Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Bedenken und offene Fragen
Wirtschaft 2 Min. 15.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Rifkin-Studie

Bedenken und offene Fragen

Am Montag stellte Jeremy Rifkin seine Vision vor über 800 Zuhörern vor.
Rifkin-Studie

Bedenken und offene Fragen

Am Montag stellte Jeremy Rifkin seine Vision vor über 800 Zuhörern vor.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 2 Min. 15.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Rifkin-Studie

Bedenken und offene Fragen

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Der US-Visionär hatte seine Ideen für eine "dritte industrielle Revolution" vorgelegt. Die Debatte über die Umsetzung der Pläne hat bereits begonnen. Die Meinungen über den Mehrwert der Studie gehen auseinander.

(las) - 500 Seiten umfasst die Rifkin-Studie, die Luxemburg in eine nachhaltige und digitale Zukunft bringen soll. Die Ideen gehen vom kompletten Umstieg auf Elektroautos bis 2050 bis zum „Télétravail“. Die Regierung sieht darin „Denkanstöße“, die in den nächsten Monaten diskutiert werden sollen.

"Eine kohärente Vision" vs. "Nichts Neues"

„Die Studie enthält viele Punkte, die wir zu 100 Prozent unterstützen, aber vieles ist nicht neu“, sagt der CSV-Abgeordnete Laurent Mosar. Initiativen zur Energieeffizienz und Elektroautos würden bereits seit Jahren existieren. Im Gegensatz dazu würden viele Frage offen bleiben.

Der Creos-Generaldirektor Claude Seywert schätzt die Vorschläge dagegen als „eine kohärente Vision für Luxemburg“ ein. „Es ist ein Modell, das funktioniert und von einem breiten Spektrum an Akteuren durchdiskutiert wurde“, so Seywert.

Die Finanzierung schält sich als weitere Frage heraus. Creos investiere jährlich 100 Millionen Euro in die Digitalisierung des Netzes. Die Einführung von Stromspeicher könnten allerdings massive Investitionen benötigen.

„Es wird eine gewaltige Anstrengung für den Staat bedeuten. Zu Lasten welcher Bereiche wird das gehen?“, fragt sich Laurent Mosar. Dazu kommen wirtschaftliche Folgen: „Die Automobilzulieferer sind in Luxemburg ein wichtiger Wirtschaftszweig. Werden nach Rifkins Szenario weniger Autos gebaut, dann gehen Arbeitsplätze verloren“, warnt er.

Die Regierung will den Wirtschafts- und Sozialrat mit den Rifkin-Ideen befassen. Damit werden auch erstmals die Gewerkschaften an der Debatte beteiligt. Unklar bleibe aber, ob sie auch am „Comité de suivi“ beteiligt würden, die die Umsetzung der Studie koordinieren soll, erklärt Christophe Knebeler vom LCGB.

Aus der Technik-Ecke

Hinter diesem Technikoptimismus trete die soziale Herausforderung zurück, meint etwa Caritas-Sprecher Robert Urbé, der an der Rifkin-Arbeitsgruppe zum Sozialmodell teilnahm. Das Ziel sei verfehlt worden, die sozialen Folgen der Digitalisierung wie etwa die Absicherung von Einzelunternehmer zu thematisieren.

Norry Schneider von der Umweltorganisation CELL sieht die Notwendigkeit die Studie aus der Technik-Ecke zu holen. Er sieht die Gefahr einer „Effizienzfalle“: Ersetze man eine neue, sparsame Technik die bestehende, dann bedeute das nicht zwangsläufig weniger Ressourcenverbrauch.

Der sogenannte "Rebound-Effekt" besagt, dass Menschen dazu tendieren, etwa zwei Elektroautos zu haben, wenn sie zuvor nur ein klassisches Auto hatten. "Es braucht eine gesellschaftliche Debatte über das sinnvolle und gemäßigte Nutzen von neuen Technologien.

Norry Schneider ist ebenfalls Mitglied im nationalen Nachhaltigkeitsrat. Er sieht einen Bedarf die Rifkin-Studie in Beziehung zu bestehenden Plänen zur Nachhaltigkeit zu setzen. "Ansonsten besteht die Gefahr doppelter Arbeit", meint er.





Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Leitartikel
Statt lange geplante Projekte mit dem Rifkin-Etikett zu versehen, muss die Regierung nun endlich konkret werden. Sonst droht der Traum eines nachhaltigen Luxemburg mit einem leisen Plopp zu platzen.
Leitartikel
Wenn die Rifkin-Studie auf der einen Seite das digitale Potenzial beschreibt – die Kehrseite der Medaille bleibt unerwähnt: Es wird auch Verlierer geben, die "Win-Win"-Situation bleibt eine ideale Illsuison.
Woher kommt die Energie in Zukunft? Wie kann Luxemburg auf ein Wachstum setzen, das Ressourcen schont und die Lebensqualität verbessert? Der 500-Seiten-Bericht liefert 
Antworten, doch die unangenehmen Fragen kommen erst noch.
Der US-Visionär Jeremy Rifkin sieht im Klimawandel eine "absolut furchterregende" Bedrohung.
Dritte industrielle Revolution
Es ist ein Projekt für die kommenden Jahrzehnte: Die Denkanstöße von Berater Jeremy Rifkin sollen zur dritten industriellen Revolution in Luxemburg beitragen. Minister Schneider erklärte am Montag, worauf es ankommt.
US-Berater Jeremy Rifkin und Wirtschaftsminister Etienne Schneider.
Der US-amerikanische Wirtschaftsexperte Jeremy Rifkin hat seine Strategie der "dritten industriellen Revolution" für Luxemburg vorgestellt. Ein Überblick über die wichtigsten Vorschläge des bekannten Vordenkers und des luxemburgischen Wirtschaftsministeriums.
Die Pläne Rifkins passen zu bestehenden Projekten in Luxemburg.