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„Black Friday“: das große Wegwerfen?
Wirtschaft 5 Min. 28.11.2019

„Black Friday“: das große Wegwerfen?

Verlockende Angebote, satte Rabatte, gute Deals – am Freitag ist wieder der sogenannte „Black Friday“.

„Black Friday“: das große Wegwerfen?

Verlockende Angebote, satte Rabatte, gute Deals – am Freitag ist wieder der sogenannte „Black Friday“.
Foto: AFP
Wirtschaft 5 Min. 28.11.2019

„Black Friday“: das große Wegwerfen?

Zum „Black Friday“ hofft der Handel weltweit wieder auf viel Umsatz – auch in Luxemburg, wie Vertreter der Confédération luxembourgeoise de commerce (CLC) und der Union commerciale de la Ville de Luxembourg (UCVL) bestätigen. Andere rufen dagegen den „Kauf-nix-Tag“ aus. Das Europäische Verbraucherzentrum in Luxemburg gibt indessen Tipps für den sicheren Einkauf im Netz.

(dpa) - Dieses Kleid! Und die Stiefel erst! Und dennoch: Wenn Anna Schunck einen Schaufensterbummel macht, belässt sie es oft beim Gucken. Früher sei das anders gewesen, sagt die 38-Jährige. Da sei sie sogar in Mittagspausen losgegangen, um ein Outfit für den Abend zu kaufen. „Den Wandel ausgemacht hat, glaube ich, ein Zu-Viel-Gefühl.“ Inzwischen bloggt Schunck über Nachhaltigkeit und hält wegen des Klimawandels „Verzicht für alle“ für geboten. Selbstkasteiung sei dabei nicht der Weg. Sie kaufe auch ab und an etwas, möglichst gebraucht, sagt sie vor dem sogenannten Kauf-nix-Tag am 30. November.


Solden, Soldes, Einkaufen, Konsum, Winterschlussverkauf, %, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
„Wantersolden“: Niedrige Preise locken die Kunden an
Der Winterschlussverkauf zieht wie jedes Jahr viele Kunden in die Geschäfte. Bei der Schnäppchenjagd ist allerdings Vorsicht angesagt: Nicht jeder laut angepriesene Rabatt ist auch ein echtes Sonderangebot.

Die Idee des symbolischen Konsumverzichts kam von einem kanadischen Künstler. Teils wird der Tag schon am 29. November begangen – parallel zum „Black Friday“, dem Start ins Vorweihnachtsgeschäft mit satten Rabatten.

Braucht es den Aufruf zum bewussteren Konsum noch? In der Umfrage „Wissenschaftsbarometer 2019“ stimmten 81 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Konsumeinschränkungen aller für den Erhalt der Umwelt nötig seien. Eine Berliner Bio-Supermarktkette warb mit dem Slogan „Kauf weniger“. Und in sozialen Medien zeigen viele Menschen einen konsumkritischen oder gar minimalistischen Lebensstil.

„Jenseits des Massenkonsums“

„Wir sind irgendwo in einer Gesellschaft angekommen, die schon jenseits des Massenkonsums ist“, sagte der Soziologe Heiko Schrader von der Universität Halle dem MDR. Die Leute hinterfragten, zumindest in bestimmten Schichten, „ob weiterer Konsum glücklich macht und dann eben, ob nachhaltige Produkte gehen“. Eine Umfrage im Hinblick auf Weihnachten zeigte aber auch, dass bei den Geschenken keine Einschnitte zu erwarten sind: Die Verbraucher beabsichtigen, fast genauso viel auszugeben wie im Rekordjahr 2018: im Schnitt 281 Euro (Vorjahr: 282 Euro).


Schnäppchenjagd mit Stil: Die Luxusboutiquen der Rue Philippe II kommen ganz ohne Werbung für ihre reduzierte Ware aus.
Shopping: Luxusversion der „Wantersolden“
Das inoffizielle Zentrum der exklusiven Designer hat sich in der Rue Philippe II gebildet. Obwohl kaum sichtbar, schrumpfen auch hier die Preise.

Doch Konsumlust statt Konsumverzicht also? Ingo Balderjahn, der an der Universität Potsdam über ethischen Konsum forscht, sagt, es gebe durchaus eine zunehmende Tendenz bei der Anzahl der freiwillig genügsamen Konsumenten – Menschen also, die trotz hohen Einkommens relativ wenig konsumieren. Etwa 15 Prozent der Deutschen zählten zu dieser Gruppe.

Es gebe aber auch das entgegengesetzte Extrem: Menschen mit deutlich überdurchschnittlichem Konsum. Dieser sei oft stark vom Streben nach sozialer Anerkennung geprägt: Autos, hochwertige Elektronikartikel, generell „Produkte zum Angeben und Prahlen“ würden angeschafft. Oft stehe hinter Käufen das Streben, etwas angeblich ganz Besonderes zu einem unglaublich günstigen Preis bekommen zu haben, sagt Balderjahn. „Für Schnäppchenjäger zählt häufig nicht der Besitz eines Produkts, sondern der Kaufakt an sich.“ Anreize dafür weiß längst nicht nur der stationäre Handel zu setzen: In einer beliebten, stark auf Bilder setzenden Shopping-App etwa wird so gut wie jeder Artikel als stark reduziert angepriesen: minus 81, 86 oder gar 91 Prozent, abzüglich weiterer zehn Prozent mit Rabattcode.

Sinnlose Billigprodukte

„Das sind impulsive Entscheidungen in der aktuellen Reizsituation“, erklärt Balderjahn dazu, warum Menschen bei solchen Angeboten zuschlagen. Teils bietet die Shopping-App Dinge, von denen man nicht ahnte, dass sie existieren: neonfarbene Beleuchtung für die Toilettenschüssel oder eine Maschine für Omelette-Röllchen etwa. Angesichts geringer Kosten nähmen die Käufer das Risiko in Kauf, dass die Billigware direkt im Müll landet. Ressourceneinsatz, Aufwand für Herstellung und Transport sowie Kohlendioxidausstoß – am Ende für die Tonne.


Die Geschäfte locken mit großen Rabatten.
Shopping: Alljährliche Schnäppchenjagd
Der Winterschlussverkauf ist immer noch ein wichtiger Termin für städtische Geschäftsleute

Das große Wegwerfen betrifft aber längst nicht mehr nur die Flut immer neuer sinnloser Billigprodukte. Selbst Dinge, die anders als etwa Kugelschreiber nicht von Beginn an als Wegwerfware konzipiert sind, seien heute eher kurzlebig, erläutert Wolfgang König in seinem Buch „Geschichte der Wegwerfgesellschaft“. Die Lebensdauer eines einfachen Herrenschuhs etwa werde inzwischen auf ein Jahr geschätzt, die eines Damenschuhs sei noch kürzer. Und das bei 300 Millionen Paar verkauften Schuhen in Deutschland pro Jahr.

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Satte Rabatte in Luxemburg

(mbb) - Auch in Luxemburg findet am Freitag der „Black Friday“ statt: Sowohl in den Geschäften wie auch im Internet sind günstige Angebote zu erwarten. „Diese aus den USA stammende Tradition hat sich inzwischen fest bei uns verankert“, erklärt die Direktorin der Union commerciale de la ville de Luxembourg (UCVL) Anne Darin-Jaulin.

Wie in den vergangenen Jahren hoffen die Geschäfte hierzulande auf mehr Umsatz; genaue Angaben darüber, inwiefern sich das einmal pro Jahr stattfindende Event auf den Umsatz niederschlägt, gibt es allerdings nicht, wie der stellvertretende Direktor der Confédération luxembourgeoise du commerce (CLC) Claude Bizjak betont. Dennoch ist allgemein zu beobachten, dass die Umsatzsteigerung besonders hoch im Internet ist. „Das Einkaufen im Internet ist immer beliebter; das zeigt sich ganz besonders am ,Black Friday‘“.

Die Mehrzahl der Händler in Luxemburg machen mit – „schließlich profitieren alle von diesem ,passiven‘ Marketing“, so Bizjak. Auch ist das Shopping-Event nicht mehr nur auf den Einzelhandel beschränkt – „immer mehr Unternehmen im Dienstleistungsbereich werben mit günstigen Angeboten zum ,Black Friday‘“, sagt die UCVL.

Aus dieser eigentlich eintägigen Veranstaltung ist für einige Händler inzwischen auch das „Black Week-end“ oder gar die „Black Week“ geworden, wie Darin-Jaulin betont. „Für manche Händler ist das Event wichtiger als die Schlussverkäufe!“ Deshalb haben auch einige Geschäfte in der Hauptstadt verlängerte Öffnungszeiten angefragt; die komplette Liste ist auf der Website www.cityshopping.lu zu finden.



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