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Chinesen kaufen weniger Firmen auf
Wirtschaft 2 Min. 05.02.2019

Chinesen kaufen weniger Firmen auf

Sorgte international für Schlagzeilen: 2018 erwarben Chinesen 24,92 Prozent am Luxemburger Energieversorger Encevo.

Chinesen kaufen weniger Firmen auf

Sorgte international für Schlagzeilen: 2018 erwarben Chinesen 24,92 Prozent am Luxemburger Energieversorger Encevo.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 2 Min. 05.02.2019

Chinesen kaufen weniger Firmen auf

Marco MENG
Marco MENG
Peking will den globalen Einfluss mit wirtschaftlichen Investitionen ausbauen. Doch der Widerstand dagegen wird größer, und Chinas Wirtschaft selbst schwächelt.

Der Wert chinesischer Übernahmen in Europa kannte seit 2006 nur eine Richtung: immer mehr. Doch seit 2016 sinkt er. Laut einer am Dienstag vorgelegten Studie des Beratungsunternehmens EY summierten sich die Firmenaufkäufe in Europa durch chinesische Investoren vergangenes Jahr auf 31,2 Milliarden US-Dollar (rund 27 Milliarden Euro) – 46 Prozent weniger als im Jahr davor.

Die Zahl der Transaktionen ist europaweit um 21 Prozent auf 196 gefallen. Beliebteste Ziele chinesischer Zukäufe und Beteiligungen sind in Europa Großbritannien, und vor allem Deutschland, wo Chinesen letztes Jahr 10,7 Milliarden US-Dollar investierten – 22 Prozent weniger als 2017.


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Der größte Deal in Deutschland war zugleich die größte Transaktion in Europa. Es war der Einstieg des chinesischen Autobauers Geely bei Daimler mit geschätzten 8,9 Milliarden US-Dollar. Insgesamt gab es fünf Transaktionen mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar – 2017 waren es noch elf derartige Transaktionen gewesen.

Die Zahl der Deals in der Schweiz hat sich derweil von sieben auf 13 fast verdoppelt. Im vergangenen Jahr kauften chinesische Investoren nur noch halb so viele Industrieunternehmen in Europa, während die Zahl im Konsumgüter- und Dienstleistungssektor gestiegen ist.

Teure Expansionspolitik

Wie die Analysten von EY ermittelten, sank die Aktivität chinesischer Investoren vor allem im zweiten Halbjahr 2018. „Die Transaktionsaktivitäten sind europaweit nun fünf Halbjahre in Folge zurückgegangen“, sagt Yi Sun, Leiterin des China Business Services von EY Deutschland, Österreich und Schweiz.


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Als Gründe für diesen Rückgang führt sie an, dass zum einen sich die Rahmenbedingungen in China verändert hätten, indem Peking übermäßige Kapitalabflüsse verhindere, zum anderen wegen der schwächer laufenden chinesischen Wirtschaft dortige Unternehmen vorsichtiger geworden seien.


„Obendrein werden chinesische Investoren auch in Europa nicht mehr überall mit offenen Armen empfangen“, so Sun. Die zunehmende Verschuldung chinesischer Unternehmen hatte sich zum Beispiel bei der Expansion des chinesischen Konglomerats HNA gezeigt: Erst hatte die Gruppe massiv eingekauft, dann hat sie ihre Anteile an der NH-Hotelgruppe oder an der Deutschen Bank mit ehemals fast zehn Prozent wieder veräußern müssen. Die Mehrheit am Flughafen Hahn behielt sie indes.


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Politische Hürden

Um seine Spitzentechnologie zu schützen, hat im Dezember die deutsche Regierung die Außenwirtschaftsordnung geändert und kann bei Übernahmeversuchen in sicherheitsrelevanten Bereichen eingreifen. Dazu zählt auch die Energiewirtschaft.

Den Einstieg des staatlichen chinesischen Netzbetreibers SGCC in die deutsche Stromversorgung hatte Berlin blockiert. In Luxemburg hat letztes Jahr der Staatskonzern Chinese Southern Power Grid (CSG) ein Viertel am hiesigen Energieversorger Encevo übernommen, was auch über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen sorgte. Denn die Encevo-Tochter Creos betreibt in Deutschland ein 1 600 Kilometer langes Gas- und ein 420 Kilometer langes Stromnetz.

„Die Expansionsstrategie der chinesischen Wirtschaft bleibt trotz aller aktuellen Herausforderungen gültig“, sagt Sun. Sierechnet wieder mit einer Zunahme der Investitionsbereitschaft chinesischer Unternehmen, sobald der chinesisch-amerikanische Handelskrieg sich beruhigt.

Die kommunistische Partei Chinas verfolgt das Ziel, bis 2025 den Westen und Japan technologisch einzuholen und bis 2050 zu überflügeln.



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