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Autoexperten in Luxemburg: Keine Kunden, keine Hilfe
Wirtschaft 2 Min. 02.06.2020

Autoexperten in Luxemburg: Keine Kunden, keine Hilfe

Autoexperten müssen wegen der Corona-Krise starke Einbußen hinnehmen.

Autoexperten in Luxemburg: Keine Kunden, keine Hilfe

Autoexperten müssen wegen der Corona-Krise starke Einbußen hinnehmen.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 2 Min. 02.06.2020

Autoexperten in Luxemburg: Keine Kunden, keine Hilfe

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Viele Autoexperten in Luxemburg brauchen dringend Unterstützung – doch die Hilfe kommt nicht.

Die Corona-Krise trifft viele Selbstständige existenziell. Aufträge brechen weg und man fragt sich, wie man seine Mitarbeiter und seine Rechnungen noch bezahlen soll. Da erscheint die Kurzarbeit als goldener Rettungsanker am Horizont. Der Online-Antrag ist schnell ausgefüllt und dann beginnt das große Warten. Nach mehreren Wochen erhalten Unternehmer ihren Bescheid und der fällt nicht bei allen positiv aus. 

Dies ist der Fall bei Jean Hansen. Er arbeitet als selbstständiger Autoexperte und beschäftigt drei Mitarbeiter in seinem Büro in Oberanven. Weil die Autowerkstätten im Land schließen mussten, ist der Umsatz eingebrochen. Jean Hansen hat daher sofort einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt, als die Regierung ihre Maßnahmen für kleine und mittlere Unternehmen gestartet hat. Das war am 5. April. „Am 30. April kam dann der Brief vom Ministerium, dass der Antrag abgelehnt wurde, weil unsere Branche in der Corona-Situation angeblich keine Einbußen zu verzeichnen hat, was natürlich nicht stimmt“, berichtet Jean Hansen. 


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„Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Verkehrssicherheit aus. Da weniger Auto gefahren wird, passieren weniger Unfälle. Zudem waren die Autowerkstätten geschlossen. Wenn diese nicht öffnen, haben wir keine Arbeit“, so Hansen. So haben seines Wissens nach viele Büros Einbußen zwischen 70 und 80 Prozent erlitten. 

„Nicht nachvollziehbar“ 

Seiner Meinung nach liegt das Problem im System zur Klassifizierung von Wirtschaftszweigen, meist nur als Nace bezeichnet. „Aufgrund dieser Klassifikation liegt unsere Branche im Nace-Code 66.210, der an den Versicherungssektor gekoppelt ist. Im Gegensatz zu uns mussten die Versicherungen durch den Stillstand keine Einbußen verzeichnen“, sagt Jean Hansen. Diese Verbindung bezeichnet er als nicht nachvollziehbar. „Wir arbeiten zwar teilweise für Versicherungsgesellschaften, haben aber keine direkte Verbindung zu ihnen. Wir sind selbstständige Unternehmer und erstellen Schadengutachten für Werkstätte oder Bewertungen für Privatleute“, stellt Hansen klar. 


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Der Experte ist über die Hilfsmaßnahmen der Regierung tief enttäuscht. „Diese Hilfsmaßnahmen greifen bei uns überhaupt nicht“, sagt Hansen. So soll etwa jeder Selbstständige und jedes Unternehmen mit weniger als neun Beschäftigten 5.000 Euro erhalten. „Das gilt aber nur für jene Firmen, die ihre Türen auch tatsächlich abgeschlossen haben, das aber ist bei hiesigen Büros nicht der Fall“, so Hansen. 

Beschwerde eingereicht 

Auch Eric Grommerch, Geschäftsführer des Büros Autex in Leudelingen, hat eine Antrag auf Kurzarbeit gestellt und einen negativen Bescheid erhalten. „Das kann ich nicht nachvollziehen. Alle Kollegen aus der Branche sind betroffen. Die Begründung des Ministeriums lautet: Wir gehören nicht zu den Aktivitätsbranchen die seit dem Inkrafttreten der großherzoglichen Verordnung vom 18. März 2020 ihre Tätigkeiten unterbrechen mussten. Tatsache aber ist, die Autowerkstätte für die wir arbeiten, waren geschlossen. Ohne die haben wir keine Arbeit, beziehen kein Einkommen.“ 

Der Unternehmer ist Mitglied im Verband der Autoexperten, dem „Ordre des experts en automobiles du Luxembourg“. „Der Verband hat eine Beschwerde beim Ministerium eingereicht. Derzeit warten wir auf eine Reaktion.“ 

Auch Jean Hansen hat sich schriftlich beim Ministerium beschwert. „Allerdings habe ich bis dato noch keine Antwort bekommen.“

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