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Cargolux-CEO schmeißt das Handtuch
Wirtschaft 3 Min. 27.07.2012 Aus unserem online-Archiv

Cargolux-CEO schmeißt das Handtuch

Cargolux-Präsident Fränk Reimen ist am Freitag von seinem Amt zurückgetreten.

Cargolux-CEO schmeißt das Handtuch

Cargolux-Präsident Fränk Reimen ist am Freitag von seinem Amt zurückgetreten.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 27.07.2012 Aus unserem online-Archiv

Cargolux-CEO schmeißt das Handtuch

Cargolux-Chef Frank Reimen verlässt zum 1. August die Frachtairline und übernimmt den Posten des „haut commissaire à la Protection nationale“. Als nationaler Sicherheitsbeauftragter wird er Nachfolger von Roland Bombardella, der in den Ruhestand tritt.

(pley) - Cargolux-Chef Frank Reimen verlässt zum 1. August die Frachtairline und übernimmt den Posten des „haut commissaire à la Protection nationale“. Als nationaler Sicherheitsbeauftragter wird er Nachfolger von Roland Bombardella, der in den Ruhestand tritt.

Die Nachricht vom Rücktritt Reimens kommt plötzlich, wenn auch für Beobachter nicht überraschend. Seit Monaten hängt der „Haussegen“ bei der Luftfrachtgesellschaft schief. Der Grund: Die Absichten des neuen Aktionärs Qatar Airways stimmen nicht immer mit denen der Altaktionäre überein. Im Juni 2011 hatte die aufstrebende Airline aus dem Golfemirat für 117,5 Millionen Dollar eine 35-prozentige Beteiligung an Cargolux erworben. Die übrigen Anteilseigner sind die Luxair (43,4 Prozent), BCEE (10,9 Prozent) und die SNCI (10,7 Prozent).

Frank Reimen wurde am 1. Januar 2011 Generaldirektor der Cargolux. Er übernahm das Steuer im Cockpit der Luxemburger Frachtfluggesellschaft, als diese von schweren Turbulenzen erschüttert wurde. Gegen seinen Vorgänger Ulrich Ogiermann war Ende Oktober 2011 vor einem Gericht in Miami Anklage wegen Kartellabsprachen erhoben worden, worauf ihn der Verwaltungsrat seiner Aufgaben entband und Reimen zu seinem Nachfolger bestimmte.

Die Hoffnung, dass Reimen die von schweren Kartellstrafen in den USA und in Europa auch finanziell geschwächte Frachtairline in ruhigere Bahnen lenken könnte, erwiesen sich als trügerisch.

Streit über strategische Ausrichtung

Der Eintritt von Qatar Airways, von der Regierung anfangs als gewinnbringende strategische Partnerschaft dargestellt, wurde zum Unruhefaktor.

Schon bei seiner ersten Sitzung im September letzten Jahres sorgte der neugewählte Verwaltungsrat für Furore, indem er beschloss, die Auslieferung von zwei Super-Jumbos zu verweigern. In der internationalen Luftfahrtbranche wurde diese überraschende Absage als schallende Ohrfeige für den Flugzeugbauer Boeing gesehen.

Der für sein selbstherrliches Benehmen bekannte CEO von Qatar Airways, Akbar al Baker, kritisierte im März in einem Interview mit dem Flugmagazin „Flight International, das bisherige Geschäftsmodell und die Unternehmenskultur von Cargolux, die er als als hinterwäldlerisch darstellte.

Im Zentrum des Streits steht die strategische Ausrichtung von Cargolux, die im wesentlichen von der Zusammensetzung der Flugzeugflotte bestimmt wird. Cargolux hat insgesamt 13 Boeing-Frachtjumbos der neuesten Generation bestellt, die in den kommenden Jahren gegen die bestehenden 747-400F ausgewechselt werden sollen. Vier der neuen, spritsparenden Jumbos wurden schon ausgeliefert.

Katari setzen auf Boeing 777

Beobachter wissen, dass Qatar Airways das kleinere Boeing-Modell 777 als Teil der Cargolux-Flotte vorziehen würde. Ein Consulting-Büro wurde mit dem Erstellen einer Studie zur künftigen Ausrichtung der Luxemburger Frachtairline beauftragt. Mitte Oktober soll die Studie dem Verwaltungsrat vorgelegt werden.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass sich CEO Frank Reimen in diesen Spannungsverhältnissen unwohl fühlte. Dabei ist der am 14. Dezember 1970 in Esch/Alzette geborene Reimen in der nationalen Luftfahrtbranche kein Unbekannter. Als Regierungskommissar bei der Luxair hat er die Einführung des Restrukturierungsplans „Building a new Airline“ maßgeblich begleitet. Gleichzeitig ist das neue Terminal des Findels unter seiner Verantwortung als Aufsichtsratsvorsitzender der Betreibergesellschaft Lux-Airport fertig gestellt worden. Seit 2009 war Reimen auch Mitglied des Verwaltungsrats von Cargolux.

In einer Mitteilung der Frachtairline heißt es, in naher Zukunft werde der Verwaltungsrat einen Interim-CEO bestimmen, während eine Headhuntingfirma mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragt würde.

Als möglicher Interim-CEO, wenn nicht gar als Nachfolger, käme dem Vernehmen nach Cargolux-Finanzchef Richard Forson in Frage. Der Südafrikaner, der von 2003 bis 2006 als „General Manager“ bei Qatar Airways arbeitete, hat erst am 1. Februar seinen Posten als Chief Financial Officer bei Cargolux angetreten.