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Baustellenbetrug auf Kosten der Adem
Wirtschaft 3 Min. 08.02.2019

Baustellenbetrug auf Kosten der Adem

Baustellenbetrug auf Kosten der Adem

Foto: Shutterstock
Wirtschaft 3 Min. 08.02.2019

Baustellenbetrug auf Kosten der Adem

Trotz widriger Bedingungen lassen einige Unternehmen ihre Arbeiter auf geschlossenen Baustellen weiterarbeiten, beantragen aber gleichzeitig Arbeitslosengeld für ihre Angestellten.

(Bep) - Für viele Menschen in Luxemburg bedeutete der Wintereinbruch vergangene Woche lediglich, dass sie mehr Zeit für ihren Weg zu ihrem Arbeitsplatz einplanen mussten. Trotzdem konnten sie ohne weitere Probleme ihrem Arbeitsalltag nachgehen, denn im Büro, ob es draußen schneit oder die Sonne scheint, sind die Arbeitsbedingungen fast immer gleich.

Die portugiesischen Chefs hier respektieren das Gesetz nicht, denn sie wissen, dass wir uns in schwierigen Situationen befinden und das Geld brauchen.

Anders sieht es für alle Menschen aus, die draußen auf Baustellen arbeiten, denn die winterlichen Bedingungen erschweren ihre Arbeit erheblich, beziehungsweise machen sie unmöglich. In solchen Fällen schließen viele Unternehmen ihre Baustellen vorübergehend und fragen bei der luxemburgischen Arbeitsagentur Adem Arbeitslosengeld für ihre Angestellten an. Die Bedingungen, wann ein Unternehmen auf diese Maßnahme zurückgreifen kann, sind im Artikel 531 des Arbeitsgesetzes festgelegt.

Betrugsmasche

Eine Recherche des Radiosenders "Radio Latina" hat ergeben, dass einige Bauunternehmen genau dieses System ausnutzen. Laut "Radio Latina" haben einige Unternehmen in Luxemburg in den vergangenen Wochen ihre Baustellen geschlossen und bei der Adem offiziell Entschädigungen für ihre arbeitslosen Angestellten angefragt, diese aber gleichzeitig auf den Baustellen, trotz gefährlicher Arbeitsbedingungen und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, weiter arbeiten lassen. Für die Unternehmen lohnt sich die Arbeit an diesen Tagen besonders, da sie ihre Arbeiter mit dem Geld bezahlen können, das sie von der Adem erhalten.

Es handelt sich um einen uralten Trick in Luxemburg. Unsere Arbeitgeber setzen uns nicht mal davon in Kenntnis, dass sie die Arbeiten auf der Baustelle unterbrechen.

Der Radiosender beruft sich auf Aussagen von betroffenen Bauarbeitern. Die Gewerkschaften OGBL und LCGB können die Aussagen der betroffenen Personen ebenfalls bestätigen.

In ihren Aussagen erheben die Bauarbeiter nicht nur Vorwürfe gegenüber ihren Arbeitgebern, sondern auch gegenüber den Behörden, etwa der Arbeitsaufsichtsbehörde Inspection du Travail et des Mines (ITM). "Es handelt sich um einen uralten Trick in Luxemburg. Unsere Arbeitgeber setzen uns nicht mal davon in Kenntnis, dass sie die Arbeiten auf der Baustelle unterbrechen", berichtet Armando in der Sendung "Linha Aberta". Aus Angst vor weiteren Repressalien seitens ihrer Arbeitgeber haben die Augenzeugen sogar unter verdecktem Namen ausgesagt.


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Amadio glaubt auch nicht daran, dass die Behörden nichts von der Betrugsmasche wissen würden: "Ich habe oft bei negativen Temperaturen gearbeitet. Diejenigen, die nicht arbeiten wollten, weil sie es für zu kalt hielten, denen hat der Chef mit dem Rauswurf gedroht. Dieser Trick ist so alt, selbst die ITM kennt ihn."

Verdachtsfälle müssen den Behörden gemeldet werden, mahnt Arbeitsminister Dan Kersch im Rahmen der Affäre um die Betrugsfälle auf Baustellen.
Verdachtsfälle müssen den Behörden gemeldet werden, mahnt Arbeitsminister Dan Kersch im Rahmen der Affäre um die Betrugsfälle auf Baustellen.
Foto: Guy Jallay

Aus anderen Zeugenberichten gehen ähnliche Berichte hervor. Der Arbeiter João berichtet von einem Angstklima: "Die portugiesischen Chefs hier respektieren das Gesetz nicht, denn sie wissen, dass wir uns in schwierigen Situationen befinden und das Geld brauchen. Sie benutzen und missbrauchen uns. Auch die Gewerkschaften tun nicht viel, weil wir sie nicht denunzieren können - sie denunzieren heißt entlassen werden."

Reaktionen von offizieller Seite

"Radio Latina" hat sich mit diesen schwerwiegenden Anschuldigungen an die Behörden und politisch Verantwortlichen gewendet. Die Adem bestätigte auf Anfrage, dass sie in den letzten Jahren "bestimmte Beschwerden" von Arbeitnehmern erhalten habe, die ihre Arbeit fortsetzten, selbst wenn ihr Arbeitgeber wegen schlechten Wetters Arbeitslosigkeit beantragt hätte. Laut Adem sei es jedoch "sehr schwierig", einen Betrug in solchen Fällen konkret nachzuweisen.

Dem zuständigen Arbeitsminister Dan Kersch (LSAP) sind jedoch bis jetzt keine mutmaßlichen Betrugsfälle im Arbeitslosenversicherungssystem aufgrund von schlechtem Wetter im Bausektor bekannt. Kersch nutzte die Gelegenheit aber, um den Gewerkschaften eine Nachricht zu hinterlassen. In einer Art Mahnung betonte er, dass "Verdachtsfälle den Behörden gemeldet werden müssen".


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Der Gewerkschaftssekretär des LCGB, Tiago Ferreira, erklärte, dass die Beschwerden an den LCGB bezüglich dieser Art von Fällen "häufig" seien. "Es kommt immer wieder vor, dass unsere Mitglieder und auch Personen, die in der Branche tätig sind, den LCGB anrufen, um uns darüber zu informieren, dass sie eine Arbeitslosigkeitserklärung bei schlechtem Wetter unterschrieben haben, der Chef sie jedoch weiterhin auf die Baustellen schickt. Wir fordern die zuständigen luxemburgischen Behörden dazu auf, sofort und adäquat auf diese Betrugsfälle zu reagieren", so Ferreira. Der Gewerkschaftsführer weist weiter darauf hin, dass dieses System nicht nur illegal ist, sondern auch die Gesundheit der Arbeitnehmer gefährdet.

Die sonst schon schwierigen Bedingungen auf den Baustellen verschärfen sich zusätzlich im Winter. Viele Arbeitgeber schützen ihre Angestellten nicht ausreichend vor den Risiken.
Die sonst schon schwierigen Bedingungen auf den Baustellen verschärfen sich zusätzlich im Winter. Viele Arbeitgeber schützen ihre Angestellten nicht ausreichend vor den Risiken.
Foto: Lex Kleren

Auch in der Chamber ist das Thema angekommen. Die beiden Grünen-Abgeordneten Charles Margue und Carlo Back haben am Freitag eine parlamentarische Frage zu dem Thema an den Arbeitsminister Dan Kersch gerichtet. Die beiden fragen den Minister, ob ihm die vermeintlichen Betrugsfälle bekannt seien und was er vorhabe, um etwas gegen solche Betrügereien zu unternehmen.

 


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