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Auch an Weihnachten macht der Alltag keine Pause
Wirtschaft 5 Min. 22.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Auch an Weihnachten macht der Alltag keine Pause

Auch an Weihnachten macht der Alltag keine Pause

Foto: Shutterstock
Wirtschaft 5 Min. 22.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Auch an Weihnachten macht der Alltag keine Pause

Mara BILO
Mara BILO
Ob im Restaurant, in der Apotheke oder in 10.000 Metern Höhe – für viele Menschen ist Weihnachten alles andere als eine stille Zeit mit der Familie. Im Gegenteil: In vielen Unternehmen ist meist mehr los als im üblichen Tagesgeschäft.

Sébastien Ambrosino

  • Beruf: Restaurantleiter
  • Unternehmen: „La pomme canelle“ – Hôtel Le Royal
Foto: Chris Karaba

Gläser klirren, Kerzen flackern, die Kellner wünschen „Bon appétit“. Mittendrin und alles im Blick: Sébastien Ambrosino. Der 41-Jährige ist Leiter des Gourmetrestaurants „La pomme canelle“ im Hôtel Le Royal. Er hat viel zu tun in dieser Weihnachtszeit; immerhin ist der Dezember besonders arbeitsreich. Und an den Weihnachtstagen erreicht die Hektik ihren Höhepunkt: Die 80 Plätze sind am 24. und 25. Dezember bereits komplett ausgebucht. Dann ist nämlich ein spezielles Festtagsmenü angesagt, wie Sébastien erzählt: Sechs Gänge gibt es am Heiligabend, fünf sind am 25. Dezember geplant.

Sébastien hat seit 20 Jahren Weihnachten nicht mehr im Familienkreis verbracht. „Gut, dass ich eine verständnisvolle Frau habe, die auch in der Restaurationsbranche tätig ist“, lacht er. Für ihn ist Arbeit an Weihnachten eine Gewohnheit – seine Großeltern waren selbst Hoteliers. „Ich genieße die entspannte Weihnachtsstimmung; es ist fast so, als würden wir an einem sehr großen Familienfest teilnehmen.“ Und dass die Kunden an Weihnachten besonders gut gelaunt sind, schadet nicht; immerhin fällt das Trinkgeld an solchen Feiertagen für seine Mitarbeiter immer großzügiger aus.

Elisabeth El Assal

  • Beruf: Apothekerin
  • Unternehmen: Apotheke in Luxemburg-Stadt
Foto: Chris Karaba

Elisabeth El Assal hat alle Hände voll zu tun: Die Apotheke in Luxemburg-Stadt, in der sie arbeitet, ist rappelvoll. Alle fünf Ladentheken sind besetzt – kein Wunder, im Winter werden viele Menschen krank und wollen Weihnachten wieder fit sein. „An Feiertagen ist besonders viel zu tun, weil wir zu zweit die Kunden empfangen“, erklärt die 28-Jährige. Normalerweise beschäftigt die Apotheke 13 Mitarbeiter, die in Schichten arbeiten.

Elisabeths Apotheke ist dieses Jahr eine der Notdienstapotheken, die während den Weihnachtstagen geöffnet bleiben – im Internet gibt der Apothekerverband „Syndicat des pharmaciens luxembourgeois“ im Wochentakt Auskunft über die Apotheken, die Dienst haben. Am 25. Dezember arbeiten nun neben Elisabeth vier weitere Mitarbeiter; sie ist mit einem Kollege für die Schicht von 14 bis 19 Uhr verantwortlich. Seit fünf Jahren arbeitet sie in der Apotheke, allerdings zum ersten Mal am christlichen Feiertag: „Meine Familie musste sich bei der Planung des Essens dieses Jahr nach mir und meinen Arbeitszeiten richten!“, lacht sie. Deshalb starten die Feierlichkeiten im Familienhaus dieses Jahr auch schon um 11.30 Uhr und nicht eine Stunde später wie gewöhnlich.

Yves Jehanne

  • Beruf: Konditormeister
  • Unternehmen: Steffen-Gruppe
Foto: Chris Karaba

Mehr als 10 000 süße Backwaren: Das stellt die Catering-Abteilung der Steffen-Gruppe jede Woche her. „In der Weihnachtswoche verdoppeln oder verdreifachen wir unsere Produktion!“, stellt der Konditormeister Yves Jehanne fest. „Und dazu kommt noch die Arbeit, die wir für die Steffen-Metzgereien machen – beispielsweise die Teigbereitung für die Pasteten – oder auch die Fertigstellung der Bûche de Noël für die Kunden, die ein Weihnachtsmenü bestellt haben.“ Für Yves und seine Kollegen ist die Weihnachtszeit besonders stressig; im Schnitt arbeiten sie im Dezember zusätzlich 50 bis 70 Stunden. „Von Januar bis März haben wir die Möglichkeit, diese Stunden aufzuholen.“

In den Weihnachtstagen arbeitet Yves dann mit einem kleineren Team, um die Bestellungen ein letztes Mal zu überprüfen und gegebenenfalls kleine Änderungen möglich zu machen. „Die Mitarbeiter, die Kinder haben, kriegen in der Regel über Weihnachten frei“, erklärt der 27-Jährige. „Die anderen nehmen sich den Silvesterabend.“ Im vergangenen Jahr ist Yves' Familie eigens aus Frankreich nach Luxemburg gekommen, um mit ihm die Weihnachtstage zu verbringen. „Dieses Jahr werden wir Weihnachten nach dem 25. Dezember zusammen feiern“, erklärt er. „Das ist die einzige Möglichkeit, die wir gefunden haben.“

Michael Kayser

  • Beruf: Flugkapitän
  • Unternehmen: Cargolux
Foto: Chris Karaba

Das internationale Cargogeschäft steht niemals still: Rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Und so ist auch Flugkapitän Michael Kayser zusammen mit seinem Kopiloten vom 20. bis zum 28. Dezember weit weg von zu Hause. Seit 2006 arbeitet er für Cargolux – und hat in dieser Zeit schon öfters die Weihnachtsschicht übernommen. „Das habe ich freiwillig gemacht, damit die Kollegen, die Kinder haben, auch davon profitieren können“, berichtet er.

Nun aber ist ein Kind unterwegs, und so fällt es ihm dieses Jahr doch etwas schwerer, nicht zu Hause zu sein: „Es ist natürlich ein gemischtes Gefühl. Auf der einen Seite hat man Heimweh, auf der anderen Seite wird doch mit den Kollegen ordentlich gefeiert.“ Denn bei diesen Jobs ist es üblich, an den Weihnachtstagen mit anderen Cockpitbesatzungen, die sich am selben Stationspunkt aufhalten, essen zu gehen, berichtet der 40-Jährige. „Wir machen das Beste draus!“ Dieses Jahr wird Michael in Columbus (USA) die Weihnachtsstimmung auf sich wirken lassen; in den vergangenen Jahren hat er Weihnachten unter anderem in Alaska, Hongkong, Chicago und New York erlebt.

Olivier Gallé

  • Beruf: Geschäftsführer
  • Unternehmen: Taxis Colux
Foto: Chris Karaba

Schwarze Limousinen, auf dem Dach gelbe „Taxi“-Schilder: Vor dem Unternehmen Taxis Colux ist alles komplett zugeparkt. Für Olivier Gallé, 45, ist die Firma in Bonneweg wie ein zweites Zuhause. Das Taxiunternehmen ist ein Familiengeschäft; nächstes Jahr feiert die Firma ihr 90-jähriges Bestehen. Olivier ist bereits in vierter Generation Geschäftsführer: „Ich bin sozusagen im Taxi geboren!“, scherzt er. 365 Tage im Jahr sind die Taxis im Land unterwegs. Und für Olivier heißt das: „Wenn man Selbstständiger ist, kann man sich nur wenig Urlaub erlauben.“

An Weihnachtstagen gilt also „Business as usual“. Von den etwa 90 Taxifahrern, die Olivier beschäftigt, werden 25 an den Feiertagen arbeiten. „Heiligabend ist eher eine ruhige Nacht“, das zeigt die Erfahrung. Olivier muss dennoch den reibungslosen Ablauf der Geschäfte sicherstellen. Allerdings kann er das dank der modernen Technologien auch von zu Hause machen – und so zumindest teilweise am Familienessen teilnehmen. „Meine ganze Familie ist daran gewohnt, dass ich womöglich die ganze Nacht am Telefon verbringen werde“, erklärt er. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wird aber nachgefeiert – und zwar im großen Stil.


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