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Brexit und die Banken: Der Exodus könnte bereits 2018 beginnen
Die Großbanken planen bereits ihre Präsenz in der City zu reduzieren.

Brexit und die Banken: Der Exodus könnte bereits 2018 beginnen

AFP
Die Großbanken planen bereits ihre Präsenz in der City zu reduzieren.
Wirtschaft 2 Min. 02.05.2017

Brexit und die Banken: Der Exodus könnte bereits 2018 beginnen

Die Austrittsverhandlungen beginnen erst, aber die in London ansässigen Banken haben bereits konkrete Pläne. Mit Goldman Sachs legte eine Großbank vor und auch andere Banken planen, zehntausende Arbeitsplätze aus London abzuziehen.

(Bloomberg) - Goldman Sachs plant, Londoner Mitarbeiter und Geschäftsbereiche ab kommenden Jahr wegen des Brexit zu verlagern. Das erklärte Richard Gnodde, Co-Chef für das Investmentbanking, vergangene Woche in einem Podcast. Dazu will der Finanzkonzern Büros innerhalb der Europäischen Union (EU) erweitern oder neu aufbauen.

Für Mitarbeiter, die direkt mit Kunden zu tun haben, sind eine Reihe von EU-Städten, darunter Madrid, Mailand und Paris, vorgesehen, sagte Gnodde. Im Rest des laufenden Jahres wolle das Unternehmen entscheiden, welche Geschäftsbereiche wohin verlagert und wie viele Mitarbeiter umziehen werden.

London könnten 30.000 Jobs verloren gehen

Auch andere Banken hatten sich vergangene Woche bei Hauptversammlungen, Ergebnisvorlagen oder anderen Anlässen zu ihren Standort-Plänen angesichts des Brexit geäußert, so auch die Deutsche Bank. Bei vielen Konzernen nehmen die Umzugsvorbereitungen offenbar konkretere Formen an.

„Die richtige Art und Weise, wie man darüber denken sollte, ist, dass es wie der Kauf einer Versicherungspolice ist“, sagte Gnodde in dem Podcast vom 24. April. „Man hofft, dass man davon nicht Gebrauch machen muss. Doch wenn man es muss, freut man sich, dass alles vorbereitet ist.”

Informierten Kreisen zufolge erwägt Goldman Sachs, nach dem Brexit Frankfurt zur wichtigsten Basis innerhalb der EU zu machen. Bis zu 1.000 Mitarbeiter könnten den Angaben zufolge umziehen. Insgesamt droht London sogar, bis zu 10.000 Banken-Jobs und weitere 20.000 Stellen im Bereich der Finanzdienstleistungen zu verlieren, hieß es in einer Studie der Denk-Fabrik Bruegel.

Douglas Flint, Chairman von HSBC Holdings, erklärte am Freitag, seine Bank würde es zwar bevorzugen, Mitarbeiter in London zu belassen, plane jedoch 1.000 Arbeitsstellen in den kommenden beiden Jahren nach Paris zu verlagern.

Banken bereiten Notfallpläne vor

Ebenfalls am Freitag sagte Sergio Ermotti, Konzernchef der UBS Group, er sehe die Gefahr, dass die Banken gezwungen würden, Notfallpläne umzusetzen. Sein Haus werde sich gegen Ende des Sommers oder Anfang Herbst entscheiden.

Jes Staley, Vorstandschef von Barclays, erklärte auf einer Konferenz in der vergangenen Woche, dass die Bank innerhalb von sechs Monaten ihre Umzugspläne in Gang setzen werde. Das Finanzinstitut hat sich für Dublin als erweiterte EU-Basis entschieden, wolle dort aber nur rund 150 zusätzliche Mitarbeiter ansiedeln, hatten informierte Personen zu Jahresbeginn berichtet.

Es dürfte mindestens ein weiteres Jahr erfordern, oder möglicherweise sogar noch länger,  „bis wir mehr Klarheit bekommen“ sagte Deutsche-Bank-Vorstandschef Marcus Schenck vergangene Woche. Die Verlagerung von bis zu 4.000 Arbeitsplätzen aus Großbritannien in die EU sei eines der Szenarien, die dabei in Betracht gezogen würden.

In der Zwischenzeit drängt Goldman Sachs sowohl britische als auch europäische Regierungsvertreter „hart“ dazu, eine lange Übergangsphase zu akzeptieren, um die am Ende der zweijährigen britischen Austrittsverhandlungen beschlossenen Regeln in die Tat umzusetzen, sagte Gnodde.

„Unser Ziel ist es, das nahtlos zu gestalten”, erklärte er.


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