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Cargolux bezeichnet Piloten-Protestaktion als illegal
Wirtschaft 2 Min. 23.07.2015 Aus unserem online-Archiv
Flüge verspätet

Cargolux bezeichnet Piloten-Protestaktion als illegal

Hintergrund um den Streit bei der Frachtfluggesellschaft sind laut LCGB nach wie vor Sicherheitsbedenken und ein enormer Vertrauensverlust.
Flüge verspätet

Cargolux bezeichnet Piloten-Protestaktion als illegal

Hintergrund um den Streit bei der Frachtfluggesellschaft sind laut LCGB nach wie vor Sicherheitsbedenken und ein enormer Vertrauensverlust.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 2 Min. 23.07.2015 Aus unserem online-Archiv
Flüge verspätet

Cargolux bezeichnet Piloten-Protestaktion als illegal

Die Frachtfluggesellschaft Cargolux hat die Protestaktion ihrer Piloten am Donnerstagnachmittag als "gewerkschaftliche Schmierenkampagne" betitelt. Ein Viertel aller Crews hatte sich vom Dienst abgemeldet und erklärt, nicht fit genug zum Fliegen zu sein.

(aa/ks) - Die Cargolux hat am Donnerstagnachmittag überrascht und empört auf die Protestaktion einiger ihrer Piloten reagiert. 27 Prozent der Crews hatten nach Angaben der Frachtfluggesellschaft erklärt, "unfit to fly" zu sein - also nicht fit genug, um ihre Aufgabe sicher durchzuführen.

Nach Angaben von Cargolux ist kein Flug ausgefallen, ein Viertel aller Verbindungen sei allerdings verspätet. 73 Prozent der Crews befänden sich im Einsatz. Die Airline wies die Behauptung der Gewerkschaft LCGB zurück, Sicherheitsbedenken im Betrieb zu ignorieren.

Gerichtliche Entscheidung getroffen

Es sei gerichtlich bestätigt worden, dass dieser Warnstreik nicht rechtskonform sei und deshalb umgehend beendet werden müsse, hieß es bei Cargolux. Man wolle Schadenersatz fordern, allerdings sollen keine einzelnen Piloten haftbar gemacht werden. Aufgrund der Struktur des LCGB könnten möglicherweise dessen Mitglieder zur Verantwortung gezogen werden. Die Airline sprach von einer "gewerkschaftlichen Schmierenkampagne". Sie ist der Ansicht, dass der LCGB im Rahmen laufender Kollektivvertragsverhandlungen nicht zu einer derartigen Aktion hätte aufrufen dürfen.

Die Gewerkschaft hingegen verwies darauf, dass von einem Warnstreik keine Rede sein könne. "Die Piloten sind zur Arbeit gekommen und haben selbst entschieden, ob sie fliegen", so Aloyse Kapweiler vom LCGB gegenüber dem "Luxemburger Wort". Es habe keinen allgemeinen Streikaufruf gegeben, so der Gewerkschafter. Deshalb spricht der LCGB weiterhin nur von einer "action d'avertissement".

Gewerkschaft will mehr Transparenz

LCGB-Präsident Patrick Dury sagte, durch die Aktion seien - im Gegensatz zur Aussage von Cargolux - sehr wohl Flugzeuge am Boden geblieben. Wenn die Airline das Gegenteil behaupte, gäbe es ja auch keinen Grund für Schadensersatzansprüche.

Hintergrund um den Streit bei der Frachtfluggesellschaft sind laut LCGB nach wie vor Sicherheitsbedenken und ein enormer Vertrauensverlust. "Bei der Cargolux wird unerhörter Druck ausgeübt und mit zweierlei Maß gemessen", so Aloyse Kapweiler.  So habe man z. B. einen Piloten aus dem Management wegen seines umstrittenen Wing-Wave-Manövers seinerzeit nicht zur Verantwortung gezogen, mehrere krankgemeldete Piloten aber von Detektiven überwachen lassen, um Indizien gegen sie zu sammeln und zu entlassen.

Davon will die Cargolux jedoch nichts wissen. Der Wing-Wave-Vorfall sei eingehend untersucht worden und bei den fraglichen vier Piloten habe man sich an Gesetz und interne Regeln gehalten. Zudem hätten Gutachten das hohe Sicherheitsniveau der Cargolux bestätigt.

Cargolux weist Vorhaltungen zurück

"Damit die Beschäftigten wieder Vertrauen finden, wollten wir auf Transparenz setzen und haben der Generaldirektion vorgeschlagen, dass strittige disziplinarrechtliche Vorfälle auch auf Initiative des Betriebsrates untersucht werden sollen, dass Personalvertreter in der Disziplinarkommission zugegen sein dürfen und dass in Disziplinarfällen künftig die Möglichkeit einer Revision gegeben ist. Das wurde von der Geschäftsführung abgelehnt mit der Begründung, es handele sich um vertrauliche Angelegenheiten", sagte Kapweiler dem "Luxemburger Wort". 

Auch das möchte die Cargolux so nicht stehen lassen. Bei den genannten Forderungen gehe es im Grunde um zusätzliche personale Mitbestimmung und nicht um mehr Sicherheit. Zudem sei selbst der Betriebsrat bei weitem nicht einstimmig für diese Forderungen.




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