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"Ausweichflughafen für den Findel"
Wirtschaft 3 Min. 15.03.2012

"Ausweichflughafen für den Findel"

Noch liegt der Bitburger Flugplatz im Dornröschenschlaf. Mit Hilfe von Fonds will Frank Lamparski dort bis zu 400 Millionen Euro investieren.

"Ausweichflughafen für den Findel"

Noch liegt der Bitburger Flugplatz im Dornröschenschlaf. Mit Hilfe von Fonds will Frank Lamparski dort bis zu 400 Millionen Euro investieren.
Lucien Wolff
Wirtschaft 3 Min. 15.03.2012

"Ausweichflughafen für den Findel"

Er ist im Moment ein gefragter Interview-Partner: Vor allem deutsche Medien wollen von dem Luxemburger Geschäftsmann Frank Lamparski wissen, wie er sich den Ausbau des Flugplatzes Bitburg vorstellt. Im Gespräch mit wort.lu nennt Lamparski erstmals Investitionssummen und Herkunft der Gelder.

Er ist im Moment ein gefragter Interview-Partner: Vor allem deutsche Medien wollen von dem Luxemburger Geschäftsmann Frank Lamparski wissen, wie er sich den Ausbau des Flugplatzes Bitburg vorstellt. Aus dem verschlafenen Rollfeld soll schon in wenigen Jahren eine Konkurrenz für den Findel werden. Im Gespräch mit wort.lu nennt Lamparski erstmals Investitionssummen und Herkunft der Gelder.

Herr Lamparski, Sie wollen die ehemalige Militärlandebahn Bitburg zu einem Industrieflughafen mit Werft und Güterabfertigung ausbauen und durch Flugverbindungen nach Osteuropa und Asien Passagiere anlocken. Gibt es mit Hahn, Charleroi, Saarbrücken, Metz und Zweibrücken nicht schon genug defizitäre Flughäfen in der Großregion?

Lamparski: Man muss sich anschauen, wo das Defizit herkommt. Der Flughafen Hahn zum Beispiel funktioniert nicht schlecht. Mit einem Potenzial von 6,5 Millionen Passagieren (Anm. d. Red.: tatsächlich waren es 2008 3,4 Millionen Passagiere) könnte der Flughafen hochgradig profitabel arbeiten, wenn kostendeckende Flughafengebühren erhoben würden. Nur wird der Hahn von der übermächtigen Ryanair dominiert, die das nicht zulässt. Nur zwei Euro mehr Flughafengebühr pro Passagier und der Hahn würde glänzend da stehen.

Nun liegt ja Bitburg zwischen dem Billigflughafen Hahn und dem Findel, wo etablierte Airlines starten. Warum wollen Sie ausgerechnet in der Eifel investieren?

Lamparski: Ob ein Flughafen erfolgreich ist oder nicht, hängt davon ab, wie er sich zum Umfeld verhält. Bitburg seinerseits ist sehr gut an den Verkehr angebunden. Es liegt fünf Kilometer von der Autobahn entfernt, eine Bahnstrecke ist auch nicht weit. Bis nach Luxemburg mit seiner Luftfahrtindustrie ist es ein Katzensprung. Und Bitburg hat einen Vorteil: Um den Flughafen herum gibt es jede Menge Platz.

Sie gehen bis 2015 von 2000 Arbeitsplätzen am Flughafen Bitburg und 2,5 Millionen Passagieren Passagieren aus. Das wäre dann fast eine Million mehr als der Findel zurzeit hat …

Lamparski: Weltweit besagen die Prognosen, dass sich der Flugverkehr insgesamt bis 2020 verdoppeln wird.

… aber die Prognosen sind schnell hinfällig, wenn der Ölpreis wieder anzieht.

Lamparski: Das wird der Wirtschaft und allen Transportmitteln gleichermaßen schaden. Die Bedeutung des Flugzeugs wird aber trotzdem wachsen. Jedenfalls: Spätestens in zehn Jahren bekommen wir in der Großregion ein Problem, weil die Kapazitäten nicht ausreichen. Auf dem Findel zum Beispiel können die Kapazitäten bei weitem nicht ausgeschöpft werden, weil die Zahl der Starts und Landungen durch die Kommodo-Inkommodo-Regeln begrenzt ist. Vor allem bei den Frachtflügen sehe ich große Chancen für Bitburg, der sich zum Ausweichflughafen für Luxemburg entwickeln wird.

Im Passagierbereich setzen Sie auf Osteuropa. Wo soll da die Nachfrage herkommen?

Wenn man die Europakarte betrachtet, stellt man fest, dass die neuen EU-Länder sowie Russland, die Ukraine und Zentralasien bis hin nach Indien noch nicht voll an den internationalen Flugverkehr angebunden sind. Da wird sich in den nächsten Jahren sehr viel bewegen. Wir wollen auf diesem Markt mitmischen und einen Anlaufpunkt für Westeuropa bieten.

Wer ist eigentlich genau "wir"? Darüber zerbrechen sich die Zeitungen schon seit Wochen den Kopf.

Lamparski: Um das einmal klarzustellen: Ich habe eine Investitionssumme von 400 Millionen für den Ausbau des Flughafens angekündigt. Das Geld kommt jedoch nicht, wie manche Zeitungen vermutet haben, von einigen wenigen Investoren. Vielmehr handelt es sich um Luxemburger Investmentfonds. Wir verwenden den Flughafen Bitburg als Investitionsobjekt, um eine ordentliche Rendite zu erzielen. Zu den 400 Millionen kommen übrigens noch die Gelder von anderen Betrieben, die sich im Umfeld ansiedeln werden.

Im Moment sind Sie im Besitz von 40 Prozent der Anteile an der Flugplatz Bitburg GmbH. Der Rest gehört kommunalen Teilhabern wie der Stadt Bitburg und dem Eifelkreis. Bei einer kommerziellen Nutzung können die Besitzverhältnisse wohl nicht so bleiben …

Lamparski: Nein. Unser Ziel ist es, den Flugplatz zu 100 Prozent zu privatisieren. Wenn da der Staat mit im Boot sitzt, wären die Investoren wohl sehr zurückhaltend. Man befürchtet in einem solchen Fall immer, dass Entscheidungen sich lange hinziehen. Dann wäre der ehrgeizige Zeitplan aber sicherlich nicht zu halten. Aber ich bin sicher, dass die kommunalen Teilhaber ihre Anteile abgeben werden. Vor wenigen Tagen haben wir dahingehend eine Einigung erzielt.

Interview: Volker Bingenheimer