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Bankensektor: Commerzbank Luxemburg verlagert Arbeitsplätze nach Osteuropa
Wirtschaft 3 Min. 17.02.2015

Bankensektor: Commerzbank Luxemburg verlagert Arbeitsplätze nach Osteuropa

"Wir haben eine Zukunft! Aber wir müssen uns effizienter aufstellen.", kommentiert Thomas Fehr die Situation und den Trend in der gesamten Luxemburger Bankenbranche.

Bankensektor: Commerzbank Luxemburg verlagert Arbeitsplätze nach Osteuropa

"Wir haben eine Zukunft! Aber wir müssen uns effizienter aufstellen.", kommentiert Thomas Fehr die Situation und den Trend in der gesamten Luxemburger Bankenbranche.
Gerry Huberty
Wirtschaft 3 Min. 17.02.2015

Bankensektor: Commerzbank Luxemburg verlagert Arbeitsplätze nach Osteuropa

In einem Exklusiv-Interview mit dem "Luxemburger Wort" kündigt Thomas Fehr, Countrymanager der Commerzbank in Luxemburg an, dass eine Betriebsvereinbarung beschlossen und wahrscheinlich ein Sozialplan ausgearbeitet werden soll.

(cdc) - In einem Exklusiv-Interview mit dem Luxemburger Wort erläutert Thomas Fehr, Countrymanager der Commerzbank das neue Geschäftsmodell des hiesigen Standortes. Bei dieser Umstrukturierung werden Arbeitsplätze hauptsächlich nach Polen verlagert. In den nächsten Wochen soll eine Betriebsvereinbarung beschlossen werden und schließlich muss wahrscheinlich ein Sozialplan ausgearbeitet werden.

Vor dem Hintergrund der neuen regulatorischen Anforderungen wie beispielsweise dem automatischen Informationsaustausch oder den neuen OECD-Richtlinien für mehr Transparenz hat die Commerzbank Luxemburg ein neues langfristig zukunftsfähiges Geschäftsmodell entwickelt, erläutert Thomas Fehr, denn der Standort Luxemburg soll weiterhin eine wichtige Säule im Commerzbank-Konzern darstellen.

"Wir müssen uns effizienter aufstellen!"

Die Commerzbank ist derzeit mit vier Gesellschaften in Luxemburg vertreten: der Commerzbank International SA, der Commerzbank AG (Filiale Luxemburg), der Commerz Fund Solution und der Ersten Europäischen Pfandbrief- und Kommunalkreditbank SA. Diese sollen in Zukunft zu drei Gesellschaften zusammengeführt werden.

Die Commerzbank in Luxemburg soll nach den Besonderheiten des Luxemburger Finanzplatzes ausgerichtet werden, damit der hiesige Standort künftig als Buchungsplattform für den gesamten Konzern genutzt werden kann. Mit Besonderheiten sind die Stärken Luxemburgs gemeint, Thomas Fehr erläutert, das sind die Mehrsprachigkeit, das Knowhow und die steuerliche Wettbewerbsfähigkeit.

Hohe Personalkosten in Luxemburg

Die Bank möchte sich neu strukturieren, insbesondere bedeutet das eine Schlankheitskur, einen Abbau von Teilfunktionen und eine Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa. "Wir haben eine Zukunft! Aber wir müssen uns effizienter aufstellen.", kommentiert Thomas Fehr die Situation und den Trend in der gesamten Luxemburger Bankenbranche. Denn der Druck durch die Regulierungsanforderungen und das niedrige Zinsniveau auf die Erträge der Banken ist sehr hoch.

Wie soll das neue Geschäftsmodell aussehen? Die wesentlichen Geschäftsfelder sollen weiterhin bestehen bleiben, nur effizienter organisiert werden. Die Kernfelder sind das Kreditgeschäft, das Privatkundengeschäft (International Wealth Management), sowie der Edelmetallhandel - die Commerzbank in Luxemburg ist der drittgrößte Edelmetallhändler der Welt. Die Kernfelder sollen ausgebaut werden. Nebengeschäftsfelder wie das Pfandbriefgeschäft sowie das Treuhandgeschäft und der IT Bereich bleiben weiterhin bestehen. Durch die Umstrukturierung sollen die Kosten sinken, und bei gleichbleibenden Erträgen positivere Ergebnisse bringen.

Aber Teilbereiche der Geschäftsfelder müssen aus Kostengründen, insbesondere wegen der hohen Personalkosten in Luxemburg, ausgelagert werden. Am Standort Luxemburg sind vor allem Back Office Einheiten angesiedelt, welche Dienstleistungen für andere Konzerneinheiten ausführen. Bei der bevorstehenden Auslagerung nach Osteuropa, insbesondere nach Polen, soll nun ein Großteil dieser Back Office Einheiten ausgelagert werden.

Sozialplan wahrscheinlich in den nächsten Wochen

Der Luxemburger Standort der Commerzbank zählt rund 500 Mitarbeiter. Etwa 50 Prozent der hiesigen Belegschaft sind in diesen Teilbereichen beschäftigt. Ein Teil von Ihnen muss den Standort Luxemburg verlassen. Der Commerzbank-Konzern ist in allen westeuropäischen Ländern vertreten und bemüht sich Ihnen dort innerhalb des Konzerns berufliche Perspektiven anzubieten.

Thomas Fehr hat Verständnis für die Verbundenheit der Angestellten mit der Region Luxemburg. Einige von Ihnen sind sicher auch bereit zu den Rahmenbedingungen in den osteuropäischen Ländern zu arbeiten. Die meisten Mitarbeiter aber wohl eher nicht, meint Thomas Fehr.

Bis Ende des nächsten Jahres soll das neue Geschäftsmodell stehen. Verhandlungen mit den Betriebsräten haben begonnen, in den nächsten Wochen soll eine Betriebsvereinbarung beschlossen werden und schließlich muss wahrscheinlich ein Sozialplan ausgearbeitet werden.


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