Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Commerzbank: Hausdurchsuchungen auch bei Mitarbeitern: Noch mehr Banken müssen zittern
Unangekündigter Besuch: 30 Steuerfahnder durchsuchten in den letzten Tagen die Wohnungen und Büros der Beschuldigten in der Commerzbank-Affäre.

Commerzbank: Hausdurchsuchungen auch bei Mitarbeitern: Noch mehr Banken müssen zittern

dpa
Unangekündigter Besuch: 30 Steuerfahnder durchsuchten in den letzten Tagen die Wohnungen und Büros der Beschuldigten in der Commerzbank-Affäre.
Wirtschaft 26.02.2015

Commerzbank: Hausdurchsuchungen auch bei Mitarbeitern: Noch mehr Banken müssen zittern

Nach der Razzia bei Kunden und Mitarbeitern der Commerzbank Luxemburg werden auch weitere Banken ins Visier der deutschen Steuerfahnder geraten. Das Finanzamt Trier bereitet sich zudem auf Hausdurchsuchungen in Luxemburg vor.

(vb) - Nach der Razzia bei Kunden und Mitarbeitern der Commerzbank Luxemburg werden auch weitere Banken ins Visier der deutschen Steuerfahnder geraten. "Davon ist auszugehen", sagte der Leiter des Finanzamts Trier, Jürgen Kentenich.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet am Donnerstag, dass die Staatsanwaltschaft Köln Ermittlungen gegen drei weitere Luxemburger Banken plane. Im deutschen Grenzgebiet haben 30 Fahnder des Finanzamts Trier Wohnungen und Geschäftsräume bei sieben Beschuldigten durchgeführt. Es handele sich sowohl um Bankkunden, um Mitarbeiter der Commerzbank als auch um freiberufliche Vermögensberater, sagte Finanzamtsleiter Kentenich.

In den Privatwohnungen der Beschuldigten seien "wichtige Unterlagen" gefunden worden. Diese würden wahrscheinlich dazu führen, dass die Ermittlungen auf weitere Verdächtige ausgeweitet werden. Im Prinzip verbieten Banken ihren Mitarbeitern, Unterlagen über Kunden mit nach Hause zu nehmen. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass wir trotzdem fündig werden", sagte Kentenich im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort".

In einer ersten Reaktion hatte die Commerzbank gesagt, es handele sich um Altfälle, die mindestens zehn Jahre zurückliegen. Das Finanzamt Trier weist dies zurück. "Das ist eine reine Schutzbehauptung der Commerzbank", sagte Kentenich. Viele Fälle stammten aus der Zeit nach 2005.

Der Commerzbank Luxemburg wird vorgeworfen, zusammen mit Vermögensverwaltern und Anwälten mehreren tausend Klienten aus aller Welt geholfen zu haben, Vermögen in Briefkastenfirmen in Übersee vor dem Fiskus zu verstecken.

Gegen die in Deutschland steuerpflichtigen Bankkunden wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt, gegen Vermögensberater und Bank-Mitarbeiter wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Die Staatsanwaltschaft Köln hatte zudem Durchsuchungen in Geschäftsräumen und Privatwohnungen in Luxemburg vorgesehen und ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen an die Luxemburger Justiz gerichtet. Bisher gibt es dafür laut der Generalstaatsanwaltschaft Luxemburg noch juristische Hürden, die aber in Kürze ausgeräumt werden könnten. Die Hausdurchsuchungen werden in diesem Fall von den Luxemburger Behörden in Amtshilfe durchgeführt, die Steuerfahnder aus Deutschland sind dabei als Beobachter anwesend.

Weiterer Bericht: Commerzbank kündigte Kunden erst nach Jahren


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Alte Geschichten
Mit den Hausdurchsuchungen bei der Commerzbank stand wieder einmal das Privatkundengeschäft am Finanzplatz im Scheinwerferlicht. Dabei sollten die Schatten der systematischen Steuerhinterziehung eigentlich überwunden sein. Eine Hoffnung, die wohl naiv war.