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Bier und Wein werden teurer: Horesca: TVA-Erhöhung sorgt für Kneipensterben
Wirtschaft 2 Min. 17.12.2014 Aus unserem online-Archiv

Bier und Wein werden teurer: Horesca: TVA-Erhöhung sorgt für Kneipensterben

Die Mehrwertsteuer auf Bier und Wein steigt in Gaststätten ab 1. Januar 2015 von drei auf 17 Prozent.

Bier und Wein werden teurer: Horesca: TVA-Erhöhung sorgt für Kneipensterben

Die Mehrwertsteuer auf Bier und Wein steigt in Gaststätten ab 1. Januar 2015 von drei auf 17 Prozent.
Serge Waldbillig
Wirtschaft 2 Min. 17.12.2014 Aus unserem online-Archiv

Bier und Wein werden teurer: Horesca: TVA-Erhöhung sorgt für Kneipensterben

Nach dem Rauchverbot trifft die Erhöhung der Mehrwertsteuer die Gaststätten- und Hotelbranche. Sie rechnet damit, dass hunderte Jobs in der Branche wegfallen könnten.

Von Jean-Philippe Schmit

Nach dem Rauchverbot trifft die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes die Gaststätten- und Hotelbranche. Derzeit fallen Bier und Wein unter den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 3 Prozent. Ab dem 1. Januar 2015 wird der normale Steuersatz von 17 Prozent angewendet. Diese Erhöhung um 500 Prozent löst erneut Unruhe in der Branche aus.

Der Branchenverband Horesca hat am Mittwoch vorgerechnet, dass sich durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer im kommenden Jahr der Preis eines Bieres um 30 und der eines Glas Weins sich um 40 Cent erhöhen werden. Die Organisation geht davon aus, dass Verbraucher künftig weniger alkoholische Getränke bestellen, da ihr Budget begrenzt ist.

Weil auf eine Flasche Wein aus einem Supermarkt 14 Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden, wird sich der Preis für eine Flasche Wein in einem Restaurant im Vergleich verteuern. Dies führt laut Horesca dazu, dass der Verbraucher seine Gewohnheiten ändern und der Bier- und Weinkonsum in Cafés und Restaurants sinken wird.

Gaststätten geben Erhöhung nicht zu 100 Prozent weiter

Um die befürchteten Umsatzeinbußen gering zu halten, kann diese Erhöhung nur zu zwei Dritteln auf den Endverbraucher übertragen werden. Die Betreiber von Lokalen werden im kommenden Jahr mit erhöhten Ausgaben und geringerem Umsatz rechnen müssen. François Koepp, Generalsekretär des Horesca-Verbandes, schätzt die Einbußen beim Jahresergebnis der Cafés und Restaurant auf 20 bis 40 Prozent. Für kleine Betriebe, die aktuell noch kostendeckend arbeiten, kann diese Erhöhung nach seinen Angaben das Aus bedeuten. 400 Betriebe, vor allem Dorfkneipen, seien akut von einer Schließung bedroht.

Da Gaststätten einen hohen Personalbedarf haben und auch geringqualifizierte Arbeitnehmer einstellen, wird die TVA-Erhöhung Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Die 2.600 Betriebe in Luxemburg beschäftigen aktuell 20.000 Personen und schufen im vergangenen Jahr 1.200 neue Arbeitsstellen.

1.000 Arbeitsplätze bedroht

Durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer werden laut Horesca nicht nur weniger neue Jobs erzeugt, sondern 1.000 bestehende Arbeitsplätze bedroht. Um der Teuerungswelle entgegen zu wirken, würden die Gaststättenbetreiber dann nicht nur beim Personal sparen, sondern auch bei den Produkten. Betreiber, die den Preis von einem Glas Wein bei 5 Euro belassen wollen, würden im Einkauf die Lieferanten wechseln. Regionale Produkte könnten weniger nachgefragt werden.

Die Mehrwertsteuer ist laut Nico Hoffmann von der Verbrauchervereinigung ULC die ungerechteste Steuer, weil sie vor allem Klein- und Mittelverdiener trifft. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten müsse zusätzliche Kaufkraft geschaffen werden, um die Binnennachfrage zu stärken.

Regierung hofft auf zusätzliche 35 Millionen Euro

Die Regierung erhofft sich durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf alkoholische Getränke in Cafés und Restaurants Mehreinnahmen von 35 Millionen Euro. Diese Summe könnten die Endverbraucher nicht in anderen Bereichen ausgeben, meint Hoffmann. Somit treffe die Erhöhung die gesamte Wirtschaft.

Die Horesca, Winzer, Brauer und der Konsumentenschutz seien bereit, ihren Teil bei den geplanten Steuererhöhungen beizutragen, hieß es am Mittwoch. Doch sei eine schlagartige Erhöhung von 500% zu viel. Vorschläge, die Erhöhung zu staffeln oder vorerst nur für hochprozentige Getränke einzuführen, seien bei den Verantwortlichen jedoch auf wenig Interesse gestoßen.


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