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Boeing zahlt 200 Millionen Euro wegen Täuschung bei Mängeln
Wirtschaft 3 Min. 23.09.2022
737 Max

Boeing zahlt 200 Millionen Euro wegen Täuschung bei Mängeln

Die Boeing 737 Max genießt nicht den besten Ruf.
737 Max

Boeing zahlt 200 Millionen Euro wegen Täuschung bei Mängeln

Die Boeing 737 Max genießt nicht den besten Ruf.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 23.09.2022
737 Max

Boeing zahlt 200 Millionen Euro wegen Täuschung bei Mängeln

Nach zwei tödlichen Flugunfällen und Anschuldigungen der US-Börsenaufsicht wird das Unternehmen nun ein weiteres Mal zur Kasse gebeten.

(AFP) - Boeing wurde von der US-Börsenaufsicht SEC beschuldigt, nach zwei tödlichen Flugunfällen öffentlich mehrere Botschaften herausgegeben zu haben, in denen behauptet wurde, dass die 737 MAX kein Risiko darstelle, und erklärte sich am Donnerstag bereit, 200 Millionen Dollar zu zahlen. Der ehemalige Geschäftsführer Dennis Muilenburg, der zum damaligen Zeitpunkt für diese Mitteilungen verantwortlich war, erklärte sich zudem bereit, eine Million Dollar Strafe zu zahlen. 

Es war vor allem ein Problem mit der Flugsoftware MCAS, das dazu führte, dass eine 737 Max von Lion Air im Oktober 2018 und eine ähnliche Maschine von Ethiopian Airlines im März 2019 ins Trudeln gerieten, ohne dass die Piloten sie wieder aufrichten konnten. Bei den Abstürzen kamen 346 Menschen ums Leben und die 737 Max musste zwanzig Monate lang stillgelegt werden. 

Täuschende Pressemitteilung

Die SEC wirft Boeing insbesondere vor, einen Monat nach dem Lion-Air-Unfall eine von Muilenburg kommentierte und genehmigte Pressemitteilung herausgegeben zu haben, in der nur bestimmte Passagen aus einem Bericht der indonesischen Behörden hervorgehoben wurden, die nahelegten, dass der Pilot und eine schlechte Wartung schuld waren. 

Das Dokument erwähnte auch nicht eine interne Bewertung, in der festgestellt wurde, dass das MCAS tatsächlich ein „Flugsicherheitsproblem“ darstelle und dass Boeing bereits mit der Arbeit an Änderungen begonnen habe, um dieses Problem zu beheben. Boeing und Muilenburg „versicherten der Öffentlichkeit dennoch, dass die 737 Maxso sicher sei wie jedes Flugzeug, das jemals am Himmel geflogen ist“, merkte die SEC in einer Erklärung an. 

Probleme mit Software vertuscht

Sechs Wochen nach dem Absturz des Flugzeugs der Ethiopian Airlines behauptete Muilenburg gegenüber Analysten und Journalisten, dass es „keine Ausrutscher oder Lücken im MCAS-Zertifizierungsprozess“ gegeben habe. Später zeigten Dokumente, dass Boeing zu diesem Zeitpunkt bereits Kenntnis von gegenteiligen Informationen hatte, so die Agentur. 


(FILES) In this file photo taken on November 10, 2020 Boeing 737 MAX airliners with American Airlines markings are pictured on the ramp at Renton Airport adjacent to the Boeing Renton Factory in Renton, Washington. - US prosecutors hit Boeing with a $2.5 billion fine to settle charges the company defrauded regulators over the 737 MAX, the Justice Department announced January 7, 2021. (Photo by Jason Redmond / AFP)
Milliardenstrafe wegen 737-Max-Debakels
Boeing wurde wegen des Vorwurfs eines betrügerischen Komplotts zur Irreführung der US-Behörden eine hohe Strafe aufgebrummt.

Boeing hatte bereits im Januar 2021 zugegeben, dass zwei seiner Mitarbeiter eine Gruppe der US-Luftfahrtbehörde, die mit der Vorbereitung der Pilotenausbildung für die MCAS-Software beauftragt war, in die Irre geführt hatten. Der Luftfahrt-Riese hatte sich daraufhin bereit erklärt, mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar zu zahlen, um bestimmte Klagen zu begleichen - darunter eine strafrechtliche Geldstrafe von 243,6 Millionen, 1,77 Milliarden als Entschädigung für Fluggesellschaften, die die 737 Max bestellt hatten, und 500 Millionen für einen Fonds, der die Angehörigen der Opfer entschädigen soll. 

Anleger in die Irre geführt

Die SEC war der Ansicht, dass Boeing und der CEO gegen die Börsengesetze verstoßen hätten, indem sie die Anleger in die Irre führten. Obwohl sie sich bereit erklärten, eine Strafe zu zahlen, würden sowohl der Konzern als auch der Ex-Manager die Schlussfolgerungen der Behörde weder anerkennen noch dementieren, heißt es in der Erklärung. 

„In Zeiten von Krisen und Tragödien ist es besonders wichtig, dass börsennotierte Unternehmen und ihre Führungskräfte den Märkten vollständige, faire und wahrheitsgemäße Informationen liefern. Das Unternehmen Boeing und sein ehemaliger Chef Dennis Muilenburg sind dieser elementarsten Pflicht nicht nachgekommen“, kommentierte der Vorsitzende der SEC, Gary Gensler, in der Erklärung. 

Weitere Ermittlungen gefordert

Die Einigung mit der SEC „ist Teil der umfassenderen Bemühungen des Unternehmens, die offenen Rechtsfragen im Kontext der Unfälle der 737 Max verantwortungsvoll in einer Weise zu lösen, die den Interessen unserer Aktionäre, Mitarbeiter und anderer Interessengruppen am besten dient“, reagierte ein Sprecher von Boeing. Der Konzern habe seit 2019 „große und tiefgreifende Veränderungen vorgenommen“, um „die Sicherheitsprozesse und die Überwachung von Sicherheitsfragen zu verfestigen“, fügte er hinzu. 

Robert Clifford, ein Anwalt der Familien von Opfern des Absturzes der Ethiopian Airlines, forderte weitere Ermittlungen gegen „Muilenburg oder jede andere Person, die die Regierung überredet hat, Boeings 737 Max fliegen zu lassen“, und sprach von „potenziell kriminellem Verhalten“.

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