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Autonomes Fahren: Erste grenzüberschreitende Strecken getestet
Wirtschaft 3 Min. 03.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Autonomes Fahren: Erste grenzüberschreitende Strecken getestet

(v.l.n.r.) François Bausch, Anke Rehlinger, Elisabeth Borne, Andreas Scheuer und Etienne Schneider

Autonomes Fahren: Erste grenzüberschreitende Strecken getestet

(v.l.n.r.) François Bausch, Anke Rehlinger, Elisabeth Borne, Andreas Scheuer und Etienne Schneider
Foto: Luxinnovation
Wirtschaft 3 Min. 03.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Autonomes Fahren: Erste grenzüberschreitende Strecken getestet

Mara BILO
Mara BILO
Vertreter der luxemburgischen, deutschen und französischen Regierungen haben am Mittwoch in Schengen den Startschuss für die ersten grenzüberschreitenden Teststrecken gegeben.

Keine Unfälle, kein Stress, keine Staus – die Zukunft der Auto-Mobilität klingt vielversprechend. Selbstfahrende Autos sollen die Lösung sein, und Computer machen es möglich. Das Ziel: Selbstständig und ohne Fahrer sollen Fahrzeuge bald in der Lage sein, sich durch das Verkehrschaos zu schlängeln. Und um das im grenzüberschreitenden Straßenverkehr zu testen, haben sich Luxemburg, Deutschland und Frankreich zusammengeschlossen, um im Dreiländereck die Voraussetzungen für die Mobilität der Zukunft zu schaffen.


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Der Grundstein für das Projekt wurde vor zwei Jahren gelegt – bereits im September 2017 hatten Luxemburg, Deutschland und Frankreich vereinbart, ein Testfeld für automatisiertes und vernetztes Fahren zu schaffen. Am Mittwoch war es nun so weit: In Schengen gaben Wirtschaftsminister Etienne Schneider, Transportminister François Bausch, der deutsche Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer, die französische Verkehrsministerin Elisabeth Borne und die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger den Startschuss für die ersten grenzüberschreitenden Teststrecken.

Das Forschungslabor der Universität Luxemburg testet in Schengen sein autonomes Fahrzeug.
Das Forschungslabor der Universität Luxemburg testet in Schengen sein autonomes Fahrzeug.
Foto: Chris Karaba

Das Versuchsgebiet erstreckt sich über den Süden Luxemburgs, die Region Lothringen in Frankreich und Teile des Saarlandes. Konkret geht es darum, Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten die Möglichkeit zu geben, ihre Mobilitätskonzepte realitätsnah zu testen. „Die Industrie, Forschung und Wissenschaft kann so neue Technologien unter realen und grenzübergreifenden Bedingungen auf allen Straßenarten erproben“, hieß es am Mittwoch von den Regierungsvertretern der drei Länder. „Die Erkenntnisse werden helfen, neue Möglichkeiten im öffentlichen Personennahverkehr zu eröffnen“. Davon soll künftig in erster Linie der Pendlerverkehr profitieren: Immerhin sind täglich etwa 230.000 berufstätige Grenzpendler in der Großregion unterwegs.

Am Steuer all dieser Fahrzeuge wird bis auf Weiteres immer ein Fahrer dabei sein.

5G und Minibusse


ARCHIV - 26.04.2018, Mecklenburg-Vorpommern, Born: Ein Mast mit verschiedenen Antennen von Mobilfunkanbietern. (zu dpa «Mobilfunkstandard 5G zwischen Visionen und Machbarkeit") Foto: Jens Büttner/ZB/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Und so wurden gestern in Schengen auch erste konkrete Mobilitätsprojekte vorgestellt. „5GCroCo“ ist eines davon: Das europäische Projekt zielt darauf ab, die Technologie der fünften Mobilfunkgeneration 5G zu testen, da die Vernetzung der verschiedenen nationalen Mobilfunksysteme eine Voraussetzung für grenzüberschreitendes autonomes Fahren ist. Die luxemburgische Post beteiligt sich mit 23 anderen Partnern an diesem Projekt, wie Cliff Konsbruck, Direktor der Post, erklärt: „Post Luxembourg ist für die Planung und den Betrieb der Teststrecke in Luxemburg verantwortlich.“ Finanziell wird das über drei Jahre laufende „5GCroCo“-Projekt von der Europäischen Kommission mit etwa 13 Millionen Euro unterstützt; insgesamt sollten die 5G-Tests im Zusammenhang mit autonomem Fahren im Dreiländereck 17 Millionen Euro kosten.

Die Autos müssen mit spezieller Technik ausgestattet werden.
Die Autos müssen mit spezieller Technik ausgestattet werden.
Foto: Chris Karaba

Ein weiteres Beispiel ist das sogenannte „Terminal“-Projekt. Ziel des mit europäischen Mitteln geförderten Unterfangen ist es, automatisierte, elektrisch betriebene Minibusse im grenzüberschreitenden Pendlerverkehr einzuführen. Zu den Partnern des Projektes zählt die Universität Luxemburg; bis Ende 2021 sollten erste Ergebnisse vorliegen.

Derzeit sind nur bei diesen zwei europäischen Projekten luxemburgische Unternehmen vertreten, wie Anthony Auert, Clustermanager für Automobilität bei der nationalen Agentur für Wirtschaftsförderung Luxinnovation, erklärt: „Unsere Rolle ist es aber, weitere Projekte mit anderen Unternehmen auf die Beine zu stellen.“

Eine europäische Premiere

In der Praxis wird autonomes Fahren in Europa bereits getestet – unter anderem auf den deutschen Straßen, beispielsweise auf der Autobahn A9 zwischen München und Ingolstadt. Bei dem in Schengen vorgestellten Testgebiet handelt es sich im Gegensatz dazu aber um das erste „grenzüberschreitende Versuchsfeld“, wie Wirtschaftsminister Schneider betont. Der zentrale Ansatz ist es, die verschiedenen Infrastrukturen zwischen den drei Ländern – sprich unterschiedliche Verkehrsampeln, Schilder und Mobilfunksysteme – auf Kompatibilität zu testen.


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Die selbstfahrenden Autos werden auch im ganz normalen Berufsverkehr zwischen Schengen, Saarbrücken und Metz unterwegs sein. Wer während der kommenden Jahre auf den ausgewiesenen Teststrecken ganz konventionell unterwegs ist, muss sich aber keine Sorgen darüber machen, dass die selbstfahrenden Autos zu einer Gefahr werden können. Am Steuer all dieser Fahrzeuge wird bis auf Weiteres immer ein Fahrer dabei sein, erklärt Schneider. „Die Technik ist noch nicht so weit entwickelt; es muss jemand da sein, der eingreifen kann.“ Transportminister Bausch schätzt seinerseits, dass autonome Fahrzeuge von 2035 an auch für Endverbraucher auf dem Markt sein werden. „Die ersten, die fahrerlos unterwegs sein werden, sind wahrscheinlich Taxigäste.“

Die Strecke, auf der autonomes Fahren getestet werden wird, ist
206 Kilometer lang.
Die Strecke, auf der autonomes Fahren getestet werden wird, ist
206 Kilometer lang.
Grafik: Luxemburger Wort



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