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Brexit lässt in Holland die Kassen klingeln
Wirtschaft 2 Min. 13.02.2021 Aus unserem online-Archiv

Brexit lässt in Holland die Kassen klingeln

Die älteste Wertpapierbörse der Welt in Amsterdam ist auch wieder Handelspatz Nr. 1 in Europa - vor London.

Brexit lässt in Holland die Kassen klingeln

Die älteste Wertpapierbörse der Welt in Amsterdam ist auch wieder Handelspatz Nr. 1 in Europa - vor London.
Foto: Euronext
Wirtschaft 2 Min. 13.02.2021 Aus unserem online-Archiv

Brexit lässt in Holland die Kassen klingeln

Nach 415 Jahren: Amsterdam ist wieder die größte Börse in Europa - London von Platz eins verdrängt.

Von LW-Korrespondent Helmut Hetzel (Den Haag)

Die Folgen des Brexit werden immer deutlicher sichtbar. Nun auch auf den Finanzmärkten. Denn der Finanzplatz London muss in Folge des Brexits, dem Austritt der Briten aus der EU, die Führungsposition unter den europäischen Handelsplätzen für Aktien an Amsterdam abtreten. 

An den Börsen in der niederländischen Hauptstadt wurden im Januar mehr Aktien gehandelt als in London. Das geht aus Daten der Terminbörse Cboe Europe hervor. Nach Angaben der Cboe betrug das tägliche Handelsvolumen in Amsterdam im Januar 9,2 Milliarden Euro. London kam auf ein Handelsvolumen von 8,6 Milliarden Euro. 

Die älteste Börse der Welt in Amsterdam ist nun, nach 415 Jahren, also wieder die größte Aktienbörse in Europa. Der Brexit machts möglich. Die Freude in Amsterdam und in den Niederlanden ist groß. Der Brexit lässt in Holland die Kassen klingeln. 

1606 wurden in Amsterdam die ersten Aktien der „Vereinigten Ostindischen Compagnie VOC“ ausgegeben und gehandelt. Die VOC beherrschte mit ihrer riesigen Flotte damals die Weltmeere sowie die einstige niederländische Kolonie Indonesien. Im Jahr 2000 fusionierte die Amsterdamer Börse mit den Börsen von Brüssel und Paris zu Euronext, der ersten internationalen Wertpapier- und Derivatenbörse.

Bedeutungsverlust Londons

Finanzexperten hatten schon lange vor dem Brexit vor den gravierenden negativen Folgen des Austritts Großbritanniens aus der EU und damit auch aus dem EU-Binnenmarkt gewarnt. In Börsenkreisen geht man davon aus, dass die Verlagerung der Handelsströme von London nach Amsterdam „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ dauerhaft sein wird. Der Grund: Die EU verlangt, dass in Euro notierte Aktien in der EU gehandelt werden müssen. 

Das haben die Cboe-Aktienplattformen und die einst in London angesiedelte Turquoise-Plattform rechtzeitig vorhergesehen. Sie sind schon 2016 nach dem Brexit-Votum nach Amsterdam umgezogen. Die einst in London ansässigen Broker machen ihre Umsätze nun in Amsterdam, obwohl sie natürlich weiterhin mit London digital verbunden sind. 


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Ausgeführt wird er von nur etwa zehn Mitarbeitern der CBOE Europe. Cboe ist eine Tochter der Optionsbörse in Chicago. Fest steht: Der Brexit schafft in den Niederlanden massenweise neue Arbeitsplätze, da immer mehr Firmen von London nach Amsterdam umziehen wollen oder schon umgezogen sind. 

Wie die „Netherlands Foreign Investment Agency (NFIA)“ mitteilte, zogen seit 2018 rund 400 Firmen neu in die Niederlande, 80 davon kamen aus Großbritannien. Insgesamt haben sich seit dem Brexit-Referendum vor vier Jahren laut NFIA 140 aus Großbritannien kommende Firmen in den Niederlanden neu niedergelassen. 

Sie schufen 4.000 neue Arbeitsplätze und investierten 375 Millionen Euro in den Niederlanden. ,,Es wählen auch immer mehr Firmen aus Indien und aus Kanada die Niederlande als ihren europäischen Standort, weil die Briten die EU verlassen haben. Jetzt kommen sie zu uns,‘‘ freut sich NFIA-Direktor Jeroen Nijland. 

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