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Cherokee-Häuptling zu Autobauer Jeep: Zeit, den Namen zu ändern
Wirtschaft 5 4 Min. 23.02.2021

Cherokee-Häuptling zu Autobauer Jeep: Zeit, den Namen zu ändern

Respektvoll oder unangebracht? Das Modell "Cherokee" ist ein Bestseller für Jeep.

Cherokee-Häuptling zu Autobauer Jeep: Zeit, den Namen zu ändern

Respektvoll oder unangebracht? Das Modell "Cherokee" ist ein Bestseller für Jeep.
Foto: AFP
Wirtschaft 5 4 Min. 23.02.2021

Cherokee-Häuptling zu Autobauer Jeep: Zeit, den Namen zu ändern

Tom Rüdell
Tom Rüdell
Der Autohersteller Jeep hat seit fast 50 Jahren Modelle namens "Cherokee" im Programm. Chuck Hoskin jr, Häuptling der Cherokee Nation, fordert jetzt eine Namensänderung der SUV-Modelle.

Die Debatte ist nicht neu - und das Modell auch nicht: Seit 1974 hat der Geländewagenhersteller Jeep einen „Cherokee“ im Programm, seit 1993 auch einen „Grand Cherokee“. Und beinahe ebenso lange meldet sich der gleichnamige Stamm der Cherokee kritisch zu Wort - immerhin die größte indigene Volksgruppe der USA. Ihnen gefällt die Verwendung ihres Namens für ein SUV-Modell nicht. Bisher hatte allerdings noch kein Stammesvertreter öffentlich gefordert, Jeep solle die Namen seiner Bestseller ändern - auch nicht nach der Wiedereinführung des „Cherokee“, der von 2001 bis 2013 in den USA „Liberty“ geheißen hatte.

Das ändert sich jetzt: Der Häuptling („Principal Chief“) der Cherokee Nation, Chuck Hoskin jr., also ein offizieller Regierungschef, der immerhin für 380.000 Cherokee spricht, hat sich in einem Statement an die amerikanische Motorzeitschrift „Car and Driver“ zu Wort gemeldet. Andere Medien griffen die Debatte daraufhin auf. Hintergrund: Jeep will den „Grand Cherokee“ für den amerikanischen Markt überarbeiten und das neue Modell 2022 herausbringen - und „Car and Driver“ hatte bei der Cherokee Nation nach einer Meinung dazu gefragt. 


US President Donald Trump listens with Navajo Code Talkers in the Oval Office of the White House during an event to honor Native American code talkers who served in World War II November 27, 2017 in Washington, DC. / AFP PHOTO / Brendan Smialowski
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Und die fällt diesmal deutlich aus: „Es ist an der Zeit, dass sowohl Wirtschaftsunternehmen als auch Sportmannschaften die Namen indigener Völker, die Logos und Maskottchen, die indigenen Menschen nachempfunden sind, von ihren Produkten, Trikots und generell aus ihrem Sport entfernen“, so Principal Chief Hoskin gegenüber der Fachzeitschrift. Damit nutzt der Häuptling die Gunst der Stunde: Die schon länger währende Debatte um rassistische Stereotype im amerikanischen Teamsport hat jüngst einige Erfolge gezeitigt. Das Baseball-Team „Cleveland Indians“ hat im Dezember angekündigt, seinen Namen ändern zu wollen; auch das NFL-Football-Team aus Washington verzichtet künftig auf die rassistische Zuschreibung „Redskins“, also Rothäute im Teamnamen. 

Ehre oder Anmaßung?

Ich bin mir sicher, dass das gut gemeint ist, aber es ehrt uns nicht, unseren Namen auf die Seite eines Autos zu kleben.

Chuck Hoskin, jr.

Die von Jeep vorgebrachte, ebenfalls nicht neue Begründung, Modellnamen wie Cherokee oder Mojave (ein weiterer indigener Stamm) seien „sorgsam ausgewählt [...] um die amerikanischen Ureinwohner für ihren Edelmut, ihre Tapferkeit und ihren Stolz zu ehren und zu feiern“, lässt der Häuptling nicht gelten: „Ich bin mir sicher, dass das gut gemeint ist, aber es ehrt uns nicht, unseren Namen auf die Seite eines Autos zu kleben.“ 

Hoskin weiter: „Wer uns ehren will, sollte sich am besten über unsere Regierung, unsere Rolle in diesem Land, unsere Geschichte, Kultur und Sprache informieren. Und dann in einen sinnvollen Dialog mit den staatlich anerkannten Stämmen darüber treten, was kulturell angemessen ist und was nicht.“

Der Autohersteller versprach in seinem Statement, „für einen offenen und respektvollen Dialog“ mit Hoskin zur Verfügung zu stehen, ließ aber offen, ob eine Umbenennung der Modelle infrage kommt. Das wird der Konzern Stellantis, zu dem die Marke Jeep seit 2021 gehört, sich auch gut überlegen: Laut Car and Driver ist der „Grand Cherokee“ das meistverkaufte Jeep-Modell, der „Cherokee“ liegt auf Platz drei - zusammen machen die beiden Modelle 40% der Gesamtverkäufe im Jahr 2020 aus. 

Exotische Namen als Marketinginstrument

Das Konzept, Namen indigener Völker für Autobaureihen zu verwenden, ist weder neu noch exklusiv auf Jeep bzw. Stellantis beschränkt - und auch nicht auf die USA. Chevrolet hatte den Apache und den Cheyenne, Dodge hatte den Dakota. Für den Nissan Qashqai standen die Qaschqai aus dem Iran (sehr wahrscheinlich nicht freiwillig) Pate, für den VW Touareg die Tuareg aus Nordafrika. 

Wer weiter sucht und dabei den Automobilsektor verlässt, findet schnell mehr: Es gibt oder gab „American Indian“-Zigaretten, „Red Man“ Kautabak, diverse US-Hubschrauber von „Apache“ über „Lakota“ bis „Sioux“ und den europäischen Rasenmäher „Tecumseh“. Und es gibt, ähnlich wie im US-Sport, auch einige Beispiele für ein Umdenken in der Markenführung, die Chief Hoskin recht geben: Die Molkerei Land O' Lakes aus Minnesota hat 2020 nach fast 100 Jahren die Figur einer Ureinwohnerin aus ihrer Butterverpackung entfernt. Auch Uncle Ben's Reis sieht nicht mehr aus wie früher. 

 [Foto: Jeep Cherokee SJ 1975 / CC BY-SA 3.0 / Mr.choppers]

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