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ArcelorMittal stellt Düdelingen zur Disposition
Wirtschaft 3 Min. 13.04.2018 Aus unserem online-Archiv

ArcelorMittal stellt Düdelingen zur Disposition

Der Stahlkonzern möchte das italienische Werk Ilva übernehmen - die EU hat Bedenken.

ArcelorMittal stellt Düdelingen zur Disposition

Der Stahlkonzern möchte das italienische Werk Ilva übernehmen - die EU hat Bedenken.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 13.04.2018 Aus unserem online-Archiv

ArcelorMittal stellt Düdelingen zur Disposition

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Der Stahlkonzern ArcelorMittal hat der Europäischen Kommission im Zusammenhang mit der Übernahme des italienischen Stahlwerks Ilva ein Veräußerungspaket vorgelegt.

Ziel des Angebotes sei es, die von der EU während der Überprüfung geäußerten Bedenken gegen die Akquise von Ilva bei Taranto in Apulien, auszuräumen, hieß es in einer Mitteilung von ArcelorMittal. Die Kommission hatte diese Bedenken geäußert, weil der Wettbewerb auf dem Markt für Kohlenstoff-Flachstahlerzeugnisse möglicherweise beeinträchtigt werden könnte.

Teil des nun vorgelegten Veräußerungspaketes sind der Mitteilung zufolge:

  • ArcelorMittal Piombino, das einzige Stahlwerk des Unternehmens in Italien mit Verzinkungslinien
  • ArcelorMittal Galati, Rumänien
  • ArcelorMittal Skopje, Mazedonien
  • ArcelorMittal Ostrava, Tschechien
  • ArcelorMittal Dudelange, Luxemburg
  • Feuerverzinkungslinien 4 und 5 in Flemalle; Warmwalz-, Kaltwalz- und Zinnverpackungslinien in Tilleur, alle bei Liège, Belgien.

Auch der ArcelorMittal Standort Düdelingen mit seinen circa 300 Beschäftigten steht somit zur Disposition, selbst wenn noch nichts entschieden sein mag. Das Werk ist renommiert für seine Produkte wie Usibor für den Automobilbau sowie durch Aluzinc, eine metallische Beschichtung, die aus einer Legierung aus Aluminium, Zink und Silizium besteht und vor allem im Bau Verwendung findet.

Im Düdelinger Werk sind etwa 300 Mitarbeiter beschäftigt.
Im Düdelinger Werk sind etwa 300 Mitarbeiter beschäftigt.
Foto: ArcelorMittal

Der Vorschlag zur Veräußerung der vorgenannten Vermögenswerte stehe noch unter dem Vorbehalt der abschließenden Prüfung und Genehmigung durch die EU sowie des Abschlusses der Informations- und Konsultationsverfahren mit den lokalen und europäischen Betriebsräten, hieß es. 

Entscheidung soll bis Ende Mai fallen

Alle Verkäufe würden auch vom Abschluss der Akquisition von Ilva durch ArcelorMittal abhängig gemacht. Es werde erwartet, dass die EU bis zum 23. Mai 2018 eine endgültige Entscheidung über den Fall treffe.

ArcelorMittal hatte im letzten Jahr für 1,8 Milliarden Euro von der italienischen Regierung den Zuschlag für Ilva erhalten. Die Regierung hatte zwei Jahre zuvor die Kontrolle über das finanziell angeschlagene Stahlwerk übernommen. Zum einen ging es darum, Arbeitsplätze zu retten, zum anderem um die starke Umweltverschmutzung im Umfeld des Werkes in den Griff zu bekommen.

Ein Sprecher von ArcelorMittal sagte dem "Luxemburger Wort" am Freitagnachmittag auf Anfrage, man würde das Düdelinger Werk durchaus gerne behalten. Der Vorschlag sei allein wettbewerbsrechtlichen Auflagen geschuldet. In der kommenden Woche soll bei ArcelorMittal ein Sonderausschuss zusammentreten, um den Personalvertretern das Szenario zu erläutern.

Wirtschaftsminister will intervenieren

Wirtschaftsminister Etienne Schneider sprach sich am Freitag in einer schriftlichen Stellungnahme gegen einen Verkauf des Düdelinger Werkes aus, um den Bedenken der Europäischen Kommission im Rahmen der EU-Fusionskontrollverordnung Rechnung zu tragen.

"Ich werde sowohl beim Management von ArcelorMittal als auch bei der Kommission in Brüssel intervenieren, um sicherzustellen, dass der Standort in Düdelingen Eigentum der Gruppe bleibt. Indem die Kommission ArcelorMittal verpflichtet, Produktionsstätten in Europa zu verkaufen, handelt sie gegen die Interessen der europäischen Industriepolitik, indem sie die Schaffung eines echten europäischen Stahlchampions behindert, der auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig ist", so Etienne Schneider.

Das Werk ist renommiert für Produkte, die in der Autoindustrie und im Baugewerbe eingesetzt werden.
Das Werk ist renommiert für Produkte, die in der Autoindustrie und im Baugewerbe eingesetzt werden.
Foto: ArcelorMittal

Gewerkschafter zeigen sich sehr besorgt

Auch bei den Gewerkschaften sorgt man sich, wie Robert Fornieri, Beigeordneter Generalsekretär des LCGB und zuständig für die Stahlindustrie, dem "Luxemburger Wort" am Freitag auf Anfrage bestätigte. Düdelingen sei keine isolierte Produktionsstätte, sondern arbeite im Verbund und sei dabei Dunkerque und Florange nachgeordnet. Der Vertrieb der schließlich in Düdelingen gefertigten Produkte laufe wiederum über Florange.

Wenn aber nun Düdelingen verkauft werden solle, müsse das Galvanisierungswerk aus dem Verbund gerissen werden und so aufgestellt werden, dass es unabhängig arbeiten könne. Neben der technisch-organisatorischen Herausforderung sei dies auch personalpolitisch schwierig. Hinzu komme, dass innerhalb von nur sechs Monaten ein Käufer gefunden werden müsse und völlig unklar sei, was passiere, wenn keiner gefunden werde.


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