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Chinas mysteriöser Finanzgigant
Wirtschaft 3 Min. 31.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Übernahmekampf um US-Hotelkette Starwood

Chinas mysteriöser Finanzgigant

Mit einem Angebot von zuletzt 13,6 Milliarden Dollar glaubte Marriott, die Übernahme von Starwood sei in trockenen Tüchern.
Übernahmekampf um US-Hotelkette Starwood

Chinas mysteriöser Finanzgigant

Mit einem Angebot von zuletzt 13,6 Milliarden Dollar glaubte Marriott, die Übernahme von Starwood sei in trockenen Tüchern.
AFP
Wirtschaft 3 Min. 31.03.2016 Aus unserem online-Archiv
Übernahmekampf um US-Hotelkette Starwood

Chinas mysteriöser Finanzgigant

Thierry LABRO
Thierry LABRO
Der Übernahmekampf um die US-Hotelkette Starwood hält an. Obwohl der Zuschlag an Marriott bereits erteilt war, legte der Investmentriese Anbang kräftig nach. Stellt sich die Frage, wer hinter diesem chinesischen Großinvestor steckt. Die Verbindungen reichen bis hinauf zur chinesischen Führung.

Von Félix Lee (Peking)

Familienbande spielen in der chinesischen Geschäftswelt traditionell eine große Rolle – auch unter der kommunistischen Führung. Im Zuge der globalen Expansion vieler chinesischer Unternehmen bekommen nun allerdings zunehmend auch westliche Unternehmen die in China weit verbreitete Vetternwirtschaft zu spüren. 

Das womöglich nächste Opfer: Die US-amerikanische Hotelgruppe Marriott International. In der Übernahmeschlacht um die ebenfalls US-amerikanische Hotelgruppe Starwood hat Marriott einen herben Rückschlag erlitten. 

Mit einem Angebot von zuletzt 13,6 Milliarden Dollar glaubte Marriott, die Übernahme von Starwood sei in trockenen Tüchern. Ein Fusionsvertrag wurde am 21. März bereits vorgelegt. 

Anbang hat zweimal ihr Angebot für Starwood erhöht  

Doch weit gefehlt: Die chinesische Investmentgruppe Anbang hat seitdem gleich zweimal ihr Angebot für Starwood erhöht. Am vergangenen Samstag bot die Holding aus Fernost 81 Dollar pro Aktie und verbesserte zu Wochenbeginn ihre Offerte nach neuen Gesprächen auf 82,75 Dollar. Anbang bietet damit derzeit mehr als 14 Milliarden Dollar. 

Zu Starwood gehören die renommierten Hotelketten Sheraton, Westin, St. Regis und Le Méridien. Der Bestand liegt weltweit bei über 1.000 Hotels mit mehr als 300.000 Zimmern. 

Was den Bieterkampf auf chinesischer Seite so fragwürdig macht: Offiziell ist Anbang zwar ein privat geführter Konzern. Gründer der überhaupt erst seit zwölf Jahren existierenden Holding und Vorstandsvorsitzender ist allerdings Wu Xiaohui. Und Wu ist mit Deng Zhourui verheiratet, Enkelin des legendären Staatsführers Deng Xiaoping. 

Wichtige Posten innerhalb der Staatsführung  

Der Reformer, der einst Chinas wirtschaftliche Öffnung einleitete, ist zwar seit fast 20 Jahren tot. Seine Nachkommen bekleiden aber auch weiterhin wichtige Posten innerhalb der Staatsführung. Nach Angaben der chinesischen Zeitung "Southern Weekly" besetzte zudem zeitweise der Sohn des Ex-Premiers Zhu Rongji eine Vorstandsposition bei der Anbang-Gruppe. Dabei ist Anbang auch in China noch nicht lange ein Begriff. 

Überhaupt ins Gespräch gebracht hat sich die Unternehmensgruppe erst in den vergangenen zwei Jahren mit einer Reihe von zum Teil spektakulären Übernahmen vor allem im Ausland. Das in China offiziell als Versicherung notierte Unternehmen kaufte bisher unter anderem Finanzdienstleister in den USA, Belgien, den Niederlanden und Nordkorea sowie eine Reihe von Immobilien und Hotels. 

Sicherlich am meisten Aufsehen erregte der Kauf des renommierten Waldorf Astoria in New York im vergangenen Jahr. Zwei Milliarden Dollar ließen sich die Chinesen die Einverleibung kosten. Kurze Zeit später schluckte Anbang die Hotelkette Strategic Hotels & Ressort“ – ebenfalls für einen Milliardenbetrag. 

 Sheraton oder St. Regis sind künftig in chinesischer Hand

Doch woher hat Anbang dieses viele Kapital? Chinesischen Medienberichten zufolge begann Wu seine Karriere Ende der neunziger Jahre mit einer Autovermietung. 2004 gründete er Anbang als einen Finanzdienstleister. Wu hatte aber von Beginn an zwei kräftige Kapitalgeber an Bord: den Automobilhersteller Shanghai Automotive Industries (SAIC) sowie den Ölkonzern Sinopec. Beide halten Anteile von jeweils 20 Prozent. Und beide sind in Staatshand. Offiziell behauptet Anbang, die wichtigste Geldquelle für die milliardenschweren Einkäufe seien die Ersparnisse der Kunden. Neben den eingesammelten Kapitalbestände der Versicherungskunden gibt Anbang zudem Vermögensverwaltunsgprodukte heraus. 

Bei einem Kundenstamm von 35 Millionen Menschen habe Anbang gewaltige Kapitalbestände angehäuft. Die Firmenwebseite gibt eine Bilanzsumme von über 280 Milliarden Dollar an. Selbst wenn diese Bilanzsumme stimmen sollte –es liegt dennoch der Verdacht nahe, dass auch der chinesische Staat Anbang bei seinen weltweiten Übernahmen finanziell kräftig unter die Arme greift. 

Die Regierung unter Staats- und Parteichef Xi Jinping hat die Devise ausgegeben, Chinas gewaltige Kapitalbestände zu nutzen, um global auf Einkaufstour zu gehen. Und die Vorstellung, dass so renommierte Marken wie Sheraton oder St. Regis künftig in chinesischer Hand sind, scheint auf die chinesische Führung besonders großen Eindruck zu schinden. 

Man wolle „zu den zehn erfolgreichsten Finanzgruppen der Welt“ gehören, schreibt Anbang auf seiner Website. Starwood hält sich indes bedeckt wie sie mit dem neuen Angebot aus China umgehen soll. Unter finanziellem Druck steht die Hotelgruppe nicht. Bislang empfiehlt der Verwaltungsrat den Aktionären auch weiterhin das Marriott-Angebot. 

Dass die Aktionärsversammlung nach dem neuen Angebot von Anbang auf den 8. April verschoben wurde, deutet allerdings schon daraufhin, dass viele der Anteilseigner den Milliarden aus China nicht abgeneigt sind.


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