglich 46 Prozent. Bis dato wurden vom Mittelstandsministerium rund 411 Millionen Euro an Finanzhilfen ausbezahlt -  eine wesentliche Unterstützung, denn: „Unternehmertum gilt als Schlüssel für die Schaffung von Arbeitsplätzen,  für technologischen Wandel und wirtschaftliches Wachstum“, betonte Lex Delles. Es sei daher wichtig, immer wieder das Unternehmertum in Luxemburg zu analysieren, um die bestmöglichen Unterstützungen und Anpassungen vorschlagen zu können. „Kleine und mittlere Unternehmen bilden das Rückgrat der luxemburgischen Wirtschaft. Diese 35.000 Unternehmen beschäftigen rund 210.000 Menschen.“

Serge Allegrezza pflichtete dem bei: „Existenzgründungen sind die Grundlage für wirtschaftliches Wachstum, ein grundlegender Bestandteil der Dynamik einer Wirtschaft.“ Zwischen 2014 und 2019 lag die Gründungsrate in Luxemburg bei 1,5 Prozent. „Im Durchschnitt werden jährlich rund 3.500 Betriebe gegründet, rund 2.900 verschwinden wieder vom Markt. Das bedeutet netto 600 Neugründungen im Jahr.“ Damit stehe Luxemburg „im europäischen Vergleich nicht schlecht da“.

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