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Claude Turmes: "Es gibt keinen sauberen Diesel"
Wirtschaft 2 Min. 30.01.2017 Aus unserem online-Archiv

Claude Turmes: "Es gibt keinen sauberen Diesel"

Claude Turmes kritisiert die EU-Mitgliedsstaaten, die die Autoindustrie trotz deren Fehlverhaltens weiter schützen würden.

Claude Turmes: "Es gibt keinen sauberen Diesel"

Claude Turmes kritisiert die EU-Mitgliedsstaaten, die die Autoindustrie trotz deren Fehlverhaltens weiter schützen würden.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 2 Min. 30.01.2017 Aus unserem online-Archiv

Claude Turmes: "Es gibt keinen sauberen Diesel"

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Der grüne Europaabgeordnete zieht eine ernüchternde Bilanz des Abgasskandals, der deutlich über VW hinausgeht. In den Innenstädten bestehe deshalb ein akutes Gesundheitsrisiko. Er rät zum Umstieg auf Elektroautos.

(las) - Mit der Entdeckung von Abgasmanipulationen bei 11 Millionen VW-Modellen weltweit habe der "größte Industriebetrugs aller Zeiten" seinen Lauf genommen, sagte der Luxemburger Europaabgeordnete Claude Turmes am Montag. Der Untersuchungsausschuss des Europaparlaments zum Dieselgate habe wesentlich zur Aufklärung beigetragen.

Dessen Arbeit habe gezeigt, dass der Abgasskandal deutlich über VW hinausgehe, so Turmes. Auch Renault und Fiat hätten sogenannte Abschalteinrichtungen eingebaut. In vielen Fällen würden selbst aktuelle Diesel-Modelle den Stickoxid-Grenzwert nur während den spezifischen Testbedingungen erfüllen. Sei es kühler oder würde die Fahrt länger dauern, schalte Software die Technik zur Abgasminderung ab.

Unabhängige Tests mit desaströsen Resultaten

Im Juli 2016 führte die Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission JCR Abgastests mit aktuellen Modellen von Citroën und Audi durch, die der Euro-6-Norm entsprechen. Doch außerhalb der Labortests liegen sowohl der Audi A3 als auch der Citroën C4 deutlich über den erlaubten Grenzwerten von 80 Milligramm an NOx-Emissionen pro Kilometer.

In den Innenstädten wurden bei den JCR-Tests Werte zwischen 500 und 800 Milligramm an NOx erreicht. Im Stadtverkehr seien teils Autos sauberer, die die 2000 eingeführten Euro-3-Norm respektieren, so Turmes.

"Bei diesen hohen Werten aktueller Modelle besteht ein klares Gesundheitsrisiko", warnt Turmes. In Luxemburg könne man statistisch von jährlich 60 frühzeitigen Todesfällen ausgehen, die auf die Stickoxid-Belastung zurückgehen. Nur die Plateaulage der Stadt Luxemburg würde wöchentliche Smog-Alarms wie in Stuttgart oder Paris verhindern.

Umstieg auf Elektromobilität vorantreiben

"Die Diesel-Autos haben in den Innenstädten keine Zukunft", erklärt Claude Turmes seine persönliche Sicht. Falls Autos die Grenzwerte berücksichtigen würden, statt sie wie bisher mehr oder minder zu umgehen, dann würden sie deutlich teurer und mehr Sprit verbrauchen.

Mittelfristig sei der Umstieg auf Elektroautos unumgänglich, meint Turmes. Um über das Verbot von Diesel-Neuzulassungen zu diskutieren, sei es noch zu früh. Erst müssten die Politik und die Industrie "ihre Hausaufgaben" machen und Elektroautos als glaubwürdige Alternative aufbauen. In der Rifkin-Studie war vorgeschlagen worden, ab 2025 nur Neuzulassungen von Elektroautos zu ermöglichen.

Politische Folgen erwartet

Der Entwurf des Abschlussberichts des Untersuchungsausschusses liegt bereits vor. Die Ausschussmitglieder werden im Februar darüber abstimmen, das Votum des Plenums steht im März oder April an, so Turmes.

In den kommenden Wochen sei auch mit politischen Schlussfolgerungen aus dem Audit zu rechnen, das Nachhaltigkeitsminister François Bausch zum Dieselskandal in Luxemburg in Auftrag gegeben hatte. Die Luxemburger Zertifizierungs- und Homologationsbehörde SNCH war im Zusammenhang mit Homologationszertifikaten verschiedener Autohersteller genannt worden.


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