Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Boom im Paketversand
Wirtschaft 4 Min. 18.12.2015 Aus unserem online-Archiv
Vorweihnachtszeit

Boom im Paketversand

Die Masse an Waren wie am amerikanischen "Black Friday" wird in Luxemburg nicht erreicht. Aber die Post liefert allein im Dezember 370.000 Pakete aus.
Vorweihnachtszeit

Boom im Paketversand

Die Masse an Waren wie am amerikanischen "Black Friday" wird in Luxemburg nicht erreicht. Aber die Post liefert allein im Dezember 370.000 Pakete aus.
Foto: REUTERS
Wirtschaft 4 Min. 18.12.2015 Aus unserem online-Archiv
Vorweihnachtszeit

Boom im Paketversand

Wer online die Geschenke für seine Lieben kauft, vermeidet den Gang in überfüllte Geschäfte. Doch die Masse der Bestellungen sorgt für Stress bei Lieferdiensten und Händlern. Die Logistik hinter dem Onlineshopping wird im Dezember ist eine wahre Herausforderung.

Von Laurent Schmit

Die Zahlen sind beeindruckend: Im Dezember liefert die Post 100 Prozent mehr Pakete aus als in jedem anderen Monat des Jahres. In absoluten Zahlen werden es für die Post etwa 370.000 Pakete im Dezember sein.

Die Woche vor den Feiertagen steigt die Paketflut nochmals. Um diese zu bewältigen, lieferte die Post letzten Sonntag Pakte aus und wird dies diesen Sonntag auch tun. Bereits letzten Dezember hatte die Post Pakete an zwei Sonntagen zugestellt – immerhin 15 000 Stück.

Angesichts dieser Zahlen wundert es nicht, dass das Weihnachtsgeschäft für die Onlinehändler von großer Bedeutung ist. Mit ihrem Onlineshop „denicheuse.com“ realisiert Valérie Conrot ein Viertel ihres Jahresumsatzes in der Vorweihnachtszeit. Während sie zwischen Januar und Oktober monatlich etwa 30 bis 40 Pakete versendet, waren es in den zwei ersten Dezemberwochen dieses Jahres 75 Sendungen, erzählt sie.

Die Masse der Pakete kommt auch durch die Begeisterung der Luxemburger für das Onlineshopping. Die Zahl der Onlineshopper hat sich schnell entwickelt: Heute kaufen 78 Prozent der Luxemburger online ein. 2011 lag deren Anteil bei 65 Prozent. Die Post verzeichnet etwa einen Zuwachs von 15 Prozent jährlich im Paketversand.

Ein gewisser Wildwuchs

Mehr Pakete bedeutet auch, dass es mehr Fahrer braucht, die sie zustellen. Von Zuwachsraten zwischen 20 und 25 Prozent geht OGBL-Sekretär Romain Daubenfeld aus. „Nach der heißen Phase der Feiertage bauen die Lieferdienste allerdings auch immer wieder Stellen ab“, betont er.

Der Gewerkschafter hört von den Paketboten, dass sie vor den Feiertagen deutlich längere Arbeitstage hätten. „Da herrscht ein gewisser Wildwuchs“, meint Daubenfeld. „Allerdings, so betont er, ist die Situation zwar chaotisch, aber viel besser als etwa in Deutschland.“

Die Fahrer profitieren vom Kollektivvertrag des Transport- und Logistiksektors. Das Problem ist aber, dass die Paketdienste Kleintransporter einsetzen, die anders als Lastwagen keinen Fahrtenschreiber haben. „Das erschwert die Kontrolle“, erklärt Daubenfeld.

Auch wenn die Situation nicht perfekt sei, so würden sich die Lieferdienste um eine „relativ ordentliche Auslegung“ des allgemeinen Rechtsrahmens bemühen, sagt der Gewerkschafter.

Kaskaden von Subunternehmen wie etwa in Deutschland gibt es in Luxemburg nicht. Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass jeder Fahrer einen Vertrag mit dem Lieferdienst hat. Selbständig darf der Fahrer nicht sein, erklärt Romain Daubenfeld.

Der Zeitfaktor

Dass die Paketlieferdienste diese Tage am Limit arbeiten, bemerken auch die Onlinehändler. „Es braucht gerade etwas länger, bis ein Fahrer die versandfertigen Pakete abholt“, erzählt Valérie Conrot. „Wenn es bereits hier am Start Verzögerungen gibt, dann wird es natürlich eng in diesen Tagen“, so Conrot. „Immerhin spielt das Wetter noch mit“, scherzt sie.


Ihre Kunden hätten dieses Jahr allerdings nicht zum letztmöglichen Zeitpunkt gewartet, um ihre Geschenke zu bestellen. „Meinen französischen Kunden kann ich jedoch ab heute nicht mehr garantieren, dass die Lieferung noch vor Weihnachten ankommt“, sagt sie.

Bei der Zustellung der Pakete gebe es in in Luxemburg selten Probleme, sagt Valérie Conrot. „Doch manchmal wenn die Paketboten im Stress sind, dann lassen sie die Pakete beim Kunden, ohne dass dieser den Erhalt per Unterschrift bestätigt. Das ist für mich ein großes Risiko, denn mir fehlt dann der Beweis gegenüber dem Kunden“, betont sie.

Die schwierige „letzte Meile“

Das Wegstück vom Auslieferungslager bis zum Kunden wird in der Logistik als „letzte Meile“ bezeichnet. Diese letzte Etappe ist ein Flaschenhals: Die Pakete und Paletten müssen in urbanen Räumen transportiert und ausgeladen werden. Das ist grundsätzlich schwierig und Luxemburg ist beileibe keine Ausnahme. „Grundsätzlich gilt, dass auf dieser letzten Meile 20 Prozent der Transportkosten und 25 Prozent der CO2-Emissionen entstehen“, erklärt die Logistikexpertin Cindy Guerlain vom Forschungsinstitut LIST. Doch der lokale Einzelhandel ist von diesen Problemen auch betroffen.

70 Prozent der ersten Zustellungsversuche scheitern.

Dazu kommt ein Problem, das wir alle kennen. Man bestellt etwas im Internet und lässt das Paket nach Hause liefern. Im Ungewissen, wann das Paket geliefert wird, ist man oft nicht anwesend, wenn der Paketbote das Päckchen abgeben will. , erklärt Guerlain.

Begeisterung für Onlineshopping

Mit 78 Prozent der Bevölkerung, die online einkauft, liegt Luxemburg laut einer Umfrage der EU-Statistikbehörde Eurostat im europäischen Spitzenfeld: Nur in Großbritannien und Dänemark lag der Anteil mit jeweils 81 und 79 Prozent höher. Der EU-Durchschnitt ist mit 53 Prozent deutlich niedriger.

In Luxemburg spielt das Alter beim Onlineshopping eine geringere Rolle als in anderen Ländern. Hierzulande kaufen 69 Prozent der 65- bis 75-jährigen Internetnutzer online ein. In Belgien sind es zum Beispiel lediglich 39 Prozent.

Immerhin 1.500 Euro im Jahr gibt der Luxemburger im Schnitt im Onlinehandel aus. Laut den Zahlen des Verbandes Ecommerce Europe liegt in Belgien der Durchschnitt gut 300 Euro tiefer, die britischen Onlinekäufer geben dagegen das Doppelte der Luxemburger aus.

Glaubt man den Eurostat-Daten, dann sind die Luxemburger ein besonders belesenes Volk: 54 Prozent der Luxemburger Online-Käufer bestellen im Netz Bücher, Zeitschriften oder Zeitungen – im EU-Durchschnitt sind es lediglich 33 Prozent. Kleider und Sportartikel bestellen 54 Prozent. Mit 37 Prozent sind Haushaltswaren und Spielzeuge weniger beliebt als im EU-Durchschnitt.

Mehr zum Thema:

Amazon satisfait: L'UE ouvre la porte... aux drones

Post se modernise et ferme 35 bureaux: notre carte



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Es ist frustrierend: Viele Klicks, viel Scrollen, und dann klappt der Online-Kauf am Ende doch nicht. Schuld ist oft das sogenannte Geoblocking. Doch damit ist ab dem 3. Dezember Schluss.
Overhead Business Angles woman at office desk with supply