Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Boom bei Luxemburger Lebensmittelzustellern
Wirtschaft 3 Min. 16.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Boom bei Luxemburger Lebensmittelzustellern

Die letzten Tage gab es in den Restaurants wegen der Epidemie immer weniger Gäste - jetzt sind die Restaurants im Land geschlossen.

Boom bei Luxemburger Lebensmittelzustellern

Die letzten Tage gab es in den Restaurants wegen der Epidemie immer weniger Gäste - jetzt sind die Restaurants im Land geschlossen.
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 3 Min. 16.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Boom bei Luxemburger Lebensmittelzustellern

Marco MENG
Marco MENG
Geschlossene Restaurants und Angst vor Menschenmassen in Supermärkten - immer mehr bestellen sich Essen und andere Waren nach Hause - das bringt auch Probleme mit sich.

Die Supermarktkette Cactus hat ihren Lieferdienst für Privatpersonen vor einigen Jahren eingestellt und liefert nur noch an große Abnehmer. Umso mehr haben derzeit andere Liefer- und Abholdienste wie foostix, WeDely, Luxcaddy oder Auchan Drive zu tun. 

Denn in Luxemburg sind die Restaurants alle wegen der Virus-Epidemie geschlossen, Hotels servieren ihren Gästen das Essen nur noch aufs Zimmer, und die Bilder von leergeräumten Regalen in den Geschäften in den letzten Tagen sorgt bei vielen für Angst, dass man bald nicht mehr wichtige Nahrungsmittel kaufen kann; außerdem wollen viele Menschen vermeiden, sich bei Menschenansammlungen wie im Supermarkt anzustecken. 

In den Restaurants ist die Bewirtung eingestellt 

Das Gaststätten- und Hotelleriewesen in Luxemburg zählt 12.000 Beschäftigte. Der Branchenverband Horesca mitteilt, ist es jedem Restaurant freigestellt, ob es die Küche offen lässt und darauf vertraut, dass genügend Kunden vorbeikommen, sich für zu Hause das Essen abzuholen. Oder man kann Nach-Hause-Lieferungen anbieten. Horesca selbst spricht sich dafür aus. 

Für viele Restaurants, die zuletzt auch offensichtlich aufgrund der Virusepidemie zuletzt weniger Gäste zählten, ist das aber keine Option. Nicht jeder Gastronomiebetrieb kann einen solchen Dienst anbieten, denn dazu muss man über entsprechende Fahrzeuge, Verpackungsutensilien, Thermoboxen und auch Personal verfügen. 


Nachtleben eingeschränkt: Einige Clubs und Bars bleiben zu
Einige Clubs aus der Hauptstadt teilten am Freitag mit, dass sie am Wochenende geschlossen sind. Andere wiederum wollen ihre Türen voraussichtlich bis 1 Uhr öffnen.

Existenzbedrohend sind die Zwangsferien der Restaurants zunächst nicht, werden ihnen die Kosten doch zu weiten Teilen kompensiert. Dauert die Krise aber länger, dürfte sie für manches Restaurant existenzgefährdend werden. 

Vervielfachte Bestellungen bei Lieferdiensten 

Dass die Lieferdienste momentan gut zu tun haben, merkt man schnell, wenn man versucht, sie anzurufen. Meist sind die Leitungen besetzt. Erst nach wiederholtem Probieren, ist ein Freizeichen zu hören. 

„Unsere Autos sind seit Tagen permanent unterwegs“, hört man von Luxcaddy. Während die beiden Lieferdienste WeDely und Foostix sich darauf spezialisiert haben, fertige Speisen von Restaurants auszuliefern, stellt Luxcaddy nicht nur Obst und Gemüse, Fisch und andere Nahrungsmittel sowie Tiernahrung, sondern auch Hygieneartikel oder Büroartikel an die Privatadresse zu – im Prinzip. 

Denn aktuell ist das Unternehmen in Kehlen durch die Corona-Krise fast am Limit angelangt. Die Buchungen sind so in die Höhe geschossen, dass man sich momentan nur in der Lage sieht, Menschen über 65 Jahren oder solche mit Einschränkungen zu beliefern. 

„Wir tun unser Bestes!“ stöhnt Jacques Lorang, Ko-Gründer und Chef des Unternehmens. 

Aufgrund einer drastischen Zunahme der Bestellungen kommt es zuweilen zu Bestandsverknappungen, denn auch die Lieferanten kommen kaum nach, damit die Bestände wieder aufgefüllt werden. Obst und leichtverderbliche Ware wird üblicherweise gar nicht eingelagert, sondern direkt vom Bauer, Metzger oder Bäcker zum Kunden gebracht. 

Bestellflut verursacht Verzögerungen 

Auch die Bestellungen bei Auchan Drive schossen in den letzten Tagen in die Höhe. „Wir stellen eine außergewöhnliche Zunahme der Käufe fest, und leider sind einige Produkte tagsüber manchmal nicht mehr erhältlich“, erklärt Sophie Morle, Sprecherin von Auchan Luxembourg. 

„Aber wir sind in der Lage, unsere Lager spätestens für den nächsten Tag wieder aufzufüllen.“ Das führt mitunter dazu, dass bei AuchanDrive-Service derzeit die Bearbeitung der Bestellungen länger dauern als üblich. Beide Unternehmen rufen zu Vernunft und Respekt auf und dazu, auch an die schwächsten Menschen in der Gesellschaft zu denken. 

Nicht jedes Geschäft, auch nicht jeder Supermarkt, bietet Nach-Hause-Lieferungen an. Durch die derzeitige Krise könnte der ein oder andere sich nun aber überlegen, ob er mit Lieferdiensten zusammenarbeitet. Denn ein Multi steht schon in den Startlöchern: Amazon Fresh. 

Der Onlinehändler hat mit seinem Lebensmittel-Zustellservice schon in einigen Ländern außerhalb der USA begonnen. Manche wittern schon die Gefahr, dass Amazon den Lebensmittelmarkt leerfegen könnte und mit seinem eigenen Zustelldienst auf diesem Gebiet zum Monopolisten wird. Die Auswirkungen der Corona-Epidemie auf Restaurants und Lebensmittelhandel wird von Amazon gewiss aufmerksam analysiert.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Corona: Fragen an die Experten
Rund um die Corona-Epidemie gibt es viele Fragen. Am Montag standen Experten aus verschiedenen Ministerien der Presse Rede und Antwort. Hier ein Überblick.
In ganz Luxemburg haben die Geschäfte seit Montag geschlossen, mit Ausnahme von lebenswichtigen Läden und Einrichtungen.
Unbedingt solidarisch
Luxemburg im Ausnahmezustand: Ungewöhnliche Zeiten, die vor allem eins fordern, nämlich Solidarität.
Der Kampf um Gäste wird härter
Wer in Luxemburg sein Geld als Hotelier, Restaurateur oder Cafetier verdienen will, muss sich flexibel zeigen. Davon zeugt das Beispiel Gérard Mathes: Der Restaurantbesitzer hat sich während 45 Jahren an die neuen Gegebenheiten seines Berufes anpassen müssen.
Wirtschaft, Restaurant Mathes, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort