Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Benzin wird grüner
Wirtschaft 3 Min. 29.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Benzin wird grüner

Der Verkauf der klassischen Treibstoffe Benzin und Diesel stieg im vergangenen Jahr in Luxemburg um 3,6 Prozent.

Benzin wird grüner

Der Verkauf der klassischen Treibstoffe Benzin und Diesel stieg im vergangenen Jahr in Luxemburg um 3,6 Prozent.
Wirtschaft 3 Min. 29.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Benzin wird grüner

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Die Luxemburger Tankstellen haben im vergangenen Jahr mehr Diesel und Benzin verkauft. Ab 2019 werden sie einen neuen Biokraftstoff anbieten – im Fachjargon „E10“ genannt.

Luxemburgs Autofahrer können bald Bio-Benzin tanken. Vom 1. Januar 2019 an wird an Tankstellen ein neuer Kraftstoff mit einem Bioethanol-Anteil von zehn Prozent verkauft. Bioethanol gilt vergleichsweise als umweltfreundlich, da der Kraftstoff weniger Treibhausgase verursacht. Bislang hat Benzin in Luxemburg maximal fünf Prozent Bioethanol-Anteil – Diesel kann bis zu sieben Prozent enthalten. Der neue Kraftstoff wird mit dem Zusatz E10 bezeichnet, wobei „E“ für Ethanol und „10“ für den Anteil steht.

Der Biokraftstoff E10 ist nicht neu: Deutschland hat diesen Kraftstoff schon vor sieben Jahren eingeführt und an den belgischen Tankstellen können Autofahrer seit Januar 2017 Bioethanol E10 tanken. „In den meisten europäischen Ländern findet man dieses Produkt bereits“, so Romain Hoffmann, Präsident des „Groupement pétrolier luxembourgeois“ (GPL).

Die Erdölbranche spielt eine wichtige Rolle in Hinblick auf die 2020–Ziele der Europäischen Union für erneuerbare Energien. Um die Klimaschutzziele der Luxemburger Regierung zu erfüllen und das Zehn-Prozent-Ziel für den Verkehrssektor aus der EU-Richtlinie bis 2020 zu erreichen, führt kein Weg am Biokraftstoffen vorbei. „Unser Sektor muss dieses Jahr volumenmäßig einen Biokraftstoffanteil von 6,18 Prozent erreichen“, sagt Romain Hoffmann.

„Wir werden gegen Ende des Jahres eine Informationskampagne starten um die Konsumenten zu informieren und zu sensibilisieren“, sagt er. Die wichtigsten Fragen zum neuen Kraftstoff werden die Konsumenten auf der Internetseite www.95e10.lu finden. „Hier werden die Autofahrer auch prüfen können, ob ihr Fahrzeug den neuen Bioethanol-Anteil überhaupt verkraftet“. 

Leichter Aufwärtstrend

Während in Europa der Vertrieb von Erdölprodukten offenbar seinen Höhepunkt erreicht hat, ist auf dem Luxemburger Markt eine klare Trendwende erkennbar. Der seit 2012 rückläufige Erdölmarkt verzeichnete im vergangenen Jahr einen leichten Aufwärtstrend: Der Absatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 4,9 Prozent. Allerdings liegt der Absatz mit einem Minus von 12,2 Prozent weiterhin deutlich unter dem Niveau vom Jahr 2005, das in der Erdölbranche als Referenzjahr gilt.


Zum Themendienst-Bericht von Claudius L�der vom 23. August 2016: Der richtige Kraftspender: Die meisten normalen Autos profitieren laut Experten nicht von sogenannten Premiumkraftstoffen, die etwa eine h�here Oktanzahl bieten. 
(Archivbild vom 27.06.2016/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) 
Foto:�Christin Klose
Die Qual der Wahl an der Tankstelle
Normal, Super, Diesel - das war einmal. Wer heute an die Tankstelle fährt, hat eine deutlich größere Auswahl. Was steckt hinter der Sortenvielfalt?

Generell stieg der Verkauf der klassischen Treibstoffe Benzin und Diesel um 3,6 Prozent, der Vertrieb von Flugzeugbenzin verbesserte sich um 12,9 Prozent. Der Verkauf von Heizöl war dagegen weiterhin rückläufig – der Absatz ging im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent zurück.

„Diese Trendwende zeigt, dass die Erdölprodukte noch immer eine führende Rolle in der Energieversorgung des Landes spielen: Sie machen rund zwei Drittel des Endenergieverbrauchs aus“, freut sich Romain Hoffmann. Der mit Abstand größte Akteur auf diesem Markt bleibt der Transportsektor. Nach jüngsten Zahlen hat der Dieselanteil am gesamten Erdölabsatz einen Anteil von 60 Prozent erreicht, während Benzin bei elf Prozent liegt, Flugbenzin bei 20 Prozent.

„Die Erdölbranche bleibt ein wichtiger Sektor der Luxemburger Wirtschaft“, meint Romain Hoffmann. In Luxemburg arbeiten rund 2 600 Personen in der Erdöl-Branche, davon sind ungefähr 2 200 in den 239 Tankstellen beschäftigt. Der Gesamtwert der Investitionen wird vom „Groupement pétrolier“ mit etwa 500 Millionen Euro angegeben. Die Akzisen, die Mehrwertsteuer und die Konzessionen spülten 2017 rund eine Milliarde Euro in die Staatskassen.

Die heimischen Tankstellen bieten im Vergleich zu unseren Nachbarländern immer noch günstige Spritpreise an. Die Akzisen auf dem Dieselpreis liegen derzeit bei 34 Cent pro Liter, beim Benzin bei 46 Cent. Hierzulande machen Steuern etwa die Hälfte des Spritpreises aus. Laut der im Jahr 2016 vorgestellten Tanktourismus-Studie können weniger als zehn Prozent des verkauften Sprits mit dem Etikett Tanktourismus behaftet werden – dabei sind die Grenzgänger nicht mit eingerechnet.

Wettbewerbsfähig bleiben

Schließlich erinnern die Verantwortlichen des „Groupement pétrolier“ daran, dass Luxemburg ein kleiner Markt ist, der wesentlich von seinen Nachbarländern abhängig ist, um seinen Energiebedarf zu decken. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass „der Sektor wettbewerbsfähig bleibt“, so Romain Hoffmann.

„Im Hinblick auf die Mobilität der Zukunft, sind wir bewusst dass wir effizienter sein müssen. Wir fordern aber auch, dass die Problematik ganzheitlich betrachtet wird. So muss man auch berücksichtigen, wie das Auto produziert wird, wie viel Energie und welche Materialien benutzt werden, was mit den Batterien geschieht. Wir müssen technologieoffen die Mobilität der Zukunft gestalten. Es wird sehr viel geforscht auf diesem Gebiet, so dass man derzeit nicht sagen kann, welche Technologie sich durchsetzen wird.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Groupement Pétrolier Luxembourgeois (GPL) berichtet von steigender Nachfrage nach Diesel und Benzin im letzten Jahr. Doch bald könnte sich einiges ändern: Ab Mai wird es in Belgien für Unternehmen billiger sein, in Belgien Diesel zu tanken.
Tanktourismus,Tanken,Tankstelle,Aire de Berchem. Foto:Gerry Huberty
Vom 1. Januar 2019 an wird das herkömmliche 95er Benzin E5 durch den neuen Kraftstoff E10 ersetzt.
Die neue Benzinsorte E10 wird am 1. Januar an den Zapfsäulen deutlich gekennzeichnet sein.