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"Bild"-Chefredakteur gefeuert
Wirtschaft 2 Min. 18.10.2021
Julian Reichelt

"Bild"-Chefredakteur gefeuert

Reichelt arbeitete seit 2002 für den Medienkonzern.
Julian Reichelt

"Bild"-Chefredakteur gefeuert

Reichelt arbeitete seit 2002 für den Medienkonzern.
Foto: DPA
Wirtschaft 2 Min. 18.10.2021
Julian Reichelt

"Bild"-Chefredakteur gefeuert

Im Frühjahr kamen Vorwürfe zu Machtmissbrauch auf. Er bekam eine zweite Chance. Jetzt gibt es neue Medienberichte, und einen Schlussstrich.

(dpa) - Der Medienkonzern Axel Springer hat mit sofortiger Wirkung „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt von seinen Aufgaben entbunden. Das teilte das Unternehmen am Montag in Berlin mit. Neuer Vorsitzender der „Bild“-Chefredaktion wird Johannes Boie. Der 37-Jährige ist derzeit Chefredakteur der zu Springer gehörenden Zeitung „Welt am Sonntag“. Reichelt verlässt den Medienkonzern und damit auch Deutschlands größte und auflagenstärkste Boulevardzeitung.

Springer begründet das Ende der Zusammenarbeit mit dem 41-Jährigen an der Spitze so: „Als Folge von Presserecherchen hatte das Unternehmen in den letzten Tagen neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten von Julian Reichelt gewonnen. Diesen Informationen ist das Unternehmen nachgegangen. Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat.“

Johannes Boie übernimmt den Posten des Chefredakteurs.
Johannes Boie übernimmt den Posten des Chefredakteurs.
Susanne Schmidt/Axel Springer/dp

Im Frühjahr hatte der Konzern das interne Verfahren angestoßen. Nach Springer-Angaben standen im Kern der Untersuchung die Vorwürfe des Machtmissbrauchs im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz. Der Konzern prüfte Vorwürfe und kam zu dem Ergebnis, dass Reichelt seinen Posten behalten sollte. Es war eine zweite Chance. Nach einer befristeten Freistellung kehrte er in den Job zurück.

Am Montag wurde dann das abrupte Ende bekannt gemacht. Das Ganze kam durch einen Bericht der „New York Times“ ins Rollen: Die US-Zeitung berichtete am Sonntag in einem langen Artikel über den Medienkonzern Axel Springer auch mit Blick auf die Pläne zur Übernahme der US-Mediengruppe Politico.


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Springer will in seinen digitalen Geschäften stärker wachsen und entschied sich mit dem Polit-Newsletter Politico für die nach eigenen Angaben größte Unternehmensübernahme der Firmengeschichte. Dem Deal müssen noch Behörden zustimmen. Springer sieht in den USA einen Wachstumsmarkt.

Die US-Zeitung ging in dem Artikel auch auf die im Frühjahr bekannt gewordenen Vorwürfe gegen Reichelt ein und brachte Recherchen ins Spiel, die das Investigativ-Team der Mediengruppe Ippen („Frankfurter Rundschau“, „Münchner Merkur“, „TZ“) in den vergangenen Monaten vorangetrieben hatte. Diese Recherchen sind bislang nicht veröffentlicht worden. Darüber berichtete auch das Medienmagazin „Übermedien“.

Seit 2002 für Springer gearbeitet

Reichelt arbeitete seit 2002 für den Medienkonzern. Der Journalist war Vorsitzender der „Bild“-Chefredaktionen und trug die übergeordnete redaktionelle Verantwortung der Bild-Marke mit Deutschlands größter Boulevard-Tageszeitung mit einer Auflage von rund 1,2 Millionen Exemplaren (mit Berliner Boulevardzeitung „B.Z“). Der 41-Jährige war zudem Sprecher der Geschäftsführung für die Bild-Marke. Vor allem mit seiner Arbeit als Reporter in Kriegsgebieten wurde Reichelt vielen bekannt.

Springer-Chef Mathias Döpfner sagte am Montag: „Julian Reichelt hat ‚Bild‘ journalistisch hervorragend entwickelt und mit BILD LIVE die Marke zukunftsfähig gemacht. Wir hätten den mit der Redaktion und dem Verlag eingeschlagenen Weg der kulturellen Erneuerung bei BILD gemeinsam mit Julian Reichelt gerne fortgesetzt. Dies ist nun nicht mehr möglich.“

In den vergangenen Monaten stemmte Springer ein Mammut-Projekt: Seine immer noch auflagenstärkste Zeitung „Bild“ bekam auch einen gleichnamigen TV-Sender. Das frei empfangbare TV-Programm startete im August. Springer will Millionen in den Ausbau seines Videoangebots investieren. Im TV wird in Deutschland nach wie vor viel Geld mit Werbung verdient.    

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