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Bank im Hintergrund: Goldman Sachs und die Arcelor-Übernahme
Wirtschaft 2 Min. 01.12.2012 Aus unserem online-Archiv

Bank im Hintergrund: Goldman Sachs und die Arcelor-Übernahme

Hier schüttelt Lakshmi Mittal (rechts) bei der Übernahme 2006 die Hand von Arcelor-CEO Roland Junck. Drei Monate später trat Junck zurück.

Bank im Hintergrund: Goldman Sachs und die Arcelor-Übernahme

Hier schüttelt Lakshmi Mittal (rechts) bei der Übernahme 2006 die Hand von Arcelor-CEO Roland Junck. Drei Monate später trat Junck zurück.
Foto: AP
Wirtschaft 2 Min. 01.12.2012 Aus unserem online-Archiv

Bank im Hintergrund: Goldman Sachs und die Arcelor-Übernahme

Wie konnte ein Stahlunternehmer mit kleineren, teils maroden Werken im Osten die glanzvolle Arcelor aufkaufen? Diese Frage stellten sich 2006 viele Luxemburger. Ein kritischer Bericht zeichnet die Übernahme durch Lakshmi Mittal nach und beleuchtet die Rolle seiner Bank.

(vb) – Wie konnte ein Stahlunternehmer mit kleineren, teils maroden Werken im Osten die glanzvolle Arcelor aufkaufen? Diese Frage stellten sich 2006 viele Luxemburger. Ein kritischer Bericht zeichnet die Übernahme durch Lakshmi Mittal nach und beleuchtet die Rolle seiner Bank.

Die Geschichte klingt unglaublich: Der Besitzer einer kleinen Stahlschmelze in Indien steigt zum Firmenboss und zum Herrn über Werke in Indonesien, Kasachstan und Osteuropa auf, bis er schließlich den damals wertvollsten Stahlkonzern der Welt, nämlich Arcelor, schluckt. Dass Lakshmi Mittal in vergleichsweise kurzer Zeit zum Stahlbaron wurde und es heute in der Forbes-Liste unter die reichsten Menschen der Welt schaffte, mutet auf den ersten Blick wie ein Märchen aus 1001 Nacht an. Das kritische französische Internet-Magazin "Mediapart" hat diesem sagenhaften Aufstieg ein Dossier gewidmet und lässt erstmals Licht auf die Rolle der US-Investmentbank Goldman Sachs fallen.

Steckt Goldman Sachs hinter der Übernahme?

In dem Hintergrundbericht erscheint die New Yorker Investmentbank als treibende Kraft hinter der Übernahme der Arcelor. Dem Autor des Beitrags zufolge hat Goldman Sachs schon eine entscheidende Rolle bei den vielen Aufkäufen Lakshmi Mittals vor 2006 gespielt. Auf seiner Einkaufstour rund um die Welt, als zahlreiche kleinere, meist marode oder insolvente Stahlwerke unter das Dach des Mittal-Konzerns wanderten, stieg nämlich die Schuldenlast des Stahlbarons. Laut Mediapart hatte die Investmentbank Lakshmi Mittal sieben Milliarden US-Dollar an Krediten geliehen. Auf der Haben-Seite von Mittal Steel stand eine Ansammlung von Stahlwerken, die viel Masse, aber geringe Qualität lieferten. Bei den Geldgebern von Goldman Sachs ging deshalb die bange Frage um, ob Mittal die Milliardenkredite dauerhaft würde bedienen können, schreibt das Magazin.

Die Übernahme der Arcelor sei nicht zuletzt von Goldman Sachs forciert worden, "um eine höhere Rentabilität und mehr Sicherheit für die Kredite" zu gewährleisten, heißt es weiter. Natürlich wurde Mittal für die Arcelor-Übernahme mit weiteren Milliarden aus New York ausgestattet. Während sich die Arcelor mit Händen und Füßen gegen die Übernahme wehrte, scherte ein Aktionär aus. Dem Drängen von Lakshmi Mittal habe der Luxemburger Staat zuerst nachgegeben, schreibt Mediapart. Er habe das Lager gewechselt, als Mittal im Gegenzug versprach, Luxemburg zum Firmensitz des fusionierten Konzerns zu machen.

"Pyramide aus Schulden"

Was nach der Übernahme 2006 geschah, ist bekannt. Nach anfänglichen Rekordgewinnen drehte sich die Konjunktur. Die Chinesen drängten mit günstigem Stahl auf den Markt, die Nachfrage sank durch die Wirtschaftskrise und die Preise knickten ein. Laut Mediapart hat ArcelorMittal mittlerweile "eine Pyramide von Schulden" in Höhe von 22 Milliarden Euro aufgebaut. Eine Strategie, wie der Konzern auf dem weltweiten Markt bestehen will, sei nicht zu erkennen.

Weil sich der Konzernchef vehement gegen den Verkauf von Stahlwerken stellt, bleibt als Reaktion auf die zurückgehende Nachfrage nur die Schließung. Am Ende des Berichts bleibt die Frage: "Ist Florange nur der Anfang?".


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