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Best of 2015: Die fünf Säulen: Rifkins Schlüssel zum Erfolg
Luxemburg wird zum „Lernlabor“ für Jeremy Rifkins Vision einer Dritten Industriellen Revolution. Doch um was geht es?

Best of 2015: Die fünf Säulen: Rifkins Schlüssel zum Erfolg

(Foto: Shutterstock)
Luxemburg wird zum „Lernlabor“ für Jeremy Rifkins Vision einer Dritten Industriellen Revolution. Doch um was geht es?
Wirtschaft 5 Min. 24.12.2015

Best of 2015: Die fünf Säulen: Rifkins Schlüssel zum Erfolg

In seinem Buch „Die Dritte Industrielle Revolution“ stellt Rifkin ein Zukunftsmodell für die Wirtschaft nach dem Atomzeitalter vor. Sein Konzept beruht auf fünf Säulen, die es umzusetzen gilt. In Luxemburg gibt es bereits erste Ansätze.

(lb/las) In seinem Buch „Die Dritte Industrielle Revolution“ stellt Rifkin ein Zukunftsmodell für die Wirtschaft nach dem Atomzeitalter vor. Sein Konzept beruht auf fünf Säulen, die es umzusetzen gilt. Immer wieder betont er, dass diese fünf Bausteine nicht unabhängig voneinander funktionieren können. In Luxemburg gibt es bereits erste Ansätze.

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Säule 1: Erneuerbare Energien

Das Ziel von Luxemburg ist es, bis 2020 elf Prozent seiner Energieversorgung aus erneuerbaren Energien zu schöpfen.
Das Ziel von Luxemburg ist es, bis 2020 elf Prozent seiner Energieversorgung aus erneuerbaren Energien zu schöpfen.
(Foto: AFP)

Worum es geht: Der Umstieg auf regenerative Energien soll nicht lediglich als wichtige Säule der nachhaltigen Energiepolitik angesehen werden, weil fossile Energieträger nur in begrenzten Mengen zur Verfügung stehen und zur Erderwärmung beitragen. Auch das gesamte Wirtschaftspotenzial muss erkannt werden, wenn diese Energiegewinnung mit anderen Bereichen (siehe andere Bausteine) verknüpft wird.

Konkret in Luxemburg: Das Ziel von Luxemburg ist es, bis 2020 elf Prozent seiner Energieversorgung aus erneuerbaren Energien zu schöpfen. 2014 waren es 4,5 Prozent, ein Plus von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Problem ist allerdings die Produktion hier im Land: Laut aktuellem Stand werden lediglich vier bis fünf Prozent der erneuerbaren Energien in Luxemburg hergestellt. Doch auch hier gibt es ständig Fortschritte. 2013 zählte Luxemburg insgesamt 4  705 Zentralen zur grünen Energieherstellung, darunter Heiz- und Wärmekraftwerke, Fotovoltaik-, Wind- und Biogasanlagen. Das ist doppelt so viel wie noch 2008.


Säule 2: Das Haus als Kraftwerk

In Luxemburg gibt es heute laut Angaben des Wirtschaftsministeriums 638 Passivgebäude und 3 441 Niedrigenergiegebäude.
In Luxemburg gibt es heute laut Angaben des Wirtschaftsministeriums 638 Passivgebäude und 3 441 Niedrigenergiegebäude.
(Foto: AFP)

Worum es geht: Bauindustrie und Immobiliensektor sollen sich mit auf erneuerbaren Energien spezialisierten Firmen zusammentun, so dass die Gebäude ihren eigenen Strom produzieren. Rifkin spricht davon, dass so jedes Gebäude zu einem „Microkraftwerk“ werden soll.

Konkret in Luxemburg: Der Wirtschaftsminister selbst ist der Ansicht, dass sich 
die eigene Energieproduktion mit erneuerbaren Energien jetzt umso mehr lohnt, da der Kostenaufwand für die Privathaushalte in den vergangenen Jahren gefallen und die Energieeffizienz gestiegen ist. Zudem ist Luxemburg im Niedrigenergiehausbau bereits gut ausgestattet, 
da seit 2012 die Energieverbrauchswerte der neuen Gebäuden gesetzlich festgelegt wurden. Bis 2017 müssen bekanntlich 
alle Neubauten der Energieklasse AA (Wärmeschutz und Energieeffizienz) 
entsprechen. In Luxemburg gibt es heute laut Angaben des Wirtschaftsministeriums 638 Passivgebäude und 3 441 Niedrigenergiegebäude. Auf eine regelrechte Altbausanierungswelle hofft die Regierung durch die Einführung der Klimabank, die es ermöglichen soll, die Gebäudesanierungen vorzufinanzieren indem der Staat für die Kredite von Privathaushalten haftet.


Säule 3: Das intelligente Stromnetz

Creos arbeitet bereits am intelligenten Stromnetz („smart grid“).
Creos arbeitet bereits am intelligenten Stromnetz („smart grid“).
(Foto: Reuters)

Worum es geht: Haushalte sollen ihre eigene grüne Energie nicht nur selbst produzieren, sondern Überschüsse in einem dezentralen und intelligenten Stromnetz teilen können. Dieses Netz soll es ermöglichen, dass die Stromproduzenten und Verbraucher so miteinander zu verknüpfen, dass sich Energieangebot und Nachfrage ausgleichen. Das Internet soll beispielsweise präzise Aufzeichnungen über den Verbrauch der Kunden führen.

Konkret in Luxemburg: Eine erste Umsetzung des „Internet der Dinge“ ist in Luxemburg „Active Smarthome“ (Partnerschaft zwischen POST, Enovos und CSide) – eine Gesellschaft, die entsprechende Lösungen anbietet. Dies bedeutet, dass verschiedene Hausgeräte, Sensoren oder Multimediasysteme in einer Wohnung miteinander über das Internet vernetzt werden und auf Distanz gesteuert werden können. Dies ermöglicht eine bessere Kontrolle, mehr Sicherheit und ein effizienteres Energiemanagement. Ein konkretes Beispiel ist die Heizung, die beliebig aus der Ferne ein- und ausgeschaltet werden kann. Teil dieses Konzepts ist der intelligente Stromzähler („smart meter“), der ab 2016 in den Häusern eingebaut wird, sagt Jean-Luc Santinelli von Enovos. Der Kunde bekommt eine direkte Rückmeldung über seinen Verbrauch. Parallel arbeitet Creos am intelligenten Stromnetz („smart grid“). Wenn beide Bausteine zusammenkommen, kann der Verbrauch gezielt gesteuert werden – etwa das Elektroauto später geladen werden. Es ist allerdings bis jetzt nicht möglich, die produzierte Energie über das Netz an andere Haushalte weiterzugeben. Die IT-Infrastruktur sei für Rifkins Ideen in Luxemburg bereits vorhanden, nun müsse man in Plattformen investieren, die nicht nur Daten sammeln, sondern auch auswerten könnten, erklärt Jean-Marie Spaus, beigeordneter Generaldirektor der POST und Chef der Telekommunikationsabteilung.


Säule 4: Energiespeicherung

Das Pumpspeicherwerk in Vianden dient seit langem als Energiespeicher.
Das Pumpspeicherwerk in Vianden dient seit langem als Energiespeicher.
(Foto: AFP)

Worum es geht: Erneuerbare Energien hängen vom Wetter ab, und dadurch wird die Stromproduktion weniger vorhersehbar. Aus diesem Grund braucht es moderne Speichertechniken, um die Produktion und den Verbrauch in Einklang zu bringen.

Konkret in Luxemburg: Das Pumpspeicherwerk in Vianden dient seit langem als Energiespeicher. Projekte für modernere Formen gibt es in Luxemburg aktuell nicht, erklärt Robert Graglia von Creos. Der Luxemburger Netzbetreiber war an der Entwicklung von „Power-to-gas“ in Deutschland beteiligt. „Die Umwandlung von Strom in Wasserstoff oder Methan zu Speicherzwecken ist noch nicht ausreichend effizient, um eingesetzt zu werden“, so Graglia. Auch bei der Idee, die Akkus von Elektroautos als Speicher zu nutzen, blieben noch viele technologische Hürden.


Säule 5: Nachhaltige Mobilität

Nach der Nordstad hat nun auch Hesperingen das Carsharing eingeführt.
Nach der Nordstad hat nun auch Hesperingen das Carsharing eingeführt.
(Foto: Blum Laurent/Commune de Hesperange)

Worum es geht: Rifkin spricht von einem Transportwesen aus der Steckdose. So sollen zunehmend Elektroautos zum Einsatz kommen, um nach und nach die Transportflotte umstellen zu können.

Konkret in Luxemburg: Wirtschaftsminister Etienne Schneider rechnet bis 2020 mit 40  000 Elektrofahrzeugen im ganzen Land. Zu diesem Zweck will er bis 2020 flächendeckend 850 Ladestationen überall im Land aufbauen. In einem Jahr beginnt das Projekt. Auch Carsharing soll zunehmend gefördert werden. Beispiele sind bereits das Projekt „Carloh“ , das seit dem 7. Oktober in der Stadt Luxemburg am Start ist. In weniger als zwei Wochen zählte die Stadt bereits 80 Abonnenten. Rentabel soll das Projekt ab 3 000 Abonnenten werden. Gut funktioniert das Projekt übrigens bereits seit zwei Jahren in der Nordstad. Dort wurden in Zusammenarbeit mit „City Mov“, einer Tochtergesellschaft des Energielieferanten Enovos, Carsharing-Stationen in Bettendorf, Ettelbrück, Schieren, Colmar-Berg und Diekirch aufgebaut. Seit August läuft das Projekt auch in Hesperingen, Howald und Itzig. Zudem wird in Luxemburg unter dem Leitgedanken „Smart City“ über intelligente Infrastrukturen für vernetztes und automatisiertes Fahren diskutiert, bei dem das Auto zum Chauffeur und der Fahrer zum Passagier wird. Ein Zukunftsprojekt soll in Luxemburg in den kommenden sechs Monaten ausgearbeitet werden.

Dieser Artikel wurde zuerst im Oktober 2015 veröffentlicht.


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