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Berufliche Weiterbildung: 20 Jahre ATTF
Wirtschaft 3 Min. 02.10.2019

Berufliche Weiterbildung: 20 Jahre ATTF

Geschafft: Zu den erfolgreichen Teilnehmern der Seminare gehören auch Finanzfachkräfte aus Ruanda.

Berufliche Weiterbildung: 20 Jahre ATTF

Geschafft: Zu den erfolgreichen Teilnehmern der Seminare gehören auch Finanzfachkräfte aus Ruanda.
ATTF
Wirtschaft 3 Min. 02.10.2019

Berufliche Weiterbildung: 20 Jahre ATTF

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Die Agence de transfert de technologie financière (ATTF) fördert international Fachkräfte.

Risikomanagement in Vietnam, Mikrofinanz in Ruanda oder Bankenregulierung in China: Noch nie war die Nachfrage nach spezialisierter Ausbildung in der Finanzbranche so gefragt wie heute. Vor allem in Schwellenländern ist technisches Know-how ein wichtiger Wachstumsmotor wirtschaftlicher Entwicklung.

Die Agence de transfert de technologie financière (ATTF), seit 20 Jahren in Luxemburg tätig, trägt dieser Entwicklung Rechnung und hat ihr Spektrum an Weiterbildungsangeboten im laufenden Jahr an die Bedürfnisse der Teilnehmer angepasst. Auf dem Programm stehen rund zwölf international besetzte Seminare in Luxemburg und rund 100 Schulungen im Ausland.

Seit der Finanzkrise 2008 ist praxisorientierte Weiterbildung in den Bereichen Regulierung, Risikomanagement und Compliance sehr gefragt“, erklärt Ben Lyon, Direktor des „House of Training“ und Leiter der ATTF. Aber auch Weiterbildung in Menschenführung steht derzeit hoch im Kurs. 

„Das Personal in der Finanzbranche wechselt ständig. Deshalb spielen Leadership und Führungskompetenzen eine wichtige Rolle“. Besonders beliebt ist in afrikanischen Ländern das Coaching: „Klassische Seminare reichen dort manchmal nicht aus; daher bieten wir seit einigen Jahren Gruppen-Mentoring für maximal 40 Personen an“, erklärt Lyon die spezifischen Bedürfnisse.

 Gastgeber für Kollegen aus aller Welt: ATTF-Direktor Ben Lyon.
Gastgeber für Kollegen aus aller Welt: ATTF-Direktor Ben Lyon.
ATTF

40 Partnerländer, darunter China

Seit nunmehr 20 Jahren ist die ATTF für ausländische Fachkräfte im Einsatz. Die öffentliche Institution wurde im Jahr 1999 vom Staat sowie weiteren öffentlichen Institutionen gegründet. Dazu gehört die Zentralbank, die Handelskammer, die Finanzaufsicht CSSF und das Institute for Training in Banking (IFBL). 

„Unser Auftrag ist es, Partnerländern und -regionen technische Hilfe anzubieten und für das luxemburgische Finanzzentrum zu werben“, so Ben Lyon. Die Agentur unterhält mittlerweile Partnerschaften mit 40 Ländern, darunter auch viele Zielländer der luxemburgischen Entwicklungspolitik.


Die interne Restrukturation des House of Training schreitet weiter voran.
Berufliche Weiterbildung: House of Training wächst zusammen
Als das House of Training Ende 2014 auf Initiative von Handelskammer und Bankenvereinigung entstand, wurden zunächst bestehende Bildungsangebote zusammengeführt. Inzwischen ist man viel weiter fortgeschritten, wenn auch manches anders kam als zunächst geplant.

Auch in China ist die ATTF seit vielen Jahren aktiv. „In Shanghai haben die Arbeitnehmer ganz besondere Erwartungen, es geht weit über das Basiswissen heraus. Sie wollen die allerletzten Neuigkeiten erfahren und streben nach Expertise für komplexe Anlageprodukte wie etwa Derivate“, erklärt Lyon. 

„Wir helfen aber auch dabei, chinesische Fachkräfte in Europa oder Luxemburg anzusiedeln, um Luxemburg zu einem Stützpunkt für ihre Finanzdienstleistungen zu machen.“ Oder, anders gesagt: „Wir stellen die Kompetenzen des Landes in den Vordergrund und machen Luxemburg durch Weiterbildung bekannter“, so Lyon. 

2 000 Seminare, 30 000 Teilnehmer

Nach 20 Jahren fällt die Bilanz laut Lyon positiv aus: „Mehr als 2 000 Trainingsseminare wurden veranstaltet – davon etwa 330 in Luxemburg; mehr als 30 000 Menschen aus 40 Ländern sind bereits ausgebildet worden“. Auch wenn die Mehrzahl der Kurse im Ausland stattfindet, sind die Seminare in Luxemburg ein wichtiges Standbein. 

„Immer stärker treten spezialisierte Anforderungen in den Vordergrund. In Luxemburg sind wir besser in der Lage, auf diese Bedürfnisse einzugehen. Wir können verschiedene Experten an einem Tag zusammenbringen, maßgeschneiderte Programme anbieten. Das ist im Ausland nicht immer möglich“, sagt Lyon, der sich auf ein Netzwerk von mehr als 250 Experten aus dem luxemburgischen Finanzsektor stützt. Finanziert wird das Ganze vom Auswärtigen Ministerium, vom Finanzministerium und dem „Fonds contre certaines formes de criminalité“. Die ATTF übernimmt die Gesamtkosten der Weiterbildung, einige Länder leisten zusätzlich einen finanziellen Beitrag.

Seit 2016 ist die Agence de transfert de technologie financière dem „House of Training“ angegliedert: „Durch diese Neuerung stehen uns deutlich mehr Mittel zur Verfügung. Wir können unsere Angebote besser strukturieren, die interne Organisation ist optimal.“

Wir stellen auch fest, dass unsere Zertifikate vielen Teilnehmern als gutes Sprungbrett für ihre künftige Karriere dienen.

Wenn man Ben Lyon fragt, ob sich der Einsatz im Ausland tatsächlich auszahlt, zögert er keinen Moment, bleibt aber bescheiden-realistisch: „In Afrika sind wir sehr populär. Den dortigen Banken, die nicht gut vernetzt sind und keinen Zugang zu Weiterbildung oder Informationsaustausch haben, bringen wir einen deutlichen Mehrwert“. Und: „Wir stellen auch fest, dass unsere Zertifikate vielen Teilnehmern als gutes Sprungbrett für ihre künftige Karriere dienen.“ 

Trotzdem differenziert er: „Das Fachwissen hat sich in einigen Ländern deutlich verbessert, aber wir bleiben ein kleiner Akteur. Wir leisten zwar einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Fortschritt in den einzelnen Ländern, aber unser Angebot ersetzt niemals die örtlichen Hochschulen.“ 


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