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Boeing räumt weiteres Softwareproblem ein
Wirtschaft 05.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Boeing räumt weiteres Softwareproblem ein

Testpiloten beim Ausprobieren der upgedateten Software-Version von MCAS.

Boeing räumt weiteres Softwareproblem ein

Testpiloten beim Ausprobieren der upgedateten Software-Version von MCAS.
AFP
Wirtschaft 05.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Boeing räumt weiteres Softwareproblem ein

Nach zwei Abstürzen von Boeings Flugzeugtyp 737 Max 8 in weniger als einem halben Jahr hat der US-Hersteller Probleme mit einer weiteren Software eingeräumt. Diese seien bei der Überarbeitung des umstrittenen Steuerungsprogramms MCAS festgestellt worden, stünden aber nicht in direktem Zusammenhang damit, teilte Boeing in der Nacht auf Freitag mit.

(dpa) -  Zuvor hatte die „Washington Post“ berichtet, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA das neue Problem beanstandet habe. Solange es nicht gelöst sei, werde das Startverbot für Boeings Unglücksflieger der 737-Max-Serie nicht aufgehoben.


A photo shows debris of the crashed airplane of Ethiopia Airlines, near Bishoftu, a town some 60 kilometres southeast of Addis Ababa, Ethiopia, on March 11, 2019. - Airlines in Ethiopia, China and Indonesia grounded Boeing 737 MAX 8 jets Monday as investigators recovered the black boxes from a brand-new passenger jet that crashed outside Addis Ababa a day earlier, killing all 157 people on board. (Photo by Michael TEWELDE / AFP)
„Safety first“: Schlimmer Verdacht nach Boeing-Absturz
Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien mit 157 Toten hat die Suche nach der Unglücksursache eingesetzt. Ein schlimmer Verdacht drängt sich auf. Denn vor wenigen Monaten gab es bereits einen Unfall mit der relativ neuen Boeing-Reihe.

Die Zeitung schrieb unter Berufung auf zwei mit der FAA-Untersuchung vertraute Quellen, dass das Problem als entscheidend für die Flugsicherheit eingestuft werde. Boeing bezeichnete es indes als „relativ geringfügige Angelegenheit“, die zusammen mit dem MCAS-Update adressiert werde. „Wir haben bereits eine Lösung dafür in Arbeit“, hieß es in der Stellungnahme des Konzerns. In den „kommenden Wochen“ werde das Update soweit sein, dass es der FAA zur Zertifizierung vorgelegt werden könnte. Boeing verfolge einen „umfassenden, disziplinierten Ansatz, um es richtig zu machen“.

Derzeit stehen weltweit alle Boeing 737 Max 8 am Boden. Hier eine Aufnahme von Southwest-Fliegern in Kalifornien.
Derzeit stehen weltweit alle Boeing 737 Max 8 am Boden. Hier eine Aufnahme von Southwest-Fliegern in Kalifornien.
AFP

Vorstandschef Dennis Muilenburg hatte kurz zuvor so deutlich wie noch nie Probleme mit der Steuerungssoftware MCAS eingeräumt. Es scheine nach dem vorläufigen Ermittlungsbericht zum Absturz in Äthiopien, als ob das Programm durch falsche Sensordaten unnötigerweise eingeschaltet worden sei, teilte Muilenburg am Donnerstag mit. Damit wird die Theorie, dass ein Softwarefehler die Maschine Richtung Boden lenkte, von oberster Konzernstelle gestützt.

Das dringend erwartete MCAS-Update werde sicherstellen, dass Unfälle wie in Äthiopien und Indonesien „nie wieder passieren“, versicherte Boeing-Chef Muilenburg. Bislang hatte der Flugzeughersteller stets bestritten, dass die MCAS-Software ein Sicherheitsrisiko darstellt. Kurz vor Muilenburgs Stellungnahme hatte der Konzern aber bereits versprochen, dass Piloten künftig immer die Möglichkeit haben werden, die Automatik auszuschalten und zur manuellen Kontrolle zu wechseln.

Das eigens für die spritsparende Max-Neuauflage von Boeings 737-Serie entwickelte MCAS-Programm soll eigentlich dafür sorgen, in bestimmten Flugsituationen - wie bei einem zu steilen Aufstieg des Jets - automatisch den Flugwinkel zu korrigieren. Doch die bisherigen Unfallberichte deuten darauf hin, dass das System bei den Abstürzen durch falsche Sensordaten fälschlicherweise aktiviert wurde - mit fatalen Folgen.


VICTORVILLE, CA - MARCH 27: Workers stand beneath Southwest Airlines Boeing 737 MAX aircraft parked at Southern California Logistics Airport on March 27, 2019 in Victorville, California. Southwest Airlines is waiting out a global grounding of MAX 8 and MAX 9 aircraft at the airport.   Mario Tama/Getty Images/AFP
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Problemsoftware war bei Boeing-Absturz eingeschaltet
Hinweise verdichten sich, dass Software bei Unglücken zweier 737 MAX-Flugzeuge eine Rolle gespielt hat.

Beim Crash der Lion-Air-Maschine in Indonesien Ende Oktober soll der Bordcomputer die Nase der Boeing 737 Max 8 wegen der MCAS-Fehlfunktion automatisch immer wieder nach unten gedrückt haben, während die Crew gegenzusteuern versuchte. Ein ähnliches Szenario gilt inzwischen auch beim Ethiopian-Airlines-Absturz am 10. März als wahrscheinlich. Insgesamt starben bei den Unglücken 346 Menschen.


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In ganz Europa sind Starts und Landungen von Maschinen der Bauart 737 Max 8 vorerst verboten. Auch Luxemburg reagiert, selbst wenn die Flugzeuge auf Findel nur selten zu sehen sind.
(FILES) In this file photo taken on July 16, 2018 Visitors watch as a Boeing 737 Max lands after an air display during the Farnborough Airshow, south west of London. - Britain's aviation regulator on March 12, 2019, banned Boeing 737 MAX aircraft from the country's airspace following a deadly plane crash in Ethiopia, mirroring a decision taken by other nations. The UK Civil Aviation Authority said in a statement headlined "Boeing 737 MAX Aircraft" that "as a precautionary measure" it had decided "to stop any commercial passenger flights from any operator arriving, departing or overflying UK airspace". (Photo by BEN STANSALL / AFP)