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Brexit bringt Zuwachs
Yves Baustert, Claude Wirion und Annick Felten sehen die Aussichten positiv (v.l n.r.)

Brexit bringt Zuwachs

Matic Zorman
Yves Baustert, Claude Wirion und Annick Felten sehen die Aussichten positiv (v.l n.r.)
Wirtschaft 3 Min. 13.07.2018

Brexit bringt Zuwachs

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Luxemburg spürt erste positive Auswirkungen des Brexit: Das internationale Geschäft in der Nicht-Lebensversicherungsbranche boomt. Die Unternehmen blicken positiv in die Zukunft.

Für die luxemburgischen Versicherer war 2017 ein "gutes Jahr". Der Lebensversicherungsbereich erzielte mit 307 Millionen Euro – einem Zuwachs von 36,5 Prozent – das beste Ergebnis nach Steuern in seiner Geschichte. Auch der Nicht-Lebensversicherungsbereich entwickelte sich positiv mit einer Steigerung von 2,1 Prozent auf 175 Millionen Euro.

Einziger Schwachpunkt: Das Geschäft bei den Rückversicherern ist im vergangenen Jahr um 79,1 Prozent eingebrochen. Wie Claude Wirion, Vorsitzender des Commissariat aux Assurances (CAA) gestern mitteilte, ist dieser Rückgang auf Sondereffekte zurückzuführen, die den Rückversicherer im Jahr 2016 zugute kamen und sich 2017 nicht wiederholten. Dies beeinflusst aber das Ergebnis nach Steuern der gesamten Branche, das bei 777 Millionen Euro liegt, was einem Rückgang von 57 Prozent entspricht.

Die Zahlen für das erste Quartal 2018 sehen wieder gut aus: Der Lebensversicherungsbereich verzeichnet ein Plus von 4,35 Prozent, der Nicht-Lebensversicherungssektor einen Zuwachs von 33,28 Prozent. Bereits jetzt zeigen sich erste positive Auswirkungen des Brexit in der Versicherungsbranche. So ist etwa im Nicht-Lebensversicherungsbereich das internationale Geschäft im ersten Quartal 2018 um 74,99 Prozent gestiegen. "Dieser Zuwachs ist ganz klar auf den Brexit zurückzuführen", so Claude Wirion.

Das Geschäft dürfte noch weiter anziehen – im Nicht-Lebensversicherungsbereich könnte sich hier 2019 der Umsatz sogar verdreifachen, wie die Versicherungsaufsichtsbehörde schätzt.

Vorbereitung auf GAFI-Länderprüfung

Das "Commissariat aux assurances" hat im vergangenen Jahr vier Geldstrafen gegen Maklergesellschaften wegen Nichteinhaltung geldwäscherechtlicher Pflichten verhängt. 2020 wird sich die Groupe d'action financière (GAFI) den luxemburgischen Finanzsektor – Versicherungssektor inbegriffen – unter die Lupe nehmen. "Die Bekämpfung der Geldwäsche erfordert ein großes Engagement; besonders wichtig ist hierbei die Bildung. Wenn die Gesellschaften ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, werden wir mit immer strengeren Sanktionen reagieren", warnt Wirion.

Die GAFI-Standards werden 2020 einer Überprüfung unterzogen. "Wir haben bereits unsere Reporting-Tools aktualisiert. Wir haben dieses Jahr neue Fragebögen an die Unternehmen geschickt. Im nächsten Januar kommen auch neue quantitative Fragebögen hinzu. Zudem werden wir mit der Finanzaufsichtsbehörde CSSF eine Absichtserklärung unterschreiben. Wir versuchen also möglichst gut vorbereitet zu sein".

International steht der Luxemburger Standort gut da: die Versicherungsbranche ist nach Prämieneinnahmen im Lebensversicherungsbereich der neuntgrößte in Europa und Nummer 20 auf der Welt; im Nicht-Lebensversicherungsbereich Nummer 20 in Europa und auf Platz 44 global. Die Zahl der Versicherungsgesellschaften in Luxemburg verringerte sich im vergangenen Jahr auf 294, ist aber im ersten Quartal 2018 durch den Brexit wieder auf 300 gestiegen.

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 38 Milliarden Euro an Prämien eingenommen – eine Steigerung von 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den größten Anteil daran haben die Lebensversicherer mit 23 Milliarden Euro, gefolgt von den Rückversicherern mit elf Milliarden Euro. Zwar seien auch die Luxemburger gut versichert, wie Wirion bestätigt, das Gros der Prämieneinnahmen kommt aber in den drei Bereichen aus dem Ausland. Besonders bemerkenswert ist dies im Lebensversicherungsbereich: Hier entstammen 57,7 Prozent der Prämieneinnahmen aus dem Ausland – nur 42 Prozent aus dem Großherzogtum. Wichtige Märkte sind Frankreich und Italien, während der belgische schrumpft.

Brexit als Chance

Sechs britische Versicherungen haben bereits Luxemburg als neuen EU-Standort ausgesucht. Weitere fünf Gesellschaften haben bereits zugesagt, sich im Großherzogtum niederzulassen, sagt Claude Wirion. Tausende Arbeitsplätze werden die zwar nicht schaffen, sondern schätzungsweise vierzig. Aber sie werden dem Sektor weiteren Schwung verleihen: Von einer Verdreifachung der Umsatzzahlen im Nichtlebensversicherungsgeschäft ist die Rede. 2017 zählten die Versicherungsgesellschaften in Luxemburg 7 713 Mitarbeiter. Im Jahr 2016 waren es noch 6 613.


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