Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ausblick: Starke Erholung wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 2021
Wirtschaft 4 Min. 19.01.2021

Ausblick: Starke Erholung wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 2021

Laut BGL BNP Paribas gibt es Anlass zu "vorsichtiger Hoffnung".

Ausblick: Starke Erholung wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 2021

Laut BGL BNP Paribas gibt es Anlass zu "vorsichtiger Hoffnung".
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 4 Min. 19.01.2021

Ausblick: Starke Erholung wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 2021

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Mit einer deutlichen konjunkturellen Erholung ist frühestens ab der zweiten Jahreshälfte 2021 auszugehen, meint Yves Nosbusch, Chefvolkswirt der BGL BNP Paribas.

Trotz der kurzfristigen Belastungen ist der Ausblick für 2021 insgesamt positiv. Die Impfstoffverbreitung während des zweiten Lockdowns sowie eine deutliche Belebung der Nachfrage könnten zu einem spürbaren Konjunkturaufschwung frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2021 führen, so Yves Nosbusch, Chefvolkswirt der BGL BNP Paribas, am Dienstag bei der Vorstellung seiner Wirtschaftsprognosen für das Jahr 2021.

Yves Nosbusch
Yves Nosbusch
Foto: BGL

In der Eurozone wird der Aktivitätsverlust wahrscheinlich nicht vor Ende 2021 beseitigt sein. „Der Anstieg der Infektionszahlen und die neuen Einschränkungen erschweren derzeit den Aufholprozess“, stellt Nosbusch fest. Und: Indikatoren wie etwa die Daten von Google Mobility - die eng mit den Ausgaben der Haushalte zusammenhängen - zeigen, dass der Aufschwung gegen Ende 2020 erneut zum Stillstand kam. 

Dennoch gibt es laut Yves Nosbusch Gründe, „vorsichtig hoffnungsvoll“ auf das Wirtschaftsjahr 2021 zu blicken. „Die Impfkampagne hat begonnen, was das Störungsrisiko durch neue Ansteckungswellen reduzieren und damit die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten verringern sollte. Dies lässt auf eine deutliche Belebung der Nachfrage und der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte hoffen“, so Nosbusch. Dann sollte auch der Impfstoff seine Wirkung zeigen und für eine breitangelegte globale Wirtschaftserholung sowie Stimmungsaufhellung sorgen. 

Der Ökonom erwartet also eine globale Wachstumsbeschleunigung ab der zweiten Jahreshälfte 2021. Diese These sei allerdings „mit Vorsicht“ zu genießen. Es könnte nämlich länger dauern als erwartet, bis die sogenannte Herdenimmunität erreicht wird. Sollte es Verzögerungen geben, hält auch die mit der Infektion verbundene Unsicherheit länger an.

Wachstum von 3,8 Prozent in der Eurozone

Für die Eurozone prognostiziert Yves Nosbusch eine Erholung mit einer Wachstumsrate von rund 3,8 Prozent in diesem Jahr, 5,5 Prozent im nächsten Jahr. Deutschlands Wirtschaft soll 2021 um 4,2 Prozent wachsen und für Frankreich wird ein Wachstum von 6,3 Prozent erwartet. Italiens Wirtschaftsleistung könnte um sechs Prozent steigen und Spaniens sogar um sieben Prozent. „Dabei sind wir etwas optimistischer als andere Institute“, stellt Yves Nosbusch fest. 


Serge Allegrezza.
Statec: „Bis zur vollständigen Erholung kann es noch dauern“
Luxemburgs Wirtschaftsaktivität sackt dieses Jahr bis um 4,5 Prozent ab; die Prognose für nächstes Jahr schwankt zwischen minus 0,5 und plus vier Prozent.

Der Chefvolkswirt weist darauf hin, dass in Europa zahlreiche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Beschäftigung, einschließlich Kurzarbeit, dazu beigetragen haben, den Anstieg der Arbeitslosigkeit einzudämmen. Dennoch hat sich die Einschätzung der Arbeitsmarktaussichten durch die europäischen Haushalte zuletzt wieder verschlechtert. Kurzfristig könnte dies die Ausgaben dämpfen und das Vorsorgesparen fördern.

Zu einem späteren Zeitpunkt allerdings, wenn sich die Aussichten wieder verbessert haben, würde genau das Gegenteil eintreten - die Haushalte können dann auf die Ersparnisse zurückgreifen, die sie während der Einschränkungen angesammelt haben und demnach einen gewissen Nachholeffekt herbeiführen.

Für Unternehmen sei Sichtbarkeit nach wie vor ausschlaggebend. „Das wird ihre Entscheidungen bestimmen, sowohl in Bezug auf Investitionen als auch auf Rekrutierung von Mitarbeitern“, sagt Nosbusch. Unternehmen, die sich nach starken Umsatzeinbußen durch den Lockdown stark verschuldet haben, ziehen den Schuldenabbau womöglich den Investitionen vor. Demnach könnten „viele Unternehmen weiterhin stark unter Druck stehen“. Yves Nosbusch weist auch darauf hin, dass es historisch gesehen eine Verzögerung zwischen dem BIP-Rückgang und dem Anstieg der Insolvenzen gibt. 

Auf der anderen Seite ist es möglich, dass profitable Unternehmen mit starken Bilanzen  - und für die sich die Nachfrageaussichten verbessern -  ihre Investitionen erhöhen, was sich positiv auf andere Sektoren auswirken kann. 

Die langfristigen Folgen der Pandemie

Die Corona-Krise wird auch tiefgreifende langfristige Folgen für die Wirtschaft haben, ist sich Yves Nosbusch sicher. Es wird Veränderungen auf der Angebotsseite, vor allem bei den Wertschöpfungsketten geben, „damit die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schocks verstärkt werden kann“. 


Medizinstudentin zieht den Impfstoff von Pfizer-BioNTech auf.
Das erwartet die luxemburgische Wirtschaft nach dem Corona-Jahr
Die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Luxemburg wird vor allem davon abhängen, wie schnell es der Gesellschaft gelingt, die Neuinfektionszahlen nachhaltig zu senken.

Andere Entwicklungen werden auch auf der Nachfrageseite erwartet. Einige Verbrauchsgewohnheiten, die während des Lockdowns entstanden sind - wie etwa die weit verbreitete Nutzung von E-Commerce - werden sich wohl auch in Zukunft fortsetzen. Weitere Entwicklungen sind noch ungewiss: Wie wird sich Heimarbeit auf die Nachfrage nach Büroräumen auswirken? Inwiefern wird Online-Shopping die Nachfrage nach Einzelhandelsflächen prägen? Was wird Streaming-Video in Bezug auf Kinos, Theater und Stadien bewirken oder Videokonferenzen auf Geschäftsreisen? „Die langfristigen Wachstumsaussichten für einige Branchen könnten in Zukunft deutlich anders aussehen“, sagt Yves Nosbusch.


Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Aussichten trüben sich ein
Die Wirtschaft wächst immer langsamer – Indikatoren dafür, dass die Wirtschaftsaktivitäten dieses Jahr aber global zurückgehen werden, gibt es keine, analysiert Yves Nosbusch von der BGL BNP Paribas.
16.1.2018 Luxembourg, Kirchberg, BGL-BNP Paribas, Bank BGL Chef économiste photo Anouk Antony
Zuversicht und Vorsicht
Der Motor der Weltwirtschaft brummt, die Börsen erreichen ein Rekordhoch nach dem anderen. Wird die Rally noch lange halten? Yves Nosbusch, Chefvolkswirt der BGL BNP Paribas ist zuversichtlich.
Aufschwung in der Eurozone, Vollbeschäftigung in den USA: Chefvolkswirt Yves Nosbusch glaubt, dass die Börsenrally dieses Jahr noch anhalten wird.