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Corona drückt auf die Stimmung der Arbeitnehmer
Wirtschaft 4 Min. 27.01.2021

Corona drückt auf die Stimmung der Arbeitnehmer

Im Homeoffice sind viele mit dem Spagat zwischen Beruf und Familie überfordert.

Corona drückt auf die Stimmung der Arbeitnehmer

Im Homeoffice sind viele mit dem Spagat zwischen Beruf und Familie überfordert.
Getty Images
Wirtschaft 4 Min. 27.01.2021

Corona drückt auf die Stimmung der Arbeitnehmer

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
In der Krise sinkt der Index der Arbeitsqualität für Luxemburg deutlich, während die Indikatoren für psychische Erkrankungen steigen.

Die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen drücken auf die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer. Das an sich dürfte niemanden überraschen. Dennoch sind die Ergebnisse des diesjährigen „Quality of Work Index Luxemburg“, die am Donnerstag in der Chambre des Salariés vorgestellt wurden, alarmierend. 

In der Studie bittet die Arbeitnehmerkammer seit 2012 Angestellte um eine Einschätzung ihrer Arbeitssituation. Natürlich ergibt das ein subjektives Bild, aber der Trend, den die repräsentative Umfrage aufzeigt, ist eindeutig. Der Gesamtindex, der die Wahrnehmung der Arbeitsqualität misst, fiel von 55,4 Punkten auf 53,5 Punkte – der niedrigste Wert, der jemals gemessen wurde. 

Mentale Belastung steigt

Dabei stieg offenbar die mentale Belastung für die Arbeitnehmer. Für fast ein Drittel (32 Prozent) der Arbeitnehmer nehmen die Studienautoren an, dass sie ein moderates oder sogar ein erhöhtes Risiko haben, depressiv zu werden. Ein deutlicher Anstieg zu den Vorjahren (2019: 27 Prozent; 2018: 25 Prozent). Besonders betroffen scheinen jüngere Angestellte zu sein. In der Alterskohorte von 16 bis 24 Jahren befanden sich sogar 40 Prozent in dieser Risikogruppe. Auch die familiäre Situation wirkt sich in der Isolation der Corona-Krise auf die psychische Gesundheit aus. Singles wiesen demnach das höchste Risiko aus. 

Georges Steffgen von der Uni Luxemburg ist einer der Autoren der Studie.
Georges Steffgen von der Uni Luxemburg ist einer der Autoren der Studie.
Foto: Gerry Huberty

In Bezug auf die Wahrnehmung der Arbeitsanforderungen verstärkt die Krise offenbar Trends, die schon seit einigen Jahren festzustellen sind. So ist der Anteil der Arbeitnehmer, die angeben, dass sie unter den besonderen emotionalen Belastungen leiden, seit 2016 um 15 Prozent gestiegen. Dieser Index erreichte mit 56,2 Punkten den höchsten jemals gemessenen Wert. Die Indizes für Mobbing und physische Belastungen blieben hingegen stabil beziehungsweise waren sogar leicht rückläufig. Die Autoren der Studie betonen allerdings, dass die Arbeitnehmer schon im September für die Studie befragt wurden und die Ergebnisse daher nicht das volle Ausmaß der Belastungen durch die Krise abbilden. „Es ist damit zu rechnen, dass die Zahlen sich seither eher verschlechtert haben“, sagte Georges Steffgen, Psychologieprofessor der Universität Luxemburg, der die Studie in Zusammenarbeit mit der Chambre durchgeführt hat. 

Bei der Frage nach den wichtigsten Veränderungen, die die Krise mit sich gebracht hat, erwähnten 47 Prozent der Befragten die Zunahme der Arbeit im Homeoffice. Entsprechend nahmen die Studienautoren die Auswirkungen der Fernarbeit genauer unter die Lupe. 

Fokus auf das Homeoffice 

Erwartungsgemäß stieg der Anteil der Arbeitnehmer, die zumindest zeitweise im Homeoffice arbeiten, stark an. Hatten im Jahr 2017 noch 72 Prozent der Befragten angegeben, dass sie niemals von zu Hause arbeiten, ging der Anteil nun auf 48 Prozent zurück. Während sich der Anteil der Heimarbeiter in nahezu allen Berufsgruppen erhöhte, war der Anstieg am deutlichsten im administrativen Bereich (2017: zehn Prozent; 2020: 36 Prozent). Insgesamt stabil bleib der Anteil bei den Beschäftigten, die auch vorher schon häufig im heimischen Büro anzutreffen waren; vor allem bei Führungskräften, die schon 2017 zu 46 Prozent Homeoffice-Erfahrung hatten, stieg der Anteil nur um ein Prozent. Im Handwerk war er sogar rückläufig (2017: elf Prozent; 2020: zwei Prozent).

Der Arbeitspsychologe David Büchel stellt die Studie vor.
Der Arbeitspsychologe David Büchel stellt die Studie vor.
Foto: Gerry Huberty

Insgesamt scheint die Arbeit in den heimischen vier Wänden bei den Arbeitgebern, die dürfen und können, aber recht gut zu funktionieren. Ganze 78 Prozent gaben an, dass sie technisch gut dafür ausgestattet seien. Mehr als 70 Prozent der Heimarbeiter denken, dass sich diese Art zu arbeiten nicht negativ auf ihre Produktivität auswirkt. Gleichzeitig klagen die Arbeitnehmer im Homeoffice häufiger über emotionalen Stress und Zeitdruck als ihre Kollegen in den Büros und Werkstätten. Ebenso fiel es den Heimarbeitern laut der Umfrage schwerer, ihr privates und berufliches Leben unter einen Hut zu kriegen. 37 Prozent gaben an, dass sie im Homeoffice auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten erreichbar seien. 


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Insgesamt lag das generelle Wohlbefinden der Homeoffice-Arbeiter knapp über dem ihrer Kollegen, das Burnout-Risiko war geringer, aber auch die Arbeitsmotivation lag etwas niedriger. Bei der Befragung gaben acht von zehn Arbeitnehmern an, dass sie auch nach Abklingen der Krise weiter von Zeit zu Zeit im Homeoffice arbeiten möchten. 

Abschließend weisen die Autoren bei der Präsentation der Studie darauf hin, dass bei der Beurteilung der Lage in der Pandemie nicht nur die Infektionszahlen im Auge behalten werden müssen, sondern auch die sozialen und psychischen Konsequenzen der politischen Maßnahmen. „Folgen der aktuellen Situation sind Nervosität, Wut, Langeweile und ein erhöhtes Maß an Unsicherheit“, erklärt der Arbeitspsychologe David Büchel von der Chambre des Salariés in der gestrigen Pressekonferenz. Er fürchtet, dass mit der zunehmenden Dauer der Krise psychische Auffälligkeiten und Drogenabhängigkeit zunehmen könnten. Umso wichtiger sei es für Arbeitgeber und die Gesellschaft insgesamt, präventive Maßnahmen zu ergreifen und den Mitarbeitern Wege aus der Isolation aufzuzeigen. 

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