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Contrôle Technique schreibt rote Zahlen
Für viele Autofahrer in Luxemburg etwa so angenehm wie ein Zahnarztbesuch: die obligatorische Vorführung des Autos auf dem Prüfstand der Société nationale de Contrôle technique (SNCT). Nicht schön, aber es muss sein.

Contrôle Technique schreibt rote Zahlen

Foto: Guy Jallay
Für viele Autofahrer in Luxemburg etwa so angenehm wie ein Zahnarztbesuch: die obligatorische Vorführung des Autos auf dem Prüfstand der Société nationale de Contrôle technique (SNCT). Nicht schön, aber es muss sein.
Wirtschaft 6 Min. 19.02.2019

Contrôle Technique schreibt rote Zahlen

Marco MENG
Marco MENG
Solange die Fahrzeugkontrolle staatlich war, fiel es nicht auf, dass die SNCT nicht kostendeckend arbeitet. Das soll sich mit der Gebührenerhöhung nun ändern.

Die Preiserhöhung für die technische Kontrolluntersuchung bei Fahrzeugen sorgte zuletzt für viel Diskussionsstoff. Die Société nationale de Contrôle technique (SNCT) würde genug Profit machen, so der Tenor vieler Kommentatoren in den sozialen Medien. Schließlich war die Gesellschaft bis vor kurzem Monopolist in Luxemburg. Mit dem Profit ist es aber so eine Sache. Denn den machte die SNCT zumindest in den Jahren 2012 bis 2017, seitdem die Bilanz öffentlich einsehbar ist, nur ein einziges Mal. Sonst stand immer ein Verlust unter dem Bilanz-Strich.

Seit Mai letztes Jahr die einheitliche Regelungen in der EU gilt, müssen ältere Personenfahrzeug mindestens vier Jahre nach der Erstzulassung technisch überprüft werden und ältere Fahrzeuge jedes Jahr, was Luxemburg bereits vorher wie folgt umsetzte: Mit der Gesetzesänderung müssen in Luxemburg Fahrzeuge seit 2016 nach vier statt bislang dreieinhalb Jahren untersucht werden, dann nach weiteren zwei Jahren und dann jährlich.

Für die Prüfgesellschaft SNCT bedeutete die reduzierte Prüfsequenz (4-2-1- statt 3,5-1) etwa 14 Prozent weniger Kontrollen im Jahr. Aber auch schon davor schrieb die Gesellschaft rote Zahlen.

Schon bei der letzten Preiserhöhung 2016 sei klar gewesen, dass dieser Preisanstieg nicht reichen würde, um kostendeckend zu arbeiten, so eine mit der Sache vertraute Person gegenüber dem „Luxemburger Wort“.

Sieht man sich die Bilanzen an, fällt auf, dass die Kosten zu 80 Prozent Personalkosten sind. Rund 130 Mitarbeiter hat die SNCT inzwischen, 2012 waren es noch hundert gewesen. 2016 und 2017 machte die SNCT einen Umsatz von 12,2 respektive 11,4 Millionen Euro bei Personalkosten von 8,1 oder 8,2 Millionen Euro.

Quersubventionierung nicht mehr erlaubt

Zu den Preiserhöhungen meinte Transportminister Bausch, der Staat habe nichts mit der SNCT zu tun, was einerseits etwas unglücklich formuliert war, weil die SNCT ja indirekt zu 95 Prozent dem Staat gehört, andererseits hat aber der Staat nichts mit dem operationellen Geschäft der Gesellschaft zu tun. Und laut EU-Regeln seit 2016 muss „die privatrechtliche SNCT (...) sich in einem freien Markt ohne jegliche staatliche Querfinanzierung behaupten“, teilt das Ministerium auf Nachfrage mit.

Die SNCT müsse darum künftig kostendeckend arbeiten. Die Bilanzen der SNCT verraten, dass sie seit 2012 nur ein einziges Mal einen kleinen Gewinn gemacht, nämlich im Jahr darauf mit 16.400 Euro. Ansonsten stand am jeden Jahresende ein Verlust zwischen 108.000 und 1,3 Millionen unter der Geschäftsbilanz.

In Luxemburg, wo im EU-weiten Vergleich die neusten Autos angemeldet sind, fällt jedes Jahr etwa jedes 7. Autos bei der ersten Kontrolluntersuchung durch, und sei es wegen abgefahrener Reifen.
In Luxemburg, wo im EU-weiten Vergleich die neusten Autos angemeldet sind, fällt jedes Jahr etwa jedes 7. Autos bei der ersten Kontrolluntersuchung durch, und sei es wegen abgefahrener Reifen.
Foto: Guy Jallay

Mit 52 Euro für die technische Kontrolle eines Personenfahrzeugs, heißt es aus dem Transportministerium, sei Luxemburg noch immer günstig. Tatsächlich kostet eine Hauptuntersuchung mit Abgastest in Deutschland für Personenwagen zwischen 100 und 110 Euro, in Österreich zwischen etwa 40 und 96 Euro, in Frankreich zwischen 49 und 75 Euro, respektive für Diesel 85 Euro. In Belgien fallen 36,60 Euro an für Benziner und 44,90 Euro für Diesel.

War die SNCT früher für alles, was Fahrzeuge betraf, zuständig, so wurde 2011 damit begonnen, die Auslagerung der technischen Kontrolle (quasi das Kerngeschäft der SNCT seit 1958) als eigene Gesellschaft auszulagern. Fahrzeuganmeldungen, Vergabe der Kennzeichen und Fahrzeugregister sind seitdem bei der Nationale Gesellschaft für Kfz-Verkehr (SNCA) angesiedelt.


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Aus der SNCT „Sarl“ wurde die SNCT „SA“. Die Unternehmensform der Aktiengesellschaft wurde nicht unbewusst gewählt, auch weil man hoffte, damit verschiedene Aktionäre gewinnen zu können. Es soll damals auch die Überlegung gegeben haben, den TÜV Rheinland/Luxcontrol als strategischen Partner und Großaktionär zu gewinnen, woraus aber nichts wurde. Dem TÜV Rheinland, nach Dekra die zweitgrößte Gesellschaft für Fahrzeugprüfungen in Deutschland, gehört im Großherzogtum die Gesellschaft Luxcontrol, die in den Bereichen der technischen Sicherheit, Qualität, technischer Umweltschutz und Lebensmittelsicherheit aktiv ist.

Eigenen Angaben nach hat aber TÜV Rheinland anders als Dekra mit der Marktöffnung bei Fahrzeugprüfungen keinen Antrag in Luxemburg zur Zulassung als Fahrzeugprüfgesellschaft gestellt.


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Als Aktiengesellschaft gehört die SNCT seitdem zu 100 Prozent der SNCA, die wiederum zu 75 Prozent dem Staat und zu 20 Prozent der Spuerkeess (BCEE) gehört. Mit der Änderung von Gesellschaftsform und Aufgabengebiet gab es auch Personaländerungen im Führungsgremium der SNCT; so wurde unter anderem 2017 überraschend der SNCT-Direktor Armand Biberich abgesetzt.

Höhere Tarife soll „besseren Service“ bringen

Auf die Frage, was unter „Verbesserung des Service“ zu verstehen sei, womit die jüngste Preiserhöhung begründet wurde, teilt Karine Deletang von der Generaldirektion der SNCT mit: „Unser Unternehmen hat gerade in eine neue IT-Umgebung investiert, zum Beispiel mit einem passenderen Terminsystem. Seit dem 18. Februar wurde eine optimierte Terminvergabe für gewerbliche Kunden eingeführt, ab dem 4. März folgt eine für Privatkunden.“

Weiteres werde man demnächst kommunizieren. Deletang, Directrice des Ressources Humaine, stieß Ende 2018 zur nun dreiköpfigen Direktion der SNCT hinzu. Sommer 2017 waren Franck Charpentier und Michel Turpel dem damaligen Direktor Biberich, er ab 2000 stellvertretender Direktor und zwischen 2012 und 2017 Direktor der SNCT war, zur Seite gestellt, ehe dieser vier Monate später gehen musste.

2016 begründete Transportminister François Bausch die Reform der technischen Kontrollanstalt SNCT mit den Worten: „Das System der zentralen Kontrollpunkte in Esch, Sandweiler und Wilwerwiltz hat sich überlebt.“

Die kontinuierlich wachsenden Zahl von Fahrzeugen hatte zu unhaltbaren Zuständen bei den Kontrollstationen mit stundenlangen Wartezeiten geführt. Heute geht das nach elektronischer Terminvergabe besser, nur wer unangemeldet in einer der Stationen erscheint, muss mit längerer Wartezeit rechnen. Die lästige Konformitätsprüfung beim Kauf eines Neuwagens ist seit der Marktöffnung entfallen, genauso wie die Kontrolle bei der Neuzulassung, Lastwagen und Autobusse werden jährlich kontrolliert statt bislang alle sechs Monate.

Inspektion auch in vielen Autowerkstätten möglich

Die meisten der vorgeschriebenen Fahrzeugkontrollen werden in Sandweiler geprüft, ein Drittel etwa in Esch/Alzette, danach folgt Wilwerwiltz. Der Rest erhält in den Partner-Garagen das ersehnte „certificat de contrôle technique“. Denn seit der Reform der technischen Kontrolle besteht auch die Möglichkeit, das Auto in einer Werkstatt von einem offiziellen Prüfer kontrollieren zu lassen.

Laut Frank Lentz von der Fédération des Artisans und Sekretär der Fédération des Garagistes ist das für den Kunden eine zeitsparende Sache, der sein Auto bei seiner Garage stehen lassen kann, wo die jährliche Inspektion samt notwendigen Reparaturen durchgeführt wird und anschließend die offiziellen Prüfer der SNCT vor Ort auch die Hauptuntersuchung durchführen. Ein System, das gerne von Autofahrern genutzt wird, so Lentz.

Die Lastwagen-Werkstatt von Mercedes-Benz in Diekirch war 2013 die erste, die von der SNCT berechtigt wurde, solche technische Kontrollen durchzuführen; inzwischen machen das 17 Garagen, die dafür zertifiziert sind entsprechend internationaler Normen für Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen und neun für schwere Fahrzeuge sowie zwei für Motorräder und eine für Oldtimer. Welche Partner-Garagen das im Land sind, findet man auf der Webseite der SNCT.

In Österreich und den Niederlanden dürfen dafür zertifizierte Werkstätten auch selbst Hauptkontrollen durchführen, allerdings soll laut EU-Verordnung „kein wirtschaftliches Interesse der Überwachungsorganisationen an der Reparatur“ bestehen. 


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