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Best of 2015: Digitalisiertes Zeitalter: Wird meine Bank verschwinden?
Wirtschaft 5 Min. 24.12.2015

Best of 2015: Digitalisiertes Zeitalter: Wird meine Bank verschwinden?

Immer mehr Kunden wollen ihren Kontostand egal wo, egal wann, per Smartphone-App abrufen.

Best of 2015: Digitalisiertes Zeitalter: Wird meine Bank verschwinden?

Immer mehr Kunden wollen ihren Kontostand egal wo, egal wann, per Smartphone-App abrufen.
(Foto:Guy Jallay)
Wirtschaft 5 Min. 24.12.2015

Best of 2015: Digitalisiertes Zeitalter: Wird meine Bank verschwinden?

Ob Online-Banking oder Bezahlen per App: Die Digitalisierung macht vor der Bankenwelt nicht halt. In einer Themenserie hat sich das LW mit den Herausforderungen und Chancen dieses Wandels beschäftigt.

Von Laurence Bervard

Bill Gates sagte es bereits in den 1990er-Jahren: „Wir brauchen die Bankenaktivität, aber wir brauchen keine Banken mehr.“ Mit der Entstehung der ersten Internet-Banken ohne physische Filialen malten dann immer mehr Kritiker um die Jahrhundertwende den Teufel an die Wand. Würden die Banken, so wie wir sie kennen, verschwinden? Nein, so die Antwort der Banken, die sich der Modernisierung nicht verschlossen haben und anfingen, die neuen Bedürfnisse ihrer Kunden beispielsweise durch Web-Banking-Möglichkeiten zu berücksichtigen. Doch nun merken sie: Das reicht nicht.

Die Banken haben keine andere Wahl, als sich zu digitalisieren

Immer wieder wird von einem weiteren Damokles-Schwert gewarnt, das über den traditionellen Finanzakteuren hängt: Was ist, wenn große Internetkonzerne wie Facebook oder Google das Geschäft mit dem Geld aufrollen? Die Plattformen sind schnell und einfach zu bedienen und erfüllen somit die Erwartungen der Kunden. Zudem könnten diese Firmen ihre Finanzdienstleistungen sehr gezielt an die Lust und Laune ihrer Kunden anpassen. Schließlich kennen sie diese genau – Informationen zum Privatleben der Kunden werden bereits seit Jahren gesammelt.

 „Die zunehmende Nutzung des Internets für Einkäufe jeder Art macht auch vor den Banken nicht halt“, erklärt Guy Hoffmann, Vorstandspräsident der Banque Raiffeisen.
„Die zunehmende Nutzung des Internets für Einkäufe jeder Art macht auch vor den Banken nicht halt“, erklärt Guy Hoffmann, Vorstandspräsident der Banque Raiffeisen.
Foto: Guy Jallay

Welche Herausforderungen auf die Banken zukommen, weiß die Citigroup, die ihr Bankengeschäft in über 160 Länder der Welt ausgedehnt hat und dort über 200 Millionen Konten zählt. Erst vor kurzem erklärte ihr weltweiter „Head of digital Strategy“, Greg Baxter, auf einem Seminar für Journalisten: „Alle Banken müssen ihr Kerngeschäft digitalisieren.“ Für ihn ist somit klar: Die Banken haben gar keine andere Wahl, als sich zu modernisieren und umzudenken.

„Die Einnahmequellen im Finanzbereich migrieren bereits von den traditionellen Akteuren zu jenen mit digitalisierten Businessmodellen“, so Baxter. Und er warnt: Auch wenn ihr Marktanteil heute noch gering ist, wird er sehr schnell wachsen. „Im Bankensektor wird zurzeit nur ein Prozent der Finanzdienstleistungen von digitalen Akteuren ersetzt. Bis 2020 – in nur fünf Jahren also – sollen sie allerdings bereits 14 Prozent Marktanteil haben“, so Baxter.

„Wir sehen die FinTech nicht als Bedrohung, sondern als Partner“, so Pierre-Olivier Rotheval, Head of Digital Marketing & Innovation bei der BIL
„Wir sehen die FinTech nicht als Bedrohung, sondern als Partner“, so Pierre-Olivier Rotheval, Head of Digital Marketing & Innovation bei der BIL
Foto:Guy Jallay

Schaffen die Banken den Umschwung, so sieht der digitale Experte der Citi dies als erhebliche Chance. Zwar bedeutet dies hohe Investitionen, bietet aber den Vorteil einer langfristigen Kostensenkung. Laut Baxter soll es möglich sein – durch neue Produkte im digitalisierten Vertrieb und die Nutzung von Daten für Cross-selling –, die Einnahmen um zehn Prozent zu steigern. Die Automatisierung der Prozesse soll die operationellen Kosten zudem um 30 Prozent senken. Noch wichtiger: Verpassen Banken es, rechtzeitig auf den Zug aufzuspringen, so müssen sie als sogenannte „digitale Nachzügler“ mehr Konkurrenz, höhere operationellen Kosten und niedrigere Margen hinnehmen.

So reagieren Luxemburgs Banken

Auch in Luxemburg ist man sich der neuen Herausforderungen bewusst. „Die zunehmende Nutzung des Internets für Einkäufe jeder Art macht auch vor den Banken nicht halt“, erklärt Guy Hoffmann, Vorstandspräsident der Banque Raiffeisen. Bankfilialen in Luxemburg sind heutzutage mit iPads und Touch-Screen-Tablets ausgestattet, Kunden werden am Bankschalter aufgefordert, nach ihrer Geldüberweisung elektronisch zu unterschreiben. Die Nutzung des Webbankings beträgt je nach Bank und Altersklasse über 90 Prozent. Doch ob die Kunden dem trauen?

Wir sehen die FinTech nicht als Bedrohung, sondern als Partner.

Den Weg, Filialen zu schließen, um so Kosten einzusparen und die Kunden auf das Webbanking zu verweisen, wie dies beispielsweise vor einem Monat die Société générale in Frankreich angekündigt hat, wollen die luxemburgischen Banken bis dato nicht einschlagen. Die BGL BNP Paribas verrät ihrerseits, dass sie zunehmend Filialen ohne Bankschalter eröffnen und dort die Akzente auf die Kundenberatung und die Kreditvergabe setzen will.

Es stellt sich die Frage: Kann das traditionelle Bankengeschäft langfristig überleben? „Es hängt davon ab, was man unter dem traditionellen Bankengeschäft versteht“, so Kik Schneider, Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsbereichs Retail & Corporate Banking der BGL BNP Paribas. „Versteht man unter dem traditionellen Bankengeschäft das rein transaktionelle Geschäft in den Zweigstellen, so muss man wissen, dass dieses dabei ist, sich komplett zu verändern. Das merkt man am Handling, das am Bankschalter abgewickelt wird. Das Leben in den Zweigstellen wird ein anderes werden. Versteht man aber unter dem traditionellen Bankengeschäft die Kreditvergabe und die Kundenberatung, sei es für Investitionen oder Vermögensverwaltung, so wird dies bleiben, wenn auch in innovativer Form.“

Welche Veränderungen wird es für den Kunden geben?

Den Banken liegt es am Herzen, eine bessere Kundenerfahrung anzubieten. Die Finanzkrise, das Niedrigzinsumfeld und strenge Regulierungen drücken allerdings die Margen des traditionellen Bankengeschäfts. Demnach wollen die Banken im Idealfall jene Bereiche digitalisieren, die die Kundenerwartungen erfüllen und zugleich auch der Bank erhebliches Einsparpotenzial bieten. Ein Beispiel ist hier die Nutzung des Bargeldes. „Cash ist teuer. Alles was dazu führt, Cash zu reduzieren, ist ein Schritt in die richtige Richtung“, so Claude Hirtzig, Chef der Privatkundenbank der BCEE. Einige Banken wagen es bereits, von einer quasi cashlosen Gesellschaft zu träumen, in der jeder seine Rechnung per Smartphone-App oder QR-Code zahlt. Ein weiterer Fortschritt sollen unter anderem die Kreditkarten der neuen Generation sein, bei denen man für Beträge unter 25 Euro nicht einmal mehr seinen PIN-Code einzugeben braucht.

„Die Datensicherheit ist das Anliegen aller Kunden und damit auch das der Banken, deren Aufgabe es ist, diese zu gewährleisten. Es ist eine ständige Herausforderung, denn die Lösungen, die angeboten werden, sind nicht ausdauernd. Das beweisen die Hackerangriffe”, so Viviane Clauss, Chef der Digitalen Dienstleistungen der Banque de Luxembourg.
„Die Datensicherheit ist das Anliegen aller Kunden und damit auch das der Banken, deren Aufgabe es ist, diese zu gewährleisten. Es ist eine ständige Herausforderung, denn die Lösungen, die angeboten werden, sind nicht ausdauernd. Das beweisen die Hackerangriffe”, so Viviane Clauss, Chef der Digitalen Dienstleistungen der Banque de Luxembourg.
(Foto: Banque de Luxembourg)

Die Fintech: Partner oder Konkurrenz?

Ein weiterer Bereich sind die FinTech. „Wir sehen die FinTech nicht als Bedrohung, sondern als Partner“, so Pierre-Olivier Rotheval, Head of Digital Marketing & Innovation bei der BIL. Im Vergleich zu den FinTech haben die Banken allerdings „ein schwereres Schiff zu fahren“, wie Kik Schneider der BGL BNP Paribas erklärt, so dass die Anpassungsfähigkeit dieser Start-ups manchmal schneller, einfacher und weniger kostspielig ist. In der LW-Serie verraten die luxemburgischen Banken, wie sie den Fortschritt dieser finanztechnologischen Unternehmen überwachen und sich an ihnen inspirieren.

Sind meine Daten wirklich sicher?

„Die Datensicherheit ist das Anliegen aller Kunden und damit auch das der Banken, deren Aufgabe es ist, diese zu gewährleisten. Es ist eine ständige Herausforderung, denn die Lösungen, die angeboten werden, sind nicht ausdauernd. Das beweisen die Hackerangriffe”, so Viviane Clauss, Chef der Digitalen Dienstleistungen der Banque de Luxembourg.

Dieser Artikel wurde bereits im Oktober 2015 veröffentlicht

„Die luxemburgischen Banken werden überleben können, müssen sich aber anpassen.“ – Mehr zum Thema „Digitalisierung der Banken“ lesen Sie im LW-Dossier.


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