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Bram Schot wird neuer Audi-Chef
Bram Schot (l) und Rupert Stadler, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Fahrzeugherstellers Audi AG.

Bram Schot wird neuer Audi-Chef

Armin Weigel/dpa
Bram Schot (l) und Rupert Stadler, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Fahrzeugherstellers Audi AG.
Wirtschaft 12.12.2018

Bram Schot wird neuer Audi-Chef

Seit einem halben Jahr war der Chefsessel beim größten Gewinnbringer des VW-Konzerns unbesetzt - Audi wurde nur kommissarisch geführt. Jetzt macht der Autobauer Nägel mit Köpfen.

(dpa) - Ein halbes Jahr nach der Verhaftung von Rupert Stadler hat Audi den Niederländer Bram Schot zum neuen Vorstandschef ernannt. Der Aufsichtsrat der Konzernmutter Volkswagen berief Schot am Mittwoch zugleich in den Konzernvorstand in Wolfsburg. Dort sei er für den Konzernvertrieb zuständig, teilte VW mit. Beide Ämter werde er am 1. Januar antreten.

Der 57-jährige Schot ist derzeit noch Vertriebsvorstand bei Audi und führt den Autobauer in Ingolstadt seit Stadlers Abgang im Juni als Interimschef.
Der 57-jährige Schot ist derzeit noch Vertriebsvorstand bei Audi und führt den Autobauer in Ingolstadt seit Stadlers Abgang im Juni als Interimschef.
Armin Weigel/dpa

„Als kommissarischer Vorstandschef hat Bram Schot in den vergangenen Monaten bereits überzeugende Arbeit geleistet“, sagte VW-Konzernchef Herbert Diess. „Er treibt den Kulturwandel in seiner Mannschaft voran und stellt sich den aktuellen Herausforderungen mit Bravour.“

Eine jahrelange Übergangslösung an der Spitze mit der Doppelbelastung für Schot - der ja weiterhin Vertriebsvorstand war - wäre für Audi untragbar gewesen. Denn das Unternehmen muss jetzt die Weichen für milliardenschwere Investitionen in Zukunftstechnologien stellen und entscheiden, welche Autos in den nächsten fünf Jahren wo gebaut werden. Bei der Zulassung seiner Modelle nach dem neuen Abgasstandard WLTP hinkt Audi hinterher, der Absatz in Europa ist deshalb eingebrochen. Und auch mit den Folgen des Dieselskandals hat das Management noch gut zu tun.

Schot hat bei Audi eine Blitzkarriere gemacht: Erst seit September 2017 gehört er dem Vorstand in Ingolstadt an. Zuvor war er fünf Jahre lang Vertriebschef bei VW-Nutzfahrzeuge. In Rotterdam geboren, hatte der Niederländer in Großbritannien Betriebswirtschaft studiert, bei der ABN-Amro-Bank und dann lange bei Daimler gearbeitet. Als Italien-Chef des Stuttgarter Auto- und Lastwagenherstellers wechselte Schot 2011 zum VW-Konzern.

Er habe großen Rückhalt in der Belegschaft, hieß es in Unternehmenskreisen. Schon im Oktober, als VW und Audi Stadlers Vertrag beendet hatten, sagte Schot dem „Manager-Magazin“: „Ich stünde langfristig als Audi-Chef bereit und hätte darauf auch große Lust.“

Er nimmt bereits seit Juni als Gast auch an den Beratungen des VW-Konzernvorstands teil. Ob er demnächst auch Mitglied wird, ist offen. Stadler war 2007 Audi-Chef geworden und drei Jahre später in den VW-Konzernvorstand aufgerückt. Schot bleibt kommissarisch Vorstand für Vertrieb und Marketing.

Auch der Entwicklungsvorstand, Hans-Joachim Rothenpieler, ist ganz neu im Amt. Er kam am 1. November von VW zu Audi, weil sein Vorgänger Peter Mertens wegen schwerer Krankheit aufhören musste.

Audi beschäftigt in Ingolstadt 44 000, im württembergischen Neckarsulm 17 000 Mitarbeiter.


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(FILES) In this file photo taken on May 18, 2017, Rupert Stadler, CEO of German car producer Audi AG, is seen prior to Audi's annual general meeting in Neckarsulm, southern Germany. - Volkswagen said on October 2, 2018 that it dismissed Stadler immediately effective. Rupert Stadler, CEO of Volkswagen (VW) subsidiary Audi, is in custody on suspicion of fraud and issuing false certificates, and VW-owned Porsche, Mercedes-Benz manufacturer Daimler and components supplier Bosch are in prosecutors' sights. (Photo by Christof STACHE / AFP)
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