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B Medical Systems: Millioneninvestition in Hosingen
Wirtschaft 7 3 Min. 28.01.2021

B Medical Systems: Millioneninvestition in Hosingen

Legen selbst mit Hand an: Erbgroßherzog Guillaume (zweiter von rechts) und Wirtschaftsminister Franz Fayot (Mitte) beim Spatenstich für die Werkserweiterung.

B Medical Systems: Millioneninvestition in Hosingen

Legen selbst mit Hand an: Erbgroßherzog Guillaume (zweiter von rechts) und Wirtschaftsminister Franz Fayot (Mitte) beim Spatenstich für die Werkserweiterung.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 7 3 Min. 28.01.2021

B Medical Systems: Millioneninvestition in Hosingen

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
Covid-Impfstoffe werden weltweit mit Technik von „B Medical Systems“ gekühlt. Im Beisein von Erbgroßherzog Guillaume legte die Firma am Donnerstag den Grundstein für ihr neues Werk in Hosingen.

Während andere Unternehmen gerade die Produktion herunterfahren und ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, expandiert die Firma B Medical Systems aus Hosingen gerade gewaltig. Gestern wurde im Beisein von Erbgroßherzog Guillaume und von Wirtschaftsminister Franz Fayot der Spatenstich für die Erweiterung ihres Werks im Luxemburger Norden vollzogen. Die Investition ist notwendig, weil die Nachfrage nach den Erzeugnissen des Unternehmens in den letzten Monaten durch die Decke geschossen ist. 

Denn die Firma stellt ein Produkt her, das zu einer entscheidenden Waffe im Kampf gegen das Corona-Virus geworden ist: Spezialkühlschränke für medizinische Produkte. Die beiden einzigen bisher in der Europäischen Union zugelassenen Covid-Impfstoffe stellen besondere Anforderungen an die Kühlkette: Das Vakzin von Biontech muss bei minus 70 Grad gelagert werden, das von Moderna zwischen -25 Grad und -15 Grad Celsius. Deshalb sind zum jetzigen Zeitpunkt der Impfkampagne die Kühlanlagen von B Medical Systems besonders gefragt, weil sie ihren Inhalt auf bis zu -80° C herunterkühlen können. 

Entsprechend voll sind die Auftragsbücher bei dem Luxemburger Unternehmen. Innerhalb weniger Monate versiebenfachte sich die Nachfrage. Unter anderem findet sich die Technologie des Betriebes in den Impfzentren in Luxemburg. Aber die Firma liefert auch nach Deutschland, in die USA, nach Mexiko und Indonesien. Entsprechend angespannt war die Lage in der Produktion der Firma in den letzten Wochen. Um die Arbeit dennoch zu schaffen, legten die Belegschaften Sonderschichten ein.  

Mit den bestehenden Kapazitäten in Hosingen kann das Unternehmen die Nachfrage langfristig kaum befriedigen.
Mit den bestehenden Kapazitäten in Hosingen kann das Unternehmen die Nachfrage langfristig kaum befriedigen.
Foto: Gerry Huberty

Das nun begonnene Erweiterungsprojekt soll die Fertigungskapazitäten nochmals deutlich erhöhen. Die neuen Produktionslinien sollen bis Juli 2021 in Betrieb gehen. Etwa 150 zusätzliche Arbeitsplätze möchte das Unternehmen schaffen. Aktuell stehen unter anderem Elektriker, Mechaniker, Kältetechniker und Kunststoffspezialisten auf der Rekrutierungsliste der Firma. 

Finanzielle Beteiligung des Staats 

„In den letzten Monaten hat die Nachfrage nach Kühlketten für Impfstoffe dramatisch zugenommen. Da der Impfstoff schrittweise eingeführt wird, erwarten wir, dass die Nachfrage noch mindestens zwei Jahre weiter wächst“, sagt Luc Provost, der Geschäftsführer des Unternehmens. „Diese Erweiterung unserer Fabrik ist daher ein entscheidender Schritt, um unseren Kunden auf der ganzen Welt zu helfen, zuverlässige Kühlkettenlösungen für Impfstoffe anzubieten.“ Bis 2021 wird zunächst hinter dem bestehenden Werk eine neue 4 500 Quadratmeter große Produktionshalle errichtet. Anschließend wird dort eine neue Montagelinie aufgebaut sowie eine Testanlage zur Qualitätssicherung. Das gesamte Projekt werde mithilfe luxemburgischer Dienstleister durchgeführt, betonte Provost. 


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Für das Vorhaben sind insgesamt zwölf Millionen Euro angesetzt. Davon übernimmt das Wirtschaftsministerium 5,7 Millionen im Rahmen des Covid Investitionsprogramms. „B Medical Systems ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass in sich Luxemburg ein dynamischer Sektor für Gesundheitstechnologien angesiedelt hat, dessen Aktivitäten und Fähigkeiten auf dem neuesten Stand des technologischen Fortschritts sind“, sagte Franz Fayot bei der Grundsteinlegung. 

Bereits vor Beginn der Covid-Krise war die Firma in der Nische der Impfstoffkühlung einer der wichtigsten Anbieter weltweit. Das Unternehmen, das in Luxemburg aktuell etwa 200 Menschen beschäftigt, kooperiert seit Jahren mit internationalen Gesundheitsorganisationen wie Unicef, Ärzte ohne Grenzen und der Impfstoffallianz Gavi. 

Über 100 Patente 

Insgesamt ist die Firma in über 130 Ländern aktiv. Im Frühling dieses Jahres wird ein weiteres Werk in Indien den Betrieb aufnehmen; bereits im März 2020 eröffnete B Medical eine Niederlassung in den USA, um den nordamerikanischen Markt zu bedienen. Gerade die Impfkampagnen in Schwellenländern stellen hohe Anforderungen an die Kühltechnologie des Unternehmens. Denn auch bei unzuverlässiger Stromversorgung muss gewährleistet sein, dass die empfindlichen Medikamente bei der richtigen Temperatur gelagert werden.


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 Daher entwickelte die Firma in der Vergangenheit immer wieder neue Lösungen wie solarbetriebene Kühleinheiten und Überwachungssysteme, um aus der Ferne die ordnungsgemäße Lagerung zu überprüfen. Nach eigenen Angaben hält das Unternehmen aktuell über 100 Patente; in seiner Luxemburger Forschungsabteilung sind mehr als 30 Mitarbeiter beschäftigt. Ursprünglich Teil von Elektrolux, entstand die Firma in ihrer heutigen Form 2015 durch ein „Management-Buy-out“ mithilfe der Private Equity Firma Navis Capital Malaysia. Seither investierte das Unternehmen am Standort Hosingen mehr als 17 Millionen Euro vor allem in Automatisierung und Robotisierung. 

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