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Huawei investiert in der Großregion
Wirtschaft 4 Min. 24.06.2021
Chinesischer Technologie-Riese

Huawei investiert in der Großregion

Düsseldorf: Blick auf die Huawei Deutschland Zentrale.
Chinesischer Technologie-Riese

Huawei investiert in der Großregion

Düsseldorf: Blick auf die Huawei Deutschland Zentrale.
Foto: dpa
Wirtschaft 4 Min. 24.06.2021
Chinesischer Technologie-Riese

Huawei investiert in der Großregion

Im Grand Est soll die größte Fabrik außerhalb Chinas entstehen – Auch im Saarland siedelt sich der Konzern an.

Von LW-Korrespondent Hans Giessen

Der Drang der Chinesen nach Zentraleuropa und in die Großregion ist vor allem strategisch zu interpretieren. Denn grundsätzlich schlägt dem chinesischen Technologie-Riesen viel Widerstand und Skepsis entgegen. Vor allem, weil man weiß, dass die Chinesen eine andere Vorstellung vom Umgang mit persönlichen Daten haben als die Europäer. Gesichterscanning auf der Straße ist im „Reich der Mitte“ üblich, nicht nur, um im Nachhinein Straftaten aufzuklären, sondern auch zur Überwachung der Bevölkerung und um sozial erwünschtes Verhalten zu erzwingen. Dazu kommen die Diskussionen um den Umgang mit den Uiguren – auch hier kommt Huawei-Technologie zum Einsatz, wie jüngst der frühere Huawei-Konzernsprecher in Dänemark, Tommy Zwicky, zugab.

Wenn man dann weiß, dass Huawei inzwischen der weltweit größte Produzent von Smartphones ist – noch vor Samsung und Apple –, liegt die Befürchtung nahe, die Telefondaten könnten missbraucht werden. Werden chinesische Geheimdienste uns bald über die Huawei-Produkte aushorchen oder in einem Krisenfall gar das Telefon- und Datennetz sabotieren?

Zentrale Gegenreaktionen

Die Befürchtungen haben in verschiedenen Ländern schon zu konkreten Gegenmaßnahmen geführt. In den USA und in Großbritannien darf Huawei an den Netzen des neuen G5-Standards nicht mitbieten.


Ren Zhengfei ist Gründer und Chief Executive Officer von Huawei Technologies.
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Ren Zhengfei spricht im Interview mit dem Luxemburger Wort über die Aussichten seines Unternehmens in schwierigen Zeiten.

Der Konzern widerspricht jedoch energisch und bestätigt, dass er sich auf dem westlichen Markt auch an den westlichen Gepflogenheiten orientiert. Aber es ist klar, dass Huawei nicht einfach warten kann und will, wie sich das Meinungsklima in Europa entwickelt. Die beiden Ansiedlungen in der Großregion sind zentrale Gegenreaktionen. Wenn man in Europa produziert und die Produktion den europäischen Richtlinien und Datenschutzbestimmungen folgt, wird es schwieriger, die Huawei-Produkte zu verbieten.

In Frankreich darf Huawei mitbieten, wenn es um die 5G-Lizenzen geht, auch wenn eigens ein spezielles Gesetz beschlossen wurde, mit dem Spionage oder Sabotage unterbunden werden soll. Der Konzern hat sich nun entschieden, im Nachbarland eine große Fabrik zu errichten, die größte außerhalb des chinesischen Festlandes. Die Investitionssumme soll rund 200 Millionen Euro betragen. 

Skepsis in Frankreich

Die Planung sieht vor, dass die Fabrik rund 60.000 Quadratmeter groß werden soll, und es sollen 500 neue Arbeitsplätze entstehen. Allein dieses Faktum ist ein wesentliches Argument für Jean Rottner, den aktuellen Präsidenten des Regionalrats der Region Grand Est, der damit auch umgekehrt die Bedeutung der Region auf dem Weltmarkt gesteigert sieht. Auch das Pariser Wirtschaftsministerium und selbst Präsident Emmanuel Macron persönlich seien informiert und unterstützten das Projekt. 


(FILES) In this file photo taken on March 06, 2019 a staff member of Huawei uses her mobile phone at the Huawei Digital Transformation Showcase in Shenzhen, China's Guangdong province. - Lawyers for a senior executive at Chinese tech giant Huawei asked Canada's justice minister on June 24, 2019, to quash extradition proceedings against Meng Wanzhou and for her to be released. (Photo by WANG ZHAO / AFP)
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Aber die Skepsis ist auch in Frankreich groß. Jeanne Baseghian, die grüne Bürgermeisterin von Straßburg – der Ort, der von Huawei zunächst vorgesehen war –, sah das Vorhaben so kritisch, dass der Konzern nach einem neuen Standort gesucht hat. Nun wird die Huawei European Wireless Factory im Businesspark von Brumath bei Hagenau errichtet. Die Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen; die Fabrik soll 2023 mit der Produktion starten.

Standort im Saarland

Vor den Hintergründen der Huawei-Skepsis fast noch symbolträchtiger ist die nur kurz danach erfolgte Ankündigung, auch einen Standort im Saarland zu eröffnen. Zwar durfte Huawei auch in Deutschland um eine 5G-Lizenz mitbieten, aber der Bundestag hat eine Regelung verabschiedet, die explizit vorsieht, dass ein Unternehmen vom Aufbau eines 5G-Netzes wieder ausgeschlossen werden kann, wenn es als nicht mehr vertrauenswürdig eingestuft wird. Das kann erfolgen, wenn das Unternehmen falsche Angaben macht, Sicherheitsüberprüfungen nicht unterstützt oder IT-Schwachstellen nicht unverzüglich meldet und beseitigt. 

Bemerkenswert ist, dass das Gesetz nicht nur eine technische Bewertung vorsieht, sondern auch eine politische Prüfung. Das Gesetz ist zwar allgemein formuliert, aber es ist klar, dass es sich eigentlich um eine „Lex Huawei“ handelt, ähnlich also wie in Frankreich. Tatsächlich kam Huawei in Deutschland auch nicht zum Zuge – außer beim sicherheitspolitisch weniger relevanten Antennenausbau.

Vor diesem Hintergrund ist die Neuansiedlung im Saarland noch verständlicher. Die Huawei-Dependance jenseits der Mosel startet weniger gigantisch, konzentriert sich stärker auf Forschung und Entwicklung. Das Besondere ist, dass sie dies in Nachbarschaft zur Universität des Saarlandes machen möchte. Die Saarbrücker Universität beherbergt das deutsche Helmholtz-Forschungsinstitut für Cybersicherheit; zudem gibt es zwei Max-Planck-Institute für Informatik sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Huawei will sogar explizit mit diesen Forschungsinstituten kooperieren. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans hat bestätigt, dass es gerade dieser Aspekt war, der zum Erfolg bei den Ansiedlungsverhandlungen geführt habe: „Wenn die Chinesen auf dem Weltmarkt weiterhin erfolgreich sein wollen, brauchen sie vertrauenswürdige Betriebsstätten. Die saarländischen Kompetenzen in den Bereichen Cybersicherheit und Künstlicher Intelligenz können helfen, dass die Daten sicher bleiben.“


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Nicht alle Saarbrücker Wissenschaftler sehen das so positiv. Antonio Krüger, der Chef des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, betont explizit: „Man darf nicht naiv sein und muss jede Kooperation auf den Prüfstein legen“.

Die strategischen Gründe von Huawei, in Zentraleuropa zu expandieren, sind klar. Derzeit sieht es so aus, als könnten beide Seiten profitieren: In der Großregion entstehen Arbeitsplätze, und die Chinesen werden in europäische Datenschutzstandards eingebunden und bleiben Teil des Geschehens. Dies sieht, bei aller Vorsicht, auch Antonio Krüger so: „Im Prinzip ist das eine positive Entwicklung“.

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